Wahlkampfauftakt à la Trump  Donald Trump droht: Bei Abwahl Börsencrash

Der Crash bin ich: Donald Trump startet in die Kampagne für die US-Wahl 2020.

Der Crash bin ich: Donald Trump startet in die Kampagne für die US-Wahl 2020.

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Er kann es einfach nicht lassen: Seit Donald Trump 2016 zum US-Präsidenten gewählt wurde, reklamiert er regelmäßig die seither meist erfreuliche Entwicklung der Aktienkurse an der Börse für sich und seine Politik - verbunden mit der Behauptung, wäre er nicht (mehr) Präsident, so würde es direkt abwärts gehen an der Wall Street.

So auch jetzt wieder: Kurz vor dem offiziellen Start seiner Kampagne zur erhofften Wiederwahl im Jahr 2020 setzte Trump am vergangenen Wochenende eine seiner berühmten Botschaften auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ab. Die "Trump-Wirtschaft" breche Rekorde und habe noch viel vor sich, schrieb er da. Sollte jemand anderes als er selbst 2020 das Amt übernehmen, so der Mann im Weißen Haus, werde es einen Markteinbruch geben, wie ihn die Welt noch nicht gesehen habe.

Vergleichbare Behauptungen von Trump gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Im Sommer 2018 beispielsweise wurde in den USA besonders eifrig über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump diskutiert. Hintergrund waren Aussagen von Trumps früherem Anwalt Michael Cohen vor einem New Yorker Gericht über angebliche Schweigegeldzahlungen des Präsidenten an verschiedene Frauen. Zudem erhöhten Urteile gegen Trumps einstigen Wahlkampfmanager Paul Manafort seinerzeit den Druck auf den Präsidenten.

Und wie reagierte der? "Ich denke, sollte ich jemals des Amtes enthoben werden, so hätte dies einen Börsencrash zur Folge", sagte Trump im August 2018 in einem Interview mit dem US-Sender Fox.

Auch in diesem Jahr hat Trump bereits mehrfach die positive Entwicklung der Börse mit seiner Politik in Verbindung gebracht. Im Februar beispielsweise twitterte er, hätte die Opposition 2016 die Wahl gewonnen, so würde der US-Leitindex Dow Jones  heute 10.000 Punkte niedriger notieren, mindestens. Eine Behauptung, die sich selbstverständlich durch nichts belegen lässt. Zudem betonte Trump wiederholt, dass die US-Börse 5000 bis 10.000 Punkte höher notieren könnte, hätte die US-Notenbank Fed in den vergangenen Jahren nicht mehrfach die Zinsen erhöht. Die Geldpolitik der Fed gehört ohnehin zu den Lieblingskritikpunkten des Präsidenten.

Noch niemals habe ein Präsident so sehr auf den Aktienmarkt geschaut und ob dieser auf Jahressicht positiv oder negativ notiere, zitiert Bloomberg einen Finanzökonomen aus den USA . Investoren sollten sich daher "besser anschnallen".

Die Frage ist nur: Wie viel Einfluss hat der US-Präsident tatsächlich auf die Marktentwicklung, wie groß ist also wirklich sein Anteil an den Kursgewinnen?

So viel steht fest: Für den Fall, dass Trump zum Präsidenten gewählt würde, hatten viele Auguren 2016 eigentlich einen Kurseinbruch an der Börse vorhergesagt. Bekanntlich kam es anders: Unmittelbar nach der Wahl des Immobilienunternehmers aus New York setzte ein Kursaufschwung ein, der mehrere Monate anhielt.

Auch die Steuerreform, die Trump Anfang vergangenen Jahres in Kraft setzte, dürfte für einen Großteil der Kursgewinne im ersten Halbjahr jenes Jahres verantwortlich sein.

Zwei Pluspunkte für den amtierenden Präsidenten also offenbar. Insgesamt ergibt sich aber dennoch ein weniger überzeugendes Bild. Wie Bloomberg mit Verweis auf Daten der Researchfirma Macrotrends berichtet, ist die Performance des Dow Jones während Trumps Amtszeit bislang verglichen mit seinen Vorgängern eher mittelmäßig. Während der Amtszeiten der beiden demokratischen Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton beispielsweise habe sich der Dow Jones besser entwickelt als aktuell, so Macrotrends. Bei den Republikanern Ronald Reagan sowie George H. W. Bush (Senior) lief die Börse demnach schlechter als zurzeit. Bei George W. Bush (Junior) stand der Aktienmarkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt seiner Amtsperiode sogar im Minus, so Bloomberg.

Und ebenfalls bemerkenswert: Keiner der US-Präsidenten der jüngeren Vergangenheit löste durch seinen Abschied aus dem Weißen Haus einen Börsencrash aus. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass Trump diesbezüglich eine Premiere gelingen wird.