Dollar steigt auf 26-Monats-Hoch zum Euro Warum Hedgefonds gegen den Euro wetten

Dollar steigt, Euro fällt: EZB drückt Euro Richtung Dollar-Parität

Dollar steigt, Euro fällt: EZB drückt Euro Richtung Dollar-Parität

Foto: REUTERS

Der vorsichtige Ausblick der US-Notenbank Federal Reserve sowie die schwindende Hoffnung der Anleger auf weitere und rasche Zinssenkungen in den USA haben am Donnerstag den US-Dollar gestärkt und damit Euro und britisches Pfund unter Druck gesetzt. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Donnerstag mit 1,1034 US-Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit 26 Monaten. Das britische Pfund markierte zum Dollar sogar das tiefste Niveau seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Zwar hat die Fed am Vorabend wie erwartet den Leitzins in den USA um 25 Basispunkte gesenkt. Es war die erste Zinssenkung in den USA seit mehr als 10 Jahren. Dennoch haben sich Anleger von der Hoffnung verabschiedet, dass dieser Zinsschritt nur der erste in einer Reihe weiterer Zinssenkungen in diesem Jahr sein könnte. "Es ist nicht der Beginn einer langen Serie weiterer Zinssenkungen", stellte Fed-Chef Powell ausdrücklich klar. Ob es allerdings die einzige Zinssenkung in diesem Jahr bleibe oder noch eine weitere folgen werde, ließ Powell naturgemäß offen.

Short-Wetten auf den Euro mit einem Volumen von 5,4 Milliarden Dollar

Der Euro stürzte daraufhin am Donnerstag Morgen auf ein 26-Monats-Tief zum Dollar. "Hedgefonds shorten den Euro und nutzen derzeit jede Erholung des Euro, um neue Short-Positionen einzugehen", sagte Stephen Gally, Devisenhändler bei BMO Capital Markets. Diese Tendenz, auf eine weitere Euro-Schwäche zu wetten, zeigen auch Daten der FTC: In der letzten Juli-Woche sind die Short-Wetten auf den Euro bis zu einem Volumen von 5,4 Milliarden Dollar gestiegen.

Die Shortseller erwarten ebenso wie die Mehrheit der Investoren auch, dass die EZB in den kommenden Wochen angesichts der Konjunkturschwäche in der Euro-Zone ihre Geldpolitik weiter lockern wird. EZB-Chef Mario Draghi dürfte bis zum Ende seiner Amtszeit seinem Lockerungskurs treu bleiben- zumal auch die Inflationsrate in der Euro-Zone wieder deutlich auf 1,1 Prozent gesunken ist und damit weit unter dem Inflationsziel der EZB liegt.

Dass die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen weiter öffnet und die Geldpolitik lockert, während die US-Notenbank Fed in dieser Frage deutlich zurückhaltender ist, führt mittelfristig zu einer Stärkung des Dollar. US-Präsident Donald Trump hat die Fed bereits scharf kritisiert, dass sie nicht eine ähnlich aggressive Niedrigzins-Politik betreibe wie die EZB. Europa setze alles daran, den Euro gegenüber dem Dollar zu schwächen, wetterte Trump.

Fed-Chef Powell bewahrt ruhige Hand - und Trump tobt

Unmittelbar nach der Zinssenkung legte Trump mit seiner Fed-Kritik noch einmal nach: Er verlangte nach der Entscheidung der Notenbank Fed am Mittwoch einen "aggressiven Zyklus von Zinssenkungen". Nur so könnten die USA mit China, der EU und anderen Ländern Schritt halten.

Fed-Chef Powell erklärte dagegen, die aktuelle Zinssenkung sei eine "Versicherung" gegen eine mögliche Abkühlung der US-Konjunktur in der Zukunft: Es herrschten "Unsicherheiten" hinsichtlich der Weltwirtschaftsentwicklung. Konfusion erzeugte der Notenbankchef aber vor allem mit seiner Aussage, die Fed habe mit der Zinssenkung am Mittwoch keinen "langen Zyklus" von Senkungen gestartet - gleichzeitig erklärte er aber, weitere Zinssenkungen seien nicht ausgeschlossen.

Parität zwischen Euro und britischem Pfund in Sichtweite

Allerdings ist in den USA die Konjunktur noch in einer deutlich besseren Verfassung als in Europa. Zudem stehen der EU mit dem nahenden Abschied Großbritanniens schwierige Zeiten ins Haus: Immer mehr Marktteilnehmer rechnen inzwischen mit einem harten Brexit - also damit, dass das von Brexit-Hardliner Boris Johnson geführte Großbritannien im Oktober ohne Abkommen die EU verlässt.

Auch die Bank of England (BoE) hält einen Brexit ohne Deal für wahrscheinlich. "Wir wollen zwar einen Deal mit der EU, aber wir müssen es auch aushalten, wenn wir die Union ohne Deal verlassen", sagte Englands Vize-Finanzminister Rishi Sunak am Donnerstag.

Das Pfund setzte daraufhin seine Talfahrt fort. Bis zur Parität zwischen Euro und Pfund ist es nicht mehr weit - Großbritannien unter Boris Johnson wird für Touristen aus der Euro-Zone immer günstiger und attraktiver, da die britische Währung seit Monaten an Wert gegenüber anderen Währungen verliert. Im Gegenzug wird ein Trip in die USA für Touristen aus der Euro-Zone immer teurer - auch hier halten Beobachter eine Parität zwischen Euro und Dollar für möglich.

mit Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.