Aktie mit Kursrutsch Evergrande will Schulden umstrukturieren

Unter Anlegern wächst erneut die Sorge vor einem Zahlungsausfall des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande, die Aktie bricht ein. Um eine Insolvenz abzuwenden, plant der Konzern offenbar nun eine Umstrukturierung seiner Verbindlichkeiten.
Immobilienentwickler in Not: Evergrande (im Bild eine Werbung des chinesischen Konzerns in Hongkong) ist eines der am höchsten verschuldeten Immobilienunternehmen der Welt

Immobilienentwickler in Not: Evergrande (im Bild eine Werbung des chinesischen Konzerns in Hongkong) ist eines der am höchsten verschuldeten Immobilienunternehmen der Welt

Foto: JEROME FAVRE / EPA

Sorgen um die Zahlungsfähigkeit von Evergrande haben den Aktienkurs des chinesischen Immobilienriesen an Hongkongs Börse am Montag um rund 20 Prozent auf ein Rekordtief von 1,82 Hongkong Dollar fallen lassen. Der Konzern musste am Freitagabend in einer Mitteilung an die Börse einräumen, dass er einer am Montag fälligen Zinszahlung in Höhe von 82,5 Millionen US-Dollar (73 Millionen Euro) wohl nicht nachkommen könne.

Um den drohenden Zahlungsausfall noch abzuwenden, plant Evergrande laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg  nun offenbar eine Umstrukturierung der Schulden. Demzufolge will das Unternehmen dabei auch all seine US-Dollar-Anleihen einbeziehen. Es gehe um Papiere, die der Konzern und seine Sparte Scenery Journey ausgegeben haben.

Evergrande steckt bereits seit Monaten in einer tiefen Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Es muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihengläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Die Schulden werden insgesamt auf 300 Milliarden US-Dollar beziffert. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr inzwischen um 88 Prozent gefallen. Anleger fürchten, dass eine Insolvenz einen Flächenbrand auslöst und den ganzen chinesischen Finanzmarkt destabilisieren könnte.

Zentralbank prangert Missmanagement an

Hilfe vom chinesischen Staat kann Evergrande-Chairman Hui Ka Yan (63) nicht mehr erwarten. Die Zentralbank führt die Probleme von Evergrande vor allem auf "Missmanagement und die halsbrecherische Expansion" zurück. Es sei aber ein "Einzelfall", der wenig Auswirkungen auf den Markt haben werde. Mit der Mitteilung bemühte sich die Zentralbank, die Sorgen über eine Ansteckungsgefahr, über Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und über ähnliche Praktiken anderer Immobilienkonzerne zu zerstreuen.

Nach der Warnung von Evergrande vom Freitag hatte die Regierung der Provinz Guangdong Konzernchef Hui Ka Yan einbestellt und erklärt, eine Abordnung zur Überprüfung des Risikomanagements in das Unternehmen zu schicken. Das Ausmaß der Schulden solle überprüft und die Risiken sollen zerstreut werden, hieß es in Staatsmedien. Auch sollen Unsicherheiten für andere Firmen verringert werden, die Rechte und Interessen aller beteiligten Parteien gewahrt und auch "die soziale Stabilität gesichert" werden, schrieb die Staatsagentur Xinhua.

"Alles deutet darauf hin, dass sich die Börsianer auf eine Umstrukturierung der Schulden oder eine geordnete Abwicklung einstellen sollten", sagte Portfoliomanager Altmann. Die Regierung in Peking habe kein Interesse an einer ungeordneten Insolvenz. Marktanalyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets zeigte sich weniger zuversichtlich. "Auch wenn es der Regierung in Peking in den letzten beiden Jahrzehnten immer erstaunlich gut gelang, platzende Spekulationsblasen am Immobilienmarkt und deren Folgen ohne Ansteckungseffekte für die Weltwirtschaft zu verwalten, ist nicht gesagt, dass es auch dieses Mal gelingt."

Chinesische Zentralbank senkt Reservesätze

Ratingagenturen wie S&P und Fitch hatten ihre Bonitätsnoten für Evergrande in den vergangenen Wochen deutlich gesenkt, weil sie das Risiko eines Zahlungsausfalls von Anleihen als sehr hoch erachten. Evergrande hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Zahlungsfristen für Anleihezinsen gerissen und kurz vor Ablauf einer 30-tägigen Galgenfrist doch gezahlt.

Vor dem Hintergrund der Krise und dem konjunkturellen Gegenwind für die zweitgrößte Volkswirtschaft verschaffte die Zentralbank der Bankenbranche mehr Luft zum Atmen. Am Montag kündigte die Notenbank an, die Sätze für Reserven zu senken, die Geldhäuser zu Sicherheitszwecken vorhalten müssen. Der Mindestreservesatz soll per 15. Dezember um 0,5 Punkte auf 11,5 Prozent sinken. Damit würde Liquidität von etwa 1,2 Billionen Yuan (170 Milliarden Euro) freigegeben.

mg/Reuters, dpa-afx
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