Donnerstag, 12. Dezember 2019

Handelskrieg Trump erwägt, Chinas Firmen von US-Börse zu verbannen

Händler an der Wall Street: Auch der US-Aktienmarkt wird nun Teil des Handelsstreits.

Die US-Regierung denkt Insidern zufolge darüber nach, die Börsennotierung chinesischer Firmen in den USA einzustellen. Ein solcher Schritt wäre Teil von Bemühungen im größeren Stil, chinesische Investitionen in den USA einzuschränken, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person zu Reuters. Derartige Maßnahmen dürften den Handelsstreit zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten kräftig anheizen.

Ebenfalls unter Berufung auf Insider berichtete die Agentur Bloomberg, die genauen Mechanismen zum sogenannten Delisting der Unternehmen müssten noch ausgearbeitet werden. Trump müsse das Vorhaben am Ende absegnen. Allerdings habe er bereits grünes Licht für Diskussionen über das Thema gegeben.

Die Informationen sorgten an der New Yorker Börse für Aufruhr. Der Leitindex Dow Jones schloss vor dem Hintergrund am Freitag 0,3 Prozent tiefer auf 26.820 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 1,1 Prozent auf 7939 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,5 Prozent auf 2961 Punkte ein. Aktien von chinesischen Firmen wie den Internetriesen Alibaba und JD.com sowie der Suchmaschine Baidu ließen bis zu 6 Prozent Federn.

Indes hat Chinas Außenminister Wang Yi Washington im Handelskrieg mit weiteren Gegenmaßnahmen gedroht. Man wolle Probleme in einer ruhigen und vernünftigen Weise lösen. "Sollte die andere Seite aber in böser Absicht handeln oder keinen Respekt für den gleichen Status oder die gleiche Rolle bei den Verhandlungen zeigen, müssen wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser legitimes Recht und Interesse zu wahren", sagte Wang vor der UN-Vollversammlung am Freitag in New York. Er nannte die USA in seiner Rede dabei nicht direkt.

China warnt vor drohender Rezession

Gleichzeitig warnte er, dass der wirtschaftliche Protektionismus der Trump-Administration die Welt in eine Rezession stürzen könnte. Zölle und provozierte Handelskonflikte dienten dazu, "die globale Wirtschafts- und Handelsordnung zu untergraben", sagte Wang. Wenn international anerkannte Regeln verletzt würden, könne die Welt im Chaos versinken. Dabei werde China sich niemals von Drohungen einschüchtern lassen oder dem Druck unterwerfen.

US-Präsident Donald Trump hat vor mehr als einem Jahr einen Handelskrieg mit Peking angezettelt, der zuletzt eskaliert war. Seitdem überziehen sich die beiden größten Volkswirtschaften mit Strafzöllen, was die internationalen Konjunktur belastet. Seit Monaten laufen Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen der beiden Großmächte.

Bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Dienstag hatte Trump eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert und China erneut unfaires Wirtschaften vorgeworfen. Seine Regierung werde eine "ehrgeizige Kampagne" zur Reform des Welthandels vorantreiben. Die Welthandelsorganisation (WTO) brauche "drastischen Wandel". Es könne zum Beispiel nicht sein, dass China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt bei den Handelsbeziehungen nach WTO-Regeln die Vorteile eines Entwicklungslandes für sich geltend machen könne, so Trump.

cr/rtr/dpa-afx

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