Donnerstag, 23. Mai 2019

Kreditvergabe ankurbeln EZB beginnt Ankauf von Pfandbriefen

EZB-Neubau in Frankfurt: Kritiker bezweifeln, dass das Programm wirkt

Um die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln, hat die EZB mit dem geplanten Ankauf von Pfandbriefen begonnen. Gerüchte machen die Runde, um welche Papiere es sich handeln könnte.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit den geplanten Käufen von Pfandbriefen an den Finanzmärkten begonnen. Das bestätigte ein Sprecher der Notenbank. Details nannte er nicht. Am Markt hatte es zuvor das Gerücht gegeben, die EZB erwerbe kurzlaufende französische Pfandbriefe.

Die Zentralbank will mit dem großangelegten Kauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen - sogenannten Asset Backed Securities (ABS) - den gestörten Kreditfluss in der Euro-Zone ankurbeln. EZB-Präsident Mario Draghi hatte kürzlich erklärt, die Zentralbank könne theoretisch für bis zu eine Billion Euro Verbriefungen und Pfandbriefe kaufen. Tatsächlich soll das Volumen aber niedriger ausfallen.

Indem sie Banken die Papiere abkauft, wird in deren Bilanzen Eigenkapital frei, das die Institute für neue Kredite an Firmen und Privathaushalte nutzen können. Kritiker bezweifeln aber, dass das Programm wirkt. In Deutschland wird zudem kritisiert, dass die EZB Papiere aus Zypern und Griechenland mit einer schlechten Bewertung der Rating-Agenturen kaufen will. Bundesbank-Chef Jens Weidmann lehnt das Vorhaben ab, weil er fürchtet, die EZB könnte zur "Bad Bank" Europas werden.

Banken-Nachfrage bislang bescheiden

Die EZB hat ihrerseits stets betont, sie wolle nur einfache und transparente ABS-Papiere kaufen, um die Risiken so gering wie möglich zu halten. Mit den ABS-Käufen will die Notenbank noch in diesem Jahr beginnen. Verbriefungen galten in den USA zu Beginn der Finanzkrise 2007 als Brandbeschleuniger, ihre Ausfallrate in Europa lag allerdings bei unter einem Prozent.

Die jetzt begonnenen Wertpapierkäufe sind Teil eines im Juni und September beschlossenen umfassenden Maßnahmenpaketes der EZB, mit dem sie die lahmende Konjunktur und die für ihren Geschmack viel zu niedrige Teuerungsrate ankurbeln will. Neben den Wertpapierkäufen hat die Zentralbank ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gekappt und will in den kommenden beiden Jahren weitere Milliarden ins Finanzsystem pumpen.

Beim ersten der dafür vor gut einem Monat eingeführten speziellen Refinanzierungsgeschäfte war die Nachfrage der Banken in der Euro-Zone allerdings noch nicht besonders hoch gewesen. Die nächste dieser im Fachjargon TLTRO genannten Operationen steht kurz vor Weihnachten an. Hier hoffen die Währungshüter auf eine stärkere Nachfrage.

Insgesamt will Draghi die Bilanz der EZB auf diese Weise wieder auf etwa drei Billionen Euro ausweiten - ein Niveau, das sie Anfang 2012 schon einmal erreicht hatte. Anfang des Monats lag die Bilanzsumme der Notenbank bei zwei Billionen Euro.

ts/rtr

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