Montag, 17. Juni 2019

Ende des Niedrigzinses in Sicht EZB dämmt Geldflut ein - wann steigen endlich die Bankzinsen?

EZB-Chef Mario Draghi: Zinserhöhung frühestens 2019?

2. Teil: Warum Bankkunden wohl frühestens 2019 höhere Zinsen erhalten

"Die Zinsen werden noch für sehr lange Zeit niedrig bleiben", sagt beispielsweise Tobias Spies, Leiter Fixed Income beim Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen in München. Ähnlich sieht es sein Kollege Gerhard Rosenbauer, Geschäftsführer bei Avana Invest, ebenfalls München.

"Zwar läuft die Konjunktur, aber die Staaten in Europa sind mehrheitlich über beide Ohren verschuldet", sagt zudem Lothar Koch von GSAM + Spee Asset Management in Düsseldorf. "Substantielle Zinserhöhungen können sich vor allem die Südstaaten nicht leisten. Aus diesem Grund bleiben die Zinsen noch über Jahre auf diesem Niveau."

Ein Beleg für die Erwartungshaltung der Investmentprofis: Am Anleihemarkt gab das Zinsniveau unmittelbar nach der Entscheidung der EZB am Donnerstag sogar nochmals nach.

Dabei sind die Kapitalmarktzinsen ohnehin nicht der wichtigste Bezugspunkt für Banken und Sparkassen, wenn es darum geht, wie viel sie ihren Kunden für deren Einlagen bieten. Entscheidend dafür ist vielmehr das Niveau, welches die EZB mit ihren Leitzinsen vorgibt.

Doch auch an der Stelle besteht aus Anlegersicht kaum Grund zum Optimismus: Ihren eigentlichen Leitzins hält die EZB bereits seit einigen Jahren bei 0 Prozent. Der womöglich noch wichtigere Einlagenzins, zu dem Banken Gelder bei der Zentralbank hinterlegen können, befindet sich mit minus 0,4 Prozent sogar im negativen Bereich. Und ändern, so sind sich viele Fachleute einig, dürfte sich an dieser Konstellation frühestens etwas, nachdem die EZB ihre Wertpapierkäufe eingestellt hat.

Fachleute rechnen frühestens 2019 mit EZB-Zinserhöhungen

Was können Bank- und Sparkassenkunden also in den kommenden Monaten und Jahren konkret erwarten? Den Experten zufolge kommt es entscheidend darauf an, wie sich die Konjunktur in der Euro-Zone weiter entwickeln wird. "Die weitere Inflationsentwicklung und die Wirtschaftsdaten werden richtungsweisend für die Zinsentwicklung sein", sagt etwa Sascha Anspichler, Chef des Vermögensverwalters FP Asset Management in Freiburg.

"Im EZB-Rat sitzen derzeit mehrheitlich Leute, die unter keinen Umständen die wirtschaftliche Entwicklung abwürgen wollen", sagt auch Daniel Hartmann, Experte für Zins- und EZB-Themen von Investmenthaus Bantleon. Sollte es wirtschaftlich also weiter in die richtige Richtung gehen, so Hartmann, dann könnte schon im Herbst 2018 Schluss sein mit den Wertpapierkäufen der EZB. "Das setzt allerdings voraus: Das Wachstum bleibt in den kommenden Quartalen bei rund 2 Prozent, die Inflation nähert sich der 2-Prozent-Marke und die Arbeitslosenquote innerhalb der Euro-Zone, die gegenwärtig noch über 9 Prozent beträgt, fällt in Richtung 8,5 Prozent."

Tritt dieses Szenario ein und kommt nicht beispielsweise überraschend ein erneuter wirtschaftlicher Abschwung dazwischen, so der Fachmann von Bantleon, dann wäre Anfang 2019 eine Zinserhöhung seitens der EZB möglich.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Auch andere Investmentprofis nennen 2019 als mögliches Datum für einen ersten Zinsschritt der Zentralbank. Das Problem ist jedoch: Auch damit erhielten die Bankkunden noch längst keine höheren Erträge von den Instituten. Insbesondere die Tatsache, dass sich der EZB-Einlagenzins gegenwärtig noch im negativen Bereich befindet und von dort aus zunächst wieder die Nulllinie überqueren muss, könnte für weitere Verzögerungen sorgen, sagt etwa Hartmann.

Im Idealfall, so die Fachleute, gibt es auf Tages- oder Festgelder sowie auf Sparkonten daher frühestens Ende 2019 wieder höhere Zinsen.

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