Zocker treiben Kurs hoch Trump-Fans lassen Börsenhülle abheben

Kursfeuerwerk einer noch leeren Börsenhülle: Aktien des Übernahmevehikel "Digital World Acquisition Corp" haben ihre Kursrally am Freitag fortgesetzt. Das Spac will Donald Trumps Medienunternehmen TMTG übernehmen, das zum neues Sprachrohr des Ex-Präsidenten werden soll.
Donald Trump: Der Ex-Präsident will mit der Trump Media & Technology Group (TMTG) per Spac an die Börse gehen

Donald Trump: Der Ex-Präsident will mit der Trump Media & Technology Group (TMTG) per Spac an die Börse gehen

Foto: AP/dpa

Ex-Präsident Donald Trump freut sich über Aufmerksamkeit - und über steigende Kurse. Am Vortag hatte das bereits an der Börse notierte Übernahmevehikel "Digital World Acquisition Corp" (DWAC) bekannt gegeben, dass es Donald Trumps neues Medienunternehmen Trump Media & Technology Group (TMTG) übernehmen und auf diese Weise an die Börse bringen wolle. Nicht nur Trump-Fans greifen seitdem bei der Börsenhülle zu und peitschen den Kurs nach oben: Nachdem sich der Kurs von DWAC am Donnerstag mehr als vervierfacht hatte, folgte am Freitag ein weiteres Kursplus von rund 60 Prozent. Damit kletterte der Kurs der Aktie über die Marke von 70 US-Dollar - und beschert Trump und seinem Unternehmen die gewünschte Aufmerksamkeit.

Die Kursexplosion erfolgt nach dem typischen Schema einer sogenannten Meme-Aktie. Auf Plattformen wie Reddit haben Kleinanleger die Aktie für sich entdeckt und pushen den Kurs nach oben. Die Zahl der Kleinanleger, die bei dem Spiel einsteigen, steigt derzeit rasant. Auf Online-Plattformen wie Stocktwits war der Trump-Spac die meistdiskutierte Aktie. Wurden in den vergangenen zwei Wochen durchschnittlich jeweils nur 145.000 Aktien des DWAC Spac gehandelt, so waren es am Donnerstag bereits mehr als 3 Millionen Aktien.

Spekulieren mit dem Trump-Hype

"Egal, ob Du ein Trump-Anhänger bist oder nicht - bei dieser Kursrally solltest du dabei sein", hieß es zum Beispiel bei Stocktwits. Nach der aktuellen Rally ist jederzeit ein Absturz des Papiers möglich, doch einige Investoren haben ihren Schnitt bereits gemacht: Patrick Orlando, der den Spac und die Übernahme von TMTG auf den Weg gebracht hat, dürfte bei einem Verkauf seiner Anteile zum aktuellen Kurswert einen Profit von rund 400 Millionen Dollar einstreichen. Auch zahlreiche Hedgefonds, die früh in Digital World investiert hatten, haben ihr Investment laut Unterlagen der Regulierungsbehörden inzwischen mehr als verfünffacht.

Der frühere US-Präsident Donald Trump will mit Hilfe des Medienunternehmens TMTG ein alternatives soziales Netzwerk gründen. "Truth Social" heißt die neue Plattform, kündigte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) an. Im November solle das Netzwerk für "geladene Gäste" starten, Anfang 2022 dann landesweit.

Netzwerke wie Twitter, Facebook und Youtube hatten Trumps Konten im Januar kurz vor Ende seiner Amtszeit gesperrt. Auslöser war die Erstürmung des US-Kapitols durch Anhänger Trumps - und dass er Sympathie für die Angreifer bekundete. Außerdem behauptet er nach wie vor ohne jegliche Belege, dass ihm der Sieg bei der Präsidentenwahl im November durch Betrug gestohlen worden sei. Damit heizte er die Stimmung im Land auf. Twitter, wo Trump mehr als 80 Millionen Nutzer folgten, war für ihn bis dahin die wichtigste Kommunikationsplattform.

Trump geniest unter vielen Amerikanern noch eine hohe Popularität und es wird ihm nachgesagt, im Jahr 2024 erneut als US-Präsident kandidieren zu wollen. Ein eigenes Medienunternehmen, das ihm als Sprachrohr dient, dürfte ihm dabei zweifelsohne hilfreich sein.

Das neue Unternehmen solle ein Konkurrent für das "liberale Medienkonsortium" sein und sich gegen Techgrößen des Silicon Valley wehren, die ihre Macht dazu genutzt hätten, oppositionelle Stimmen in Amerika zum Schweigen zu bringen, heißt es in der Erklärung. Die neue App werde von der Trump Media & Technology Group kontrolliert, sagte der ehemalige US-Präsident.

Digital World hatte laut "FT" im September im Zuge des eigenen Börsengangs 293 Millionen Dollar an Barmitteln aufgenommen. Elf Hedgefonds, darunter DE Shaw und Saba Capital, die ausgerechnet von prominenten Spendern der Demokratischen Partei geleitet werden, beteiligten sich an dem Angebot.

Bis auf die Ankündigung ist von dem angekündigten Netzwerk noch nicht viel zu sehen. Es gibt eine Homepage truthsocial.com  mit einem Link zu einer iPhone-App, die man vorbestellen kann. In dem App-Store von Apple wird der 21. Februar 2022 als Startdatum genannt. Die App wird als "Amerikas 'Big Tent'-Plattform für soziale Medien beschrieben, die eine offene, freie und ehrliche globale Konversation fördert, ohne politische Ideologien zu diskriminieren".

Nach dem Rauswurf von Trump bei den wichtigsten sozialen Medien haben er und seine Unterstützer mehrere Anläufe unternommen, eine relevante Alternative zu Twitter & Co. aufzubauen. Im Mai ließ der Ex-Präsident ein Blog auf seiner Website einrichten. Dort beklagte er sich vor allem über angebliche Betrügereien bei den Präsidentschaftswahlen 2020. Nach einem Monat wurde der Blogbereich wieder geschlossen. Nach einem Bericht der "Washington Post" habe das Angebot nur wenig Besucher angezogen.

Gerüchte über eigenen TV-Sender bislang nicht bewahrheitet

In Washington kursieren seit Monaten unbestätigte Berichte, dass Trump eigene Medienunternehmen gründen möchte. Nicht bewahrheitet hat sich das Gerücht, Trump wolle eine Alternative zu seinem ehemaligen Lieblings-TV-Sender Fox News aufbauen. Auch bei der Etablierung einer Twitter-Alternative hat sich nicht viel getan. Ein enger Berater Trumps, Jason Miller, gründete eine konkurrierende Social-Media-Plattform namens Gettr. Aber Trump hat sich der Plattform bislang nicht angeschlossen.

"Wir konnten uns einfach nicht auf einen Deal einigen", begründet Miller gegenüber der "FT". Der ehemalige Berater Trumps beglückwünschte den Ex-Präsidenten zu der Ankündigung: "Jetzt werden Facebook und Twitter noch mehr Marktanteile verlieren", zeigte sich Miller überzeugt.

la/rei/dpa-afx
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