50 Basispunkte Fed-Chef will Zinsen schneller erhöhen

Der Arbeitsmarkt heißgelaufen, die Inflation bei 8,5 Prozent – US-Notenbankchef Jerome Powell versichert den Märkten ein beherztes Eingreifen der Fed. Die Reaktion an der Wall Street folgt prompt.
"50 Basispunkte liegen auf dem Tisch": US-Notenbankchef Jerome Powell bereitet die Märkte auf einen großen Zinsschritt im Mai vor

"50 Basispunkte liegen auf dem Tisch": US-Notenbankchef Jerome Powell bereitet die Märkte auf einen großen Zinsschritt im Mai vor

Foto: TOM WILLIAMS / AFP

Die Währungshüter in den USA werden auf ihrer Sitzung im Mai wahrscheinlich über eine Zinsanhebung um einen halben Prozentpunkt beraten. Angesichts der hohen Inflation sei es angemessen, etwas schneller voranzuschreiten, sagte Fed-Chef Jerome Powell (69) am Donnerstag auf der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF): "Ich würde sagen, 50 Basispunkte werden für die Sitzung im Mai auf dem Tisch liegen."

Die Wall Street regierte prompt auf die Äußerungen. Der Dow Jones Index rutschte ab und lag zuletzt 0,8 Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500-Index büßte 1,4 Prozent ein, die Nasdaq 1,9 Prozent. "Powell deutet an, dass es nicht einfach sein wird, eine Rezession zu vermeiden. Das ist neu", sagte Tim Ghriskey, Portfolio-Stratege bei Ingalls & Snyder in New York.

Angesichts des hohen Inflationsdrucks wird an den Finanzmärkten bereits mit ungewöhnlich großen Zinsschritten im Mai und Juni von jeweils einem halben Prozentpunkt gerechnet. Zuletzt hatte der Notenbanker James Bullard auch einen Schritt von 0,75 Prozent auf der Mai-Sitzung nicht ausgeschlossen. Börsianer erwarten, dass die Federal Reserve den Leitzins bis zum Jahresende auf eine Bandbreite zwischen 2,75 und 3,0 Prozent anheben wird, Bullard hatte gar von 3,5 Prozent gesprochen. Das setzt mehrere Erhöhungen voraus. Die nächste Zinssitzung ist am 3. und 4. Mai.

Die US-Inflation war im März auf den höchsten Stand seit über 40 Jahren gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Wir sind wirklich entschlossen, unsere Instrumente einzusetzen, um die Inflation zurückzudrängen", sagte Powell. Er räumte zugleich ein, die Hoffnung der Fed, die Inflation werde im Zuge der Wiedereröffnung der Wirtschaft nach der Pandemie zurückgehen, habe sich bisher nicht erfüllt. "Diese Erwartungen wurden in der Vergangenheit enttäuscht. Wir wollen tatsächlichen Fortschritt sehen."

Powell sieht den Arbeitsmarkt vor Überhitzung

Der Arbeitsmarkt in den USA befindet sich nach Ansicht von Powell in einer Phase der Überhitzung. Es gebe aktuell einen "sehr guten Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer" mit guter Bezahlung, insgesamt sei die "erhitzte" Lage aber "nicht nachhaltig", führte der Fed-Chef bei der Veranstaltung des IWF weiter aus. "Es ist zu heiß", sagte er. Deswegen sei ein Einschreiten der Zentralbank gefordert. "Es ist unser Job, an einen Punkt zu gelangen, an dem Angebot und Nachfrage näher zusammenliegen", sagte Powell.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und der Vollbeschäftigung verpflichtet. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf sehr niedrige 3,6 Prozent gefallen – praktisch den Stand von vor der Pandemie. Viele Firmen in den USA klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften, die Löhne steigen. Die Fed will ihren Leitzins in diesem Jahr relativ schnell und nachhaltig erhöhen, um die Konjunktur etwas abzukühlen und damit die Inflationsrate zu senken.

rei/Reuters