Börsenprofi Robert Halver erklärt Wo sich 2017 die Geldanlage lohnt

Von Robert Halver

US-Aktien - Politisch der sichere Hafen, wirtschaftlich auch?

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Robert Halver

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarkt-analyse der Baader Bank AG und bekannt durch regelmäßige Medienauftritte und als Kolumnist. Mit Wertpapieranalyse beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.

US-Aktien gelten im Vergleich zu einem politisch angeschlagenen Europa - Brexit, Bankenkrise, Nationalwahlen - als sicherer Hafen. Argumente für einen auch wirtschaftlich sicheren Hafen kommen von der Trump'schen Konjunkturoffensive. Damit wäre nach knapp zwei Jahren auch wieder ein stärkeres Gewinnwachstum der Unternehmen wahrscheinlich. Im Gegensatz dazu ist die Gewinnentwicklung in der Eurozone und Deutschland noch schwach ausgeprägt. Eine fundamentale Outperformance von US-Aktien ist insofern zu erwarten.

Auf Sektor-Ebene profitieren in den USA Industrie-, Technologie-, aber auch Banktitel von Trumps Infrastruktur- und Deregulierungsagenda. Auch die "Schmutzindustrie" wird sich stabil zeigen: Autotiteln, Minen- und Kohleaktien kommen die geplanten gelockerten Umweltstandards zugute. Sogar überschaubare US-Zinserhöhungen werden historisch betrachtet als fundamentaler Vertrauensbeweis für die Robustheit der US-Wirtschaft und des US-Aktienmarkts gewertet. Erst wenn sie wie zwischen 2004 und 2006 schmerzhafte Finanzierungsniveaus erreichen, wirken sie schädlich. Davon ist nicht auszugehen.

Deutsche Aktien - wieder mehr fundamentale Steherqualitäten

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Im Zuge der Reindustrialisierung Amerikas mit weltweiter Streuwirkung hellen sich die Phantasien für die deutschen Industriewerte auf. Offensichtlich steht China und nicht Europa im Fadenkreuz des amerikanischen Handelsprotektionismus. Tatsächlich signalisiert das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland dank verbesserter Ifo Geschäftsklimadaten eine Konjunkturbefestigung. Auch der sich wieder abschwächende Euro liefert exportseitig Aktienargumente.

Vor diesem Hintergrund sind 2017 deutsche Industrieaktien vor allem aus den zyklischen Aktienindizes MDax  und SDax  attraktiv. Nicht zuletzt bleiben 2017 Dividenden eine erstklassige Alternative zu renditeschwachen Zinsanlagen. Schätzungen zufolge werden 2017 voraussichtlich 21 Dax-Unternehmen ihre Dividendenzahlungen erhöhen und insgesamt etwa 4 Prozent mehr ausschütten als in diesem Jahr. Das wäre ein neuer Ausschüttungsrekord. Nicht zuletzt puffern dividendenstarke Titel das Risiko von Kursverlusten ab.

Volatilität - Freund und nicht Feind der Anleger

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Allerdings dürften die zuletzt äußerst niedrigen Kursschwankungen wieder zunehmen. Das gilt insbesondere für das 1. Tertial 2017. Denn in diesen Zeitraum fallen die markantesten politischen Entscheidungen: Neben der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Trump und vor allem der Frage, inwieweit er seine Konjunkturversprechen umsetzen kann und dem Austrittsantrag Großbritanniens aus der EU stehen drei der vier Nationalwahlen in der Eurozone an. Wie bereits in diesem Jahr ist auch 2017 zwischen Januar und April die risikoreichste Phase für Aktien zu erwarten. Anschließend werden sich die politischen Wogen geglättet haben und die Aufwärtskräfte bei Aktien wieder zunehmen.

Rücksetzer und die zunehmende Volatilität sollten für private Aktiensparpläne am besten auf Aktienindizes - um das Einzelwertrisiko zu mildern - und regelmäßig - um das Risiko großer Einmalanlagen zu umgehen - genutzt werden. Das senkt ebenso die Durchschnittskosten. Im Einkauf liegt der Gewinn.

Denn bei regelmäßigem Ansparen erhält man als Anleger bei fallenden Kursen und konstanter Anlagesumme mehr Aktienanteile, die sich bei wieder steigenden Kursen wie bei einer Flut umso positiver im persönlichen Portfolio bemerkbar machen.

Gold - Es zählt der langfristige Besitz, nicht die kurzfristige Rendite

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Ein festerer US-Dollar und leicht höhere Anlagezinsen hemmen den Goldpreis. Auch werden die Notenbanken über eine Drückung des Goldpreises weiterhin verhindern, dass das Edelmetall auch nur die Nähe der Höchststände von 2011 erreicht und als Ersatzwährung zu Geld in Betracht kommt. Und dabei spricht aus stabilitätspolitischen Gründen alles dafür. Dennoch bleibt die physische Nachfrage hoch, weil Gold als sicherer Hafen grundsätzlich vor geopolitischen Konflikten und Euro-Sklerose schützt.

Übrigens, neben Schwellenländern kaufen ausgerechnet die Notenbanken zu den von ihnen selbst subventionierten Preisen Gold physisch auf. Da sie einen noch tieferen Einblick in die real existierenden Probleme unserer Finanzwelt haben, ist ihr Kaufverhalten verräterisch. Die Zeit der Goldanleger wird noch kommen, wenn sich die Romanische Schuldenunion fortsetzt, die längst an die Stelle der Europäischen Stabilitätsunion getreten ist.

Währungen - Der Euro auf dem Weg zur Parität?

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Die US-Notenbank kann kein Interesse an einem zinserhöhungsbedingt zu starken US-Dollar haben. Dieser würde zunächst zu Bremseffekten in der US-Exportwirtschaft führen. Auch würde dieser den Zinsdienst der Schwellenländer - sie sind zu großen Teilen in US-Dollar verschuldet - erheblich erschweren. Für die Weltkonjunktur schädlich wäre auch eine Kapitalflucht aus diesen Ländern nach Amerika. Da gleichzeitig die Rendite-Tiefs in der Eurozone trotz anhaltender Liquiditätsoffensive der EZB durchschritten sind, ist nur mit einer begrenzten Ausweitung der Renditedifferenz zugunsten des Dollars zu rechnen.

Und da Renditeunterschiede ein wesentliches Argument für Wechselkursbewegungen sind, ist nicht von einem Aufwärtspotenzial des US-Dollar bis zur Parität auszugehen. Im Übrigen werden die Verantwortlichen in der Eurozone die politischen Klippen umschiffen. Insgesamt dürfte der Euro zum US-Dollar zum Jahresende 2017 bei 1,04 notieren.

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