Essenslieferant Überflieger Doordash eilt an die Börse

Der Essenslieferant Doordash hat in den USA seine Wettbewerber überflügelt. Angesichts der guten Stimmung will das Start-up noch diese Woche an die Börse. Vor allem einer würde profitieren.
In Vorstädten der USA rasant gewachsen: Doordash will in dieser Woche an die New Yorker Börse gehen und mehr als drei Milliarden Dollar einsammeln

In Vorstädten der USA rasant gewachsen: Doordash will in dieser Woche an die New Yorker Börse gehen und mehr als drei Milliarden Dollar einsammeln

Foto: John Marshall Mantel / imago images/ZUMA Wire

Der US-Essenslieferdienst Doordash eilt an die Börse. Angesichts des großen Interesses erhöhte das Unternehmen am vergangenen Freitag die Preisspanne für die 33 Millionen angebotenen Aktien von 75 bis 85 Dollar auf 90 bis 95 Dollar - und ist laut "Wall Street Journal"  guter Dinge, seine Aktien auch am oberen Ende der Spanne losschlagen zu können. Doordash würde dann auf eine Bewertung von bis zu 36 Milliarden Dollar kommen.

Doordash hat wie Delivery Hero und Just Eat Takeaway im Verlauf der Corona-Pandemie stark von der steigenden Nachfrage nach Essenslieferungen profitiert: In den ersten neun Monaten konnte das Unternehmen seine Umsätze auf 1,92 Milliarden Dollar mehr als verdreifachen. Der Wohnungsvermittler Airbnb hatte wegen geschlossener Hotels zuletzt auch von der Pandemie profitiert und will ebenfalls die Gunst der Stunde nutzen.

Noch stärker als im operativen Geschäft wirkte der Corona-Boom an der Börse. Rund 5500 Punkte oder mehr als 75 Prozent kletterte der Techindex Nasdaq 100  seit Mitte März. Selbstverständlich haben Hoffnungen auf einen Impfstoff Biotechtiteln wie Moderna oder Biontech einen enormen und überdurchschnittlichen Schub verschafft. Doch auch in der Breite kletterten Technologietitel von Unternehmen stark, deren Produkte und Dienstleistungen in der Corona-Krise gefragt waren und sind: Amazon, Microsoft, Uber sind dabei nur drei Beispiele von vielen.

Ist ein nachhaltig wirksamer Impfstoff gefunden, könnte die Nachfrage bei manchen Unternehmen zweifelsohne nachlassen. So wundert es nicht, dass Börsenkandidaten das gute Umfeld nutzen, noch vor Jahresende den Sprung aufs Parkett wagen und bei Investoren rausholen, was möglich ist.

Nach vielen Flops ein Erfolg für Masayoshi Son

Läuft der Börsengang wie erhofft, dürfte sich vor allem einer freuen: Softbank-Chef Masayoshi Son (63). Sein Vision Fund pumpte erstmals vor zwei Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in Doordash - eine Rechnung, die bei vielen anderen Start-ups wie Wework, die Son ebenfalls mit viel Kapital ausstattete, nicht aufging . Zuletzt aber konnte sein Fonds - bedingt auch durch Sondereffekte - wieder schwarze Zahlen schreiben.

Softbank ist mittlerweile mit 24,9 Prozent größter Anteilseigner von Doordash. Sollten die Papiere nur etwa in der Mitte der genannten Preisspanne an die Investoren gehen, wäre Softbanks Investment von mittlerweile 680 Millonen Dollar dann rund fünf Milliarden Dollar wert, rechnet das "Wall Street Journal"  vor. Immerhin soll Doordash zwischen April und Juni sogar Gewinne erwirtschaftet haben.

Doordash' rasante Aufholjagd auf dem US-Markt

Als Softbank 2018 zum ersten Mal in Doordash investierte, lag das Unternehmen auf dem hart umkämpften US-Markt noch weit hinter den Wettbewerbern Grubhub und Uber Eats und rang mit dem Konkurrenten Postmates  um den vierten Platz. Noch im selben Jahr verfünffachte Doordash die Zahl der belieferten Städte auf 3000.

Vor allem in den Vorstädten, die Uber Eats und Grubhub mieden, wuchs Doordash rasant und erreichte seine jetzt dominierende Position. Der Marktanteil, der Anfang 2018 noch bei weniger als 20 Prozent lag, wuchs bis Herbst dieses Jahres rasant auf mehr als 50 Prozent, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Daten des Marktforschungsunternehmens Second Measure.

Auch beim Essenslieferdienst Delivery Hero, der den harten US-Markt bislang meidet , waren die Erlöse zuletzt kräftig gestiegen. Der seit dem 24. August im Dax gelistete Konzern hat sein früheres Deutschland-Geschäft (Foodora, Lieferheld, Pizza.de) allerdings an den Rivalen Just Eat Takeway (Lieferando) verkauft. Delivery wird an der Börse derzeit mit knapp 20 Milliarden Euro bewertet - liegt demnach noch deutlich unter der von Doordash angestrebten Bewertung.

rei