Mittwoch, 22. Januar 2020

US-Aktienmarkt Dow Jones - ist bei 30.000 Punkten Schluss?

Börsianer an der Wall Street können sich - trotz eines zwischenzeitlichen Rückschlags im Sommer - über einen noch intakten Bullenmarkt freuen.
Richard Drew/ DPA
Börsianer an der Wall Street können sich - trotz eines zwischenzeitlichen Rückschlags im Sommer - über einen noch intakten Bullenmarkt freuen.

Der US-amerikanische Aktienmarkt performt bestens. Nachdem die Wall Street im August den längsten Bullenmarkt in ihrer Geschichte erlebt hat und der Dow Jones danach kurzfristig etwas abgesackt war, nähert sich der Leitindex aktuell wieder dem Rekordhoch von rund 28.218 Punkten - da mag US-Präsident Donald Trump noch so trommeln und warnen, ein erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren gegen ihn werde im Erfolgsfall zum Absturz der US-Börsen führen.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

Zweifelsohne hat Trump seit Amtsantritt mit seinen Steuergeschenken und seiner konzernfreundlichen Wirtschaftspolitik die Aktienkurse positiv mit beeinflusst. Doch startete besagter Bullenmarkt schon lange vor seiner Zeit als US-Präsident. Und mit Blick auf einen sehr langen Anlagehorizont wird die Ära Trump wohl nur eine verschwindend geringe Rolle spielen.

Seit 1885, also etwa 135 Jahren, steigt der Dow Jones Index in einem Kanal mit einem durchschnittlichen Plus von 5,1 Prozent - die Dividenden nicht eingerechnet. Die Amplitude dieses Kanals - und jetzt wird es ein wenig technisch - beträgt 495 Prozent. Es bildet sich ein sogenannter Trendkanal mit oberen und unteren Begrenzungen. Die oberen Begrenzungen liegen im Jahr 1929 und im Jahr 2000.

Derzeit kommt die Kursentwicklung ein viertes Mal in diesen 135 Jahren am oberen Ende des Trendkanals an, der bei etwa 30.000 Punkten liegt. Der Anstieg seit dem Tief 2009 liegt bei 10,8 Prozent jährlich. In früheren Phasen - also zwischen 1920 und 1929 - verzeichnen die Chartanalysten einen Anstieg von 19 Prozent im Jahresschnitt und 13,8 Prozent zwischen 1982 und 2000.

Nach dem Erreichen der oberen Begrenzung des Trendkanals ergab sich entweder ein kräftiger Rückgang wie zwischen 1929 und 1932 oder eine Seitwärtsbewegung wie zwischen 1970 und 1982, oder zwischen 2000 und 2012.

Kommt es zum Umkehrtrend im Jahr 2020?

Allerdings war der Dow Jones Börsen-Chart zeigen beim Erreichen eines Zwischenhochs im Jahr 1970 nur bis an die Mittellinie und nicht bis an die obere Begrenzung gelaufen. Im Anschluss an das Erreichen der oberen Begrenzung des Trendkanals 1929 und 2000 ergab sich eine längere Seitwärts- bzw. Abwärtsbewegung.

Die obere Begrenzung des Trendkanals liegt gegenwärtig bei etwa 30.000 Punkten. Bei einer Fortsetzung des Anstiegs wie in den letzten Jahren seit Frühjahr 2009 könnte dieses Kursniveau im Herbst 2020 erreicht sein.

Anleger sollten sich nach unserer Meinung hiervon jedoch nicht beirren lassen: Die früheren Phasen des Erreichens des oberen Trendkanals 1929 und 2000 waren immer von sehr hohen Bewertungen und Exzessen an den Aktienmärkten gekennzeichnet, wovon zur Zeit und wohl auch auf absehbare Zeit keine Rede sein kann.

Anleger sind daher nach unserer Meinung gut beraten, jenseits der üblichen tagesaktuellen Schwankungen an den Märkten engagiert zu bleiben und erst dann über einen Ausstieg nachzudenken, wenn sich Exzesse zeigen wie etwa 1929 oder in der großen Interneteuphorie der Jahre 1999 und 2000.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Bafin

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