Börse Dax schließt im Minus, DWS-Aktie und Bitcoin mit Kursrutsch

Erneute Zinsängste in den USA drücken die Kurse an der Wall Street. Der Dax schließt im Minus. Die Aktie der DWS gerät nach dem Abgang von Chef Asoka Wöhrmann stark unter Druck. Auch die Kryptowährung Bitcoin knickt erneut ein.
Börse Frankfurt: Der Dax beendet den Handel am Mittwoch mit leichten Verlusten

Börse Frankfurt: Der Dax beendet den Handel am Mittwoch mit leichten Verlusten

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Eine überraschend guter ISM-Index hat am Mittwoch unter den Anlegern einmal mehr die Sorgen vor schnell steigenden Zinsen geweckt. Nachdem der Dax  in der Tagesspitze nah an die 14.500 Punkte gestiegen war, kam am Nachmittag viel Gegenwind auf. Dank starker Autowerte schlug sich der Leitindex mit einem Abschlag von 0,33 Prozent im internationalen Vergleich noch recht tapfer. Den ersten Handelstag im Juni beendete er damit bei 14.340 Punkten. Der MDax  gab etwas stärker um 0,55 Prozent auf 29.750 Zähler nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  notierte zum Handelsschluss rund 0,8 Prozent niedriger bei 3759 Punkten.

Die an dem ISM-Index gemessene Stimmung in der US-Industrie hatte sich im Mai überraschend verbessert. Wirtschaftlich ist dies ein positives Zeichen, aber für Investoren hat es eine Kehrseite: Die Nachricht spricht für weiteren geldpolitischen Spielraum, den die US-Notenbank Fed zum Gegensteuern gegen die hohe Inflation hat. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial gab vor diesem Hintergrund seine Gewinne ab und notierte gegen 18.15 Uhr (MEZ) mit 1 Prozent im Minus bei 32.653 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq 100 verlor gleichzeitig rund 1,2 Prozent. Der marktbreitere S&P 500  ruschte ebenfalls um 1,2 Prozent ab.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Autowerte verhinderten, dass der Dax noch stärker nachgab. VW, Mercedes-Benz, BMW und die VW-Holding Porsche SE dominierten mit Anstiegen zwischen 1,7 und 4,1 Prozent die ansonsten kurze Gewinnerliste. Als Treiber fungierte die Perspektive in China: Neben der zuletzt schon spürbaren Hoffnung auf dort nachlassende Lockdown-Maßnahmen gibt es die Aussicht, dass die chinesische Regierung mit steuerlichen Anreizen die Autoabsätze wieder ankurbeln wird.

Am Dax-Ende standen die um 6,6 Prozent schwächeren Zalando-Aktien nach skeptischen Analystenkommentaren. Vor allem die Verkaufsempfehlung des Analysehauses Bryan Garnier hatte es in sich. Bei dem Online-Modehändler sieht Analyst Clément Genelot ganz reale Risiken für eine Gewinnwarnung. Sein Kursziel hat er auf 38 Euro mehr als halbiert, der Schlusskurs am Mittwoch lag bei 35,36 Euro.

DWS nach Chef-Abgang unter Druck

Die Papiere der DWS stürzten um weitere 6,2 Prozent ab und weiteten die Verluste binnen zwei Handelstagen auf fast 13 Prozent aus. Tags zuvor hatte die Meldung über eine Durchsuchung der Geschäftsräume die Aktien der Fondsgesellschaft vom höchsten Stand seit Mitte Februar nach unten gerissen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt besteht der Verdacht des Kapitalanlagebetrugs. Die Muttergesellschaft Deutsche Bank reagierte in der Nacht zum Mittwoch und kündigte einen Chefwechsel bei der DWS an.

Im MDax legten Lanxess nach den Vortagsgewinnen um weitere 3,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende Februar zu. Antreiber waren positive Analysten-Reaktionen auf die Ausgliederung des Geschäfts mit Spezial-Kunststoffen.

Bitcoin fällt wieder unter 31.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 30.472 US-Dollar und damit rund 1000 Dollar niedriger als am frühen Nachmittag. Nach der Kursrallye der vergangenen Tage folgt damit ein erneuter Rücksetzer um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vortag. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise klettern weiter

Die Ölpreise haben am Mittwoch zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 117,31 US-Dollar. Das waren 1,70 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,57 Dollar auf 116,19 Dollar. Die Ölpreise hatten nach den Öl-Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen Russland am Vortag den höchsten Stand seit Anfang März erreicht.

Ein Grund für den jüngsten Ölpreisanstieg war die Aussicht auf ein vermindertes Angebot aus Russland infolge neuer Sanktionen der Europäischen Union (EU) angesichts des Krieges in der Ukraine. Die EU-Staaten hatten sich nach wochenlangem Ringen auf einen Boykott von bestimmten Öllieferungen aus Russland verständigt.

In den Blick rückt nun das Verhalten der Mitglieder des Ölkartells Opec+, zu dem neben den Opec-Staaten unter anderem auch Russland gehört. Laut dem "Wall Street Journal" wird erwogen, das Ölförderabkommen mit Russland auszusetzen. Denn die Sanktionen des Westens würden die Fähigkeiten des Landes untergraben, mehr Rohöl zu fördern, um die Produktionsziele des Verbundes zu erfüllen.

"Die Herausnahme Russlands würde Saudi-Arabien und anderen Länder mit freien Förderkapazitäten die Möglichkeit geben, die Produktion stärker auszuweiten", kommentierte Carsten Fritsch, Devisenexperte bei der Commerzbank. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat jedoch von Delegierten erfahren, dass eine Suspendierung Russland auf dem Treffen an diesem Donnerstag kein Thema sein werde. Bislang geht der Markt von einer weiteren moderaten Erhöhung der Fördermenge aus.

Gestützt wurden die Ölpreise durch die Lage im Ölförderland Libyen. Dort sind die Rohölexporte im Mai auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2020 gefallen. Das Ölförderung wird durch gewalttätige Auseinandersetzungen und eine schlechte Wartung der Ölförderanlagen belastet.

Mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.