Leitzins bleibt unberührt EZB senkt Wirtschaftsprognosen

Die Europäische Zentralbank blickt pessimistisch auf die Inflations- und Konjunkturentwicklung und hat beide Prognosen gesenkt. Der Leitzins wurde nicht angerührt.
Will Anfang des Jahres über weitere geldpolitische Maßnahmen gegen die Deflation entscheiden: EZB-Präsident Mario Draghi

Will Anfang des Jahres über weitere geldpolitische Maßnahmen gegen die Deflation entscheiden: EZB-Präsident Mario Draghi

Foto: REUTERS

Frankfurt am Main - Europas Währungshüter rechnen bis mindestens 2016 mit einem geringen Preisauftrieb im Euroraum. In diesem Jahr werde die Inflation auf 0,5 Prozent sinken, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt bei der Vorlage der neuesten Prognose. Auch die Wirtschaftsentwicklung schätzen die Währungshüter zunehmend pessimistisch ein: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr deutlich.

Die Notenbank erwartet nun für 2015 eine Jahresteuerung von 0,7 Prozent und für 2016 von 1,3 Prozent. Im September hatte die Notenbank für 2014 noch eine Inflationsrate von 0,6 Prozent, für 2015 von 1,1 Prozent und 2016 von 1,4 Prozent vorhergesagt.

Nachdem die Euro-Wirtschaft auch im dritten Quartal nur leicht um 0,2 Prozent gewachsen ist, steigt auch der Konjunkturpessimismus im Frankfurter EZB-Neubau. Die Notenbank erwartet nun im laufenden Jahr 0,8 Prozent Wachstum. 2015 dürfte die Wirtschaft mit 1,0 Prozent und 2016 mit 1,5 Prozent wieder etwas stärker anziehen. Im September hatte die EZB der Eurozone noch ein Wachstum von 0,9 Prozent im laufenden Jahr und von 1,6 Prozent 2015 und 1,9 Prozent im Folgejahr zugetraut.

Dax hält Rekordhoch nicht

Die niedrigen Leitzinsen von 0,05 Prozent ließ Draghi weiterhin unangetastet. Er kündigte zudem für Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung über neue geldpolitische Maßnahmen im Kampf gegen die drohende Deflation an. Dann solle bewertet werden, wie die bisher eingesetzten Instrumente gewirkt hätten, sagte der Italiener. Der EZB-Rat sei zu zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen bereit, sollte sie notwendig sein. "Dies würde bedeuten, Anfang nächsten Jahres Größe, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen zu verändern", so Draghi. Es wird damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) künftig auch Staatsanleihen kaufen wird.

Bei dieser Bewertung will die EZB auch auf den Verlauf der Ölpreise achten: "Wir verfolgen die Auswirkungen der jüngsten Ölpreisentwicklung besonders aufmerksam", sagte Draghi. Er warnte, die bereits schwache Inflation könnte weiter zurückgehen, sollte sich der Preisverfall am Rohölmarkt fortsetzen.

An der Börse hat die Pressekonferenz den Dax kurzzeitig auf ein Rekordhoch geführt: Gegen 14.30 Uhr sprang der Index auf ein neues Rekordhoch von 10.083 Punkten, drehte dann aber rasch ins Minus und stand zwischenzeitlich fast ein Prozent niedriger als zum Handelsschluss des Vortags.

luk/dpa/reuters
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