Montag, 14. Oktober 2019

Federal Reserve und EZB kündigen Leitzinssenkungen an Leitzinssenkung schon im Juli - was die geldpolitische Kehrtwende für Anleger bedeutet

Mario Draghi, 20-Euro-Note: Draghi beglückt Aktionäre - und enteignet die Sparer

Wichtige Zentralbanken - allen voran die US-Notenbank Federal Reserve - haben eine geldpolitische Kehrtwende vollzogen und dürften schon bald die Leitzinsen senken. In den USA rechnen Investoren damit, dass Fed-Chef Jerome Powell bereits im Juli die Leitzinsen senken wird. Einen solchen Schritt könnte auch die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli vollziehen.

Damit gestaltet sich der Ausblick für die Finanzmärkte trotz der ausgeprägten Abwärtsrisiken für das globale Wachstum freundlich. Einerseits führen niedrigere Leitzinsen und Anleiherenditen zu Aufwärtsdruck auf die Bewertung anderer Finanz- und Realaktiva. Andererseits könnten vor allem Zinssenkungen der US-Notenbank Schule machen und eine globale Welle der geldpolitischen Lockerung lostreten.

Neben den Anleihemärkten dürften insbesondere höher verzinsliche Aktiva, wie die Währungen von Rohstoffproduzenten und Schwellenländern, profitieren. An den Immobilienmärkten dürften niedrigere Hypothekensätze zu einer zunehmenden Nachfrage führen. Aber auch Gold sollte spürbare Unterstützung erfahren und dürfte seine mehrjährige Konsolidierung schon abgeschlossen haben.

Daniel Pfändler
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    Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makro-ökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead.

Im vergangenen Jahr haben wichtige Zentralbanken ihre Geldpolitik gestrafft und damit zu einer abnehmenden Wachstumsdynamik und einem schwierigen Umfeld für die Finanzmärkte beigetragen. Nun vollziehen immer mehr Notenbanken eine geldpolitische Kehrtwende: Als Folge des rückläufigen Wachstums, der ausgeprägten Abwärtsrisiken durch die Gefahr einer weiteren Eskalation der Handelskonflikte sowie eines nur verhaltenen Inflationsdrucks stehen nun baldige Zinssenkungen im Raum.

Leitzinssenkung bereits im Juli?

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, schürte vergangene Woche mit seiner Rede auf der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra entsprechende Erwartungen: Wenn sich der Ausblick für die Eurozone nicht verbessere, so der EZB-Chef, sei eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich. Auf der EZB-Sitzung Anfang des Monats hatte es noch geheißen, dass sich dafür die Lage weiter verschlechtern müsste. Der geldpolitische Rat der EZB will in den kommenden Wochen erörtern, wie die Instrumente entsprechend der Schwere der Risiken für die Preisstabilität angepasst werden können.

Damit ist die Hürde für eine geldpolitische Lockerung niedrig, und der EZB-Rat könnte schon an der kommenden Sitzung im Juli die Leitzinsen senken.

Nur einen Tag später schlug das Federal Reserve in den USA ähnliche softe Töne an. Einerseits bauten die Mitglieder des geldpolitischen Rates (FOMC) in ihr Statement den Passus ein, dass sie "geduldig" mit weiteren Leitzinsänderungen sein könnten. Sie verwiesen sowohl auf die erhöhten Risiken als auch auf die verhaltene Inflationsentwicklung. Andererseits wurde vermerkt, dass das Komitee so agieren werde, dass die Wirtschaftserholung fortschreiten könne.

Auf der Pressekonferenz legt Fed-Präsident Jerome Powell dann nach: Viele FOMC-Mitglieder hielten eine Zinssenkung für angemessen, merkte er an. Und auch diejenigen, die einen unveränderten Zinssatz prognostizierten, würden anerkennen, dass das Umfeld für Zinssenkungen stärker geworden sei. Insgesamt hinterließ Powell den Eindruck, dass auf der nächsten Sitzung im Juli die Zinsen gesenkt würden.

Dreifacher Wachstumsimpuls

Damit haben die zwei wichtigsten Zentralbanken der Welt eine geldpolitische Kehrtwende vollzogen - was einer starken Unterstützung für die Finanzmärkte gleichkommt. Dafür sind insbesondere drei Faktoren verantwortlich:

1. Eine geldpolitische Lockerung wirkt - mit einer Verzögerung von ungefähr drei Quartalen - der Abwärtsdynamik beim Wachstum entgegen und führt zu einer Verbesserung im fundamentalen Umfeld. Dies wiederum sollte mit höheren Gewinnerwartungen bei Aktien und einer zunehmenden Rohstoffnachfrage einher gehen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

2. Allein aufgrund der Erwartung von Leitzinssenkungen sind die Anleiherenditen schon deutlich gesunken. Dies erhöht die Attraktivität anderer Anlageklassen und führt dort zu einem Aufwärtsdruck auf die Preise - und damit ebenfalls zu einer höheren Bewertung.

3. Die Kehrtwende der Zentralbanken geht mit einem Abwertungsdruck auf deren Währungen einher, also auf den Euro und den US-Dollar. Im Gegenzug werten die Währungen der Handelspartner auf - und damit wächst der Druck auf deren Zentralbanken, ihre Geldpolitik ebenfalls zu lockern. Insbesondere eine Zinssenkung des Fed würde es den Zentralbanken der Ländern erleichtern, ihre Geldpolitik zu lockern, die hohe Dollar-Schulden haben oder deren Währungen an den US-Dollar gebunden sind, wie beispielsweise China. Dadurch könnte eine globale Welle der geldpolitischen Lockerung losgetreten werden.

Wo die Kurse jetzt steigen werden

In diesem Umfeld erscheinen Anleihen mit einem Zinsvorteil (sogenannte Carry-Produkte) interessant. Dies gilt sowohl innerhalb der Eurozone als auch auf globaler Basis. Entsprechend wären beispielsweise Unternehmensanleihen sowie periphere Papiere gegenüber den "sicheren" Bundesanleihen vorzuziehen.

Global gewinnen vor allem Papiere von Rohstoffproduzenten an Attraktivität sowie Titel, die in höher verzinslichen Währungen ausgegeben wurden, etwa von Schwellenländern. Auch "Ölwährungen" wie die norwegische Krone, der kanadische Dollar oder der russische Rubel gehören dazu. Sie dürften sowohl von der geldpolitischen Lockerung des Fed als auch von einer möglichen Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China profitieren.

Zusätzlich bieten solche Werte auch einen Schutz vor einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Generell könnten auch die Aktienmärkte auf globaler Basis von den Leitzinssenkungen profitieren und dürften längerfristig stärker tendieren, allerdings bei anhaltend hoher Volatilität.

An den Immobilienmärkten dürften niedrigere Hypothekensätze ebenfalls zu einer zusätzlichen Nachfrage und damit potentiell höheren Preisen führen. Zu guter Letzt dürfte auch Gold von der Entwicklung profitieren, denn die niedrigen Zinsen erhöhen die relative Attraktivität des zinslosen Edelmetalls. Zusätzlich mehren sich die Anzeichen, dass Gold seine seit Anfang 2013 anhaltende Konsolidierungsphase beendet hat, und auch die Markttechnik sendet aktuell ermutigende Signale aus.

Daniel Pfändler ist Portfoliostratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Main Sky Asset Management und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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