Sonntag, 26. Januar 2020

Draghi nennt Euro-Rally "Quelle der Unsicherheit" Euro springt über 1,20 Dollar - Draghi spielt auf Zeit

Kurssprung: Der Euro legte nach der EZB-Entscheidung zeitweise mehr als 1 Prozent zum Dollar zu und kletterte über die Marke von 1,20 Dollar

3. Teil: Inflations-Prognose bleibt unverändert bei 1,5 Prozent

Bezüglich der Entwicklung der Verbraucherpreise ließ die EZB ihre Prognosen weitgehend unverändert. Für das laufende Jahr rechnet die Notenbank weiterhin mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent. Für 2018 wird eine Teuerung von 1,2 (Juni-Prognose: 1,3) Prozent veranschlagt, 2019 rechnen die Währungshüter mit 1,5 (1,6) Prozent Inflation. Grund für die leicht zurückgenommenen Prognosen für die kommenden Jahre seien die jüngsten Wechselkursschwankungen des Euro.

Mittelfristig strebt die Notenbank eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird

Umfang der Wertpapierkäufe könnte 2018 sinken

"Auf der Pressekonferenz könnte Draghi erstmals explizit darauf hinweisen, dass das monatliche Volumen der Wertpapierkäufe ab Januar nächsten Jahres flexibel und in Einklang mit den Inflationsaussichten angepasst wird", erwarten die Experten der Dekabank. Eine solche Aussage sollte jedoch mit einigen beruhigenden Aussagen kombiniert werden und die Notwendigkeit eines wachstumsfreundlichen Umfelds betonen. Zudem könnte die EZB die Möglichkeit erwähnen, bei Bedarf die Käufe wieder auszuweiten.

Viele Argumente für Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik

Es gibt einige Argumente für einen Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik. So deuten viele Indikatoren auf eine Fortsetzung der robusten wirtschaftlichen Erholung im Euroraum hin. Auch der starke Euro hat die Frühindikatoren bisher noch nicht belastet. Auf der anderen Seite liegt die Inflationsrate immer noch merklich unter dem Inflationsziel der EZB von knapp zwei Prozent. So lag die Inflationsrate im August bei 1,5 Prozent. Mit einem deutlichen Anstieg der Rate in den kommenden Monaten rechnet kaum jemand.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat die EZB gar keine Alternative zu einem Ausstieg aus den Anleihekäufen im kommenden Jahr. "Dieser Ausstieg ist mehr oder weniger erzwungen", kommentierte Krämer.

So habe die EZB versprochen lediglich ein Drittel der Anleihen einzelner Staaten zu kaufen.

Der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht haben die Anleihekäufe nur unter diesem Vorbehalt genehmigt. Die Grenze könnte laut Krämer schon im Frühjahr bei Anleihen einiger Staaten erreicht sein, falls die EZB nicht vorher ihre Käufe reduziert.

Sollte die EZB die weitere Euro-Aufwertung bremsen wollen, müsste sie bis auf weiteres an der lockeren Geldpolitik festhalten und die Geldschleusen auch im kommenden Jahr weit geöffnet halten - darauf spekulieren einige Dax-Anleger, die am Mittwoch und Donnerstag wieder in den Markt einstiegen.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung