Freitag, 21. Februar 2020

Zinspause - und ein Flirt mit Zinssenkungen Fed schwenkt um - "Es riecht nach Panik"

US-Dollar: Die Leitwährung gab nach der Kehrtwende der US-Notenbank deutlich nach

Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten will die US-Notenbank Fed dieses Jahr die Füße stillhalten und die Ära aggressiver Zinserhöhungen beenden. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell planen nach einem wahren Zinsfeuerwerk von neun Erhöhungen binnen drei Jahren für 2019 eine Pause und wollen die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr erhöhen, wie sie am Mittwoch signalisierten. Erst 2020 könnte noch eine Anhebung kommen. Der Leitzins ist nun in der Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent in etwa auf einem Niveau, das die Wirtschaft laut Powell weder anschiebt noch bremst.

"Jetzt ist eine großartige Zeit, um geduldig zu sein", betonte Powell. Aus den Konjunkturdaten lasse sich kein Grund ableiten, Zinsen zu erhöhen oder zu senken. Anleger reagierten mit Nervosität auf den trüben Konjunkturausblick der US-Notenbank: Der Dollar gab deutlich nach, und auch der Dax Börsen-Chart zeigen setzte seinen Kursrutsch fort.

Börse: Dax gibt nach Fed-Entscheidung weiter nach

Noch im Dezember hatte es die Fed ganz anders gesehen und zwei Erhöhungen für 2019 avisiert: "Sie hat die weitere Normalisierung der Geldpolitik abgeblasen. Das ist ein Paukenschlag mit Tusch - und riecht ein wenig nach Panik", meint Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank. Manche Experten rechnen sogar damit, dass schon bald wieder über eine Lockerung der Geldpolitik gesprochen wird: "Der Flirt mit Leitzinssenkungen wird im zweiten Halbjahr wohl beginnen", prophezeit Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Zu der vorläufigen Abkehr vom Kurs der geldpolitischen Straffung passt auch, dass die Fed die im Herbst 2017 begonnene Abbau-Operation ihrer Bilanz bis Ende September weitgehend abschließen möchte. Ende 2019 wird der Umfang des Portfolios laut Powell noch rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprechen. Damit läge es auf einem weit höheren Niveau als vor der Finanzkrise mit damals 800 Milliarden Dollar, was etwa sechs Prozent des BIP entsprach.

Zwischenzeitlich war die Bilanz im Kampf gegen die zurückliegende Wirtschaftskrise durch Wertpapierkäufe auf rund 4,5 Billionen Dollar angewachsen. Mittlerweile wurde sie wieder auf unter vier Billionen Dollar eingedampft. Die Fed hatte mit den Käufen von Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und anderen Vermögenswerten mit dafür gesorgt, dass sich die Wirtschaft nach der 2007 einsetzenden Finanzkrise aus der Rezession löste und auf Wachstumskurs ging. Zudem ermöglichte die Geldflut der Wall Street einen Höhenflug.

la/reuters

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