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Die Fed-Flüsterer: Wer will die Zinserhöhung, wer warnt?

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Countdown für Fed-Chefin Janet Yellen Die Angst der Fed-Flüsterer vor der Zinswende

Die US-Notenbank könnte nächste Woche erstmals seit knapp 10 Jahren die Leitzinsen erhöhen. Viele selbsternannte Fed-Berater drängen Fed-Chefin Janet Yellen, die Zinswende zu verschieben - doch auch das ist riskant.
Von Arne Gottschalck

Macht sie es - oder nicht? Das ist die Frage, die Investoren weltweit umtreibt. "Sie", das ist Janet Yellen, die Chefin der Federal Reserve Bank (Fed). Und "es", das ist die Frage nach der ersten Zinsanhebung in den USA seit fast 10 Jahren, die in der kommenden Woche (während des zweitägigen Fed-Meetings am 16. und 17. September) beantwortet wird.

Seit geraumer Zeit bereitet Yellen die Anleger weltweit darauf vor, dass die Fed den Leitzins wahrscheinlich noch in diesem Jahr anheben wird. Mit dem September ist der Zeitpunkt gekommen, in dem der Schritt tatsächlich folgen könnte. Denn der nächstmögliche Termin für so einen Fed-Beschluss samt anschließender Pressekonferenz liegt im Dezember - ein späterer Termin als der Dezember 2015 dürfte die Glaubwürdigkeit der Fed verringern. Und Glaubwürdigkeit ist nun einmal das wichtigste Kapital einer Zentralbank.

Die Zinserhöhung noch einmal zu verschieben, dürfte Yellen auch wegen des US-Wahlkampfes nicht leicht fallen. Im Herbst 2016 wird in den USA ein neuer Präsident gewählt - eine Zinserhöhung mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfes dürfte für die politisch unabhängige Fed ein No-Go sein.

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Entsprechend blickt die Welt schon jetzt auf Yellen, schreibt CNN Money.  Tastet die Fed-Chefin den Leitzins nicht an, könnte die US-Wirtschaft wie bislang weiterrumpeln. "Niedrige Leitzinsen sind nicht die Medizin - sie sind Teil des Problems", murrt Bill Gross von Janus. Er ist einer der prominentesten Befürworter einer raschen Zinserhebung durch die Fed. Die bisherige Politik des ultrabilligen Geldes habe nur dazu geführt, dass Zombie-Unternehmen überlebt hätten.  

Greift Yellen dagegen zur Zinsanhebung, könnte sie die Erholung der US-Wirtschaft gefährden. Vor Panik und Aufruhr" in den Schwellenländern warnte im Fall einer Zinsanhebung niemand geringeres als der Chefökonom der Weltbank, Kaushik Basu. Denn die Welt sei längst nicht zu alter Robustheit zurückgekehrt. Auch der Weltwährungsfonds IWF warnt vor den möglichen negativen Folgen steigender Zinsen in den USA.

Sorge um die Schwellenländer, Mehltau auf den Börsen

Die Konjunkturschwäche in China legt sich wie Mehltau auf die Börsen. Chinas Aktien haben deutlich an Wert eingebüßt, weil Zweifel an der Wirtschaftskraft des Landes aufkamen. Diese Erkenntnis wiederum sorgte dafür, dass Investoren Papiere aus Japan verkauften, die bis dato gut gelaufen waren - denn diese Aktien ließen sich einfach abstoßen, waren "liquide".

Die Entwicklung demonstriert einmal mehr, wie sehr die Börsen weltweit vernetzt sind. Der Absturz zeigt aber auch, dass Chinas Wirtschaft noch nicht die Statur und Schlagkraft hat, die ihr zuletzt immer wieder zugemessen wurde. Und dass es mithin wieder den USA überlassen bleiben wird, die Weltwirtschaft am Laufen zu halten. Den USA - und Yellen.

Die letzte Zinserhöhung der Fed (auf damals 5,25 Prozent) stammt aus dem Jahr 2006, danach folgten nur noch Zinssenkungen. Ende 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, senkte die US-Notenbank die Zinsen schließlich auf 0 Prozent. Die Idee - wenn Kredite so billig zu haben sind, kommt das der Realwirtschaft zugute. Menschen bauen wieder Häuser, Unternehmen investieren wieder in das eigene Wachstum. Yellen wird nun die Frage beantworten müssen, ob dieses Ziel weitestgehend erreicht ist, ob die US-Wirtschaft inzwischen robust genug ist, auf Entzug gesetzt zu werden. Oder eben nicht.

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Sie muss dabei das Stimmengewirr ihrer selbsternannten Berater wie Gross, Basu und andere ausblenden. Quo vadis, fragt daher Allianz Global Investors, wohin gehst Du, Fed. US-Ökonomen ist der Asien-Schreck der vergangenen tief in die Glieder gefahren: Rechneten vor zwei Monaten noch mehr als 50 Prozent der Befragten mit einer Zinserhöhung im September, so liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed in der kommenden Woche tatsächlich die lang erwartete Zinswende einläutet, laut CNN  nur noch bei rund 25 Prozent.

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