Auftritt im US-Kongress Fed-Chef Jerome Powell lässt sich nicht beirren

Die Auftritte von Fed-Chef Jerome Powell werden von den Finanzmärkten derzeit aufmerksam verfolgt. Heute gab es allerdings nicht viel Neues: Die hohe US-Inflation, so Powell vor einem Kongressausschuss, sei vorübergehend.
Hohe Inflation wird vorübergehen: Fed-Chef Jerome Powell hält die Geldschleusen offen

Hohe Inflation wird vorübergehen: Fed-Chef Jerome Powell hält die Geldschleusen offen

Foto: POOL / REUTERS

Trotz Immobilienboom und Hypothekenpapierkäufen der Notenbank sieht Fed-Chef Jerome Powell derzeit keine Gefahren wie beim Ausbruch der Finanzkrise heraufziehen. Die Häuserpreise stiegen zwar im gesamten Land in hohem Tempo, sagte er am Mittwoch vor einem Kongressausschuss. Doch bislang zeichne sich nicht ab, dass der Markt durch eine "riskante Kreditvergabe" angetrieben werde. Die von der Fed im Rahmen ihrer Wertpapierkäufe erworbenen Hypothekenpapiere seien im Zusammenhang mit dem Preisanstieg der Häuserpreise nur ein Faktor unter vielen, jedoch kein besonders wichtiger.

Die Notenbank werde auf ihrer nächsten Zinssitzung Ende des Monats über das Thema eines Zurückfahrens der Wertpapierkäufe sprechen, auch wenn der Zeitpunkt dieses Manövers noch lange nicht gekommen sei. Powell bekräftigte, dass die aktuell weit über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent liegende Inflationsrate vorübergehend sei und "in den kommenden Monaten" nachgeben werde. Außerdem sei der Arbeitsmarkt noch "ein ganzes Stück" von dem Niveau entfernt, ab dem die Zentralbank die geldpolitische Unterstützung für die Wirtschaft zurückfahren werde. Dennoch werde sich die Fed Ende Juli mit dem Abschmelzen der Käufe beschäftigen und dabei auch die Lage am Häusermarkt mit einbeziehen.

An der Börse kamen Powells Einschätzungen gut an. Die Aussicht auf eine anhaltende Geldschwemme der US-Notenbank lockt Anleger an die Wall Street zurück. Außerdem hellten ermutigende Firmenbilanzen die Stimmung auf. Der breit gefasste Leitindex S&P 500 stieg am Mittwoch um bis zu 0,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 4393,68 Punkten. Der Dow Jones und der technologielastige Nasdaq legten ebenfalls leicht zu, verfehlten zunächst aber neue Bestmarken. Auch der deutsche Leitindex Dax hatte am Nachmittag bereits ein neues Rekordhoch erreicht. Gefragt waren auch US-Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Bonds auf 1,364 Prozent.

Powell wird der Finanzagentur Bloomberg zufolge am Freitag mit Finanzministerin Janet Yellen und Regulierern über den boomenden Wohnungsmarkt reden. Die Sitzung des sogenannten Financial Stability Oversight Councils (FSOC) solle dazu dienen, Gefahren zu besprechen, die sich daraus ergeben könnten. Es solle sichergestellt werden, dass die USA nicht wieder in eine Situation hineinschlitterten wie 2008, als durch das Platzen einer Immobilienpreisblase eine globale Finanzkrise ausgelöst wurde. Diese hatte die USA und in der Folge auch viele Staaten weltweit in Rezessionen gestürzt.

Der Chef des Fed-Bezirks St. Louis, James Bullard, hat jüngst die Sorge geäußert, dass die US-Notenbank mit ihren Anleihenkäufen eine Überhitzung des Immobilienmarktes riskieren könnte. Die Federal Reserve unterstützt die von der Corona-Krise getroffene Wirtschaft mit dem Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren (MBS) in Höhe von monatlich 120 Milliarden Dollar. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und am Arbeitsmarkt erreicht sind.

Intern hat bereits die Diskussion in der Führungsetage der Fed darüber begonnen, wie das Abschmelzen der Anleihenkäufe anzugehen wäre. Einige Währungshüter sind der Ansicht, dass der Kauf von Hypothekenpapieren schneller oder früher als der Erwerb von Staatsanleihen zurückgefahren werden könnte.

cr/Reuters
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