Saison-Überblick Die besten Dividendenaktien des Jahres

Gute Zeiten für Dividendenjäger: Einer Studie zufolge steigen die Auszahlungen deutscher Konzerne in diesem Jahr massiv. Autohersteller wie BMW und Mercedes oder Versicherer wie Allianz und Munich Re zählen zu den attraktivsten Papieren.
BMW und Mercedes im Rennen: Die beiden Autobauer gehören zu den wichtigsten Dividendenzahlern in Deutschland und bieten eine gute Dividendenrendite

BMW und Mercedes im Rennen: Die beiden Autobauer gehören zu den wichtigsten Dividendenzahlern in Deutschland und bieten eine gute Dividendenrendite

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In dieser Saison lohnt sich die Dividendenjagd wieder. Nach dem Corona-Tal geht es mit den Gewinnausschüttungen der Unternehmen am deutschen Aktienmarkt deutlich nach oben. Das zeigt eine aktuelle Studie der DZ Bank, die manager magazin exklusiv vorliegt.

Laut DZ Bank werden die Unternehmen des Dax, des MDax und des TecDax, zusammengefasst im marktbreiten HDax, in diesem Jahr insgesamt 57 Milliarden Euro an Dividenden an ihre Aktionäre auszahlen. Das ist ein Plus von stattlichen 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die vergangene Dividendensaison stand allerdings stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, die die Geschäftszahlen vieler Firmen beeinträchtigte und Gewinne belastete. Zudem gab es mitunter regulatorische Einschränkungen, durch die die Ausschüttungen einiger Aktiengesellschaften begrenzt wurden.

Nicht so 2022. Viele Konzerne machten in den vergangenen Monaten wieder gute Geschäfte, bis der Krieg in der Ukraine die Wirtschaftswelt erneut beeinträchtigte. Die Folge waren erkleckliche Gewinne im Jahr 2021, über die sich nun auch Aktionäre freuen können. Über 60 Prozent der betrachteten Unternehmen heben in diesem Jahr ihre Dividende an, hat die DZ Bank ermittelt. Lediglich 4 Prozent der Firmen kürzen ihre Ausschüttungen, und bescheidene 17 Prozent zahlen überhaupt keine Dividende.

Autobauer, Industrie und Versicherer zahlen viel

Die Rückkehr auf die Erfolgsspur zeigt sich laut DZ Bank auch in einer Normalisierung der Ausschüttungsquoten der Konzerne. 2021 war nach Angaben der Bank eine Diskrepanz zwischen Unternehmensgewinnen und Ausschüttungen entstanden, weil letztere nicht so stark fielen wie die Gewinne. In den vergangenen zwölf Monaten habe sich diese Schieflage aber wieder egalisiert, so die Analyse. Die Quote der Ausschüttungen sank wieder in den Bereich des langjährigen Mittels und liegt bei etwa 40 Prozent.

Der größte Anteil der Auszahlungen kommt aus den Branchen Automobile, Industrie und Versicherungen, die mehr als 50 Prozent der ausgeschütteten Dividenden zahlen. Ganz vorne liegt dabei die Autoindustrie mitsamt den Zulieferern, die allein knapp 25 Prozent der Dividendensumme stemmen.

Folgerichtig kommt auch das Unternehmen mit der größten Einzelsumme unter allen betrachteten Dividendenzahlern in diesem Jahr aus der Autobranche. Es ist Mercedes-Benz. Mercedes erzielt trotz Chip-Krise und anderer Lieferengpässe Milliardengewinne. Vor wenigen Tagen teilte der Hersteller mit, dass die Dividende in diesem Jahr von 1,35 Euro je Aktie auf fünf Euro je Aktie beinahe vervierfacht werden solle. Insgesamt kehrt der Stuttgarter Konzern in diesem Jahr 5,3 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus – der Spitzenwert im analysierten Gesamtfeld. Auf Platz zwei folgt der Versicherer Allianz mit 4,4 Milliarden Euro vor den Autobauern BMW und Volkswagen mit jeweils 3,8 Milliarden Euro.

Die absolute Höhe der Dividende ist für Aktionäre allerdings nicht sehr aussagekräftig. Eher schon die Dividendenrendite. Sie ergibt sich, wenn die Ausschüttung in Relation zum Aktienkurs gesetzt wird. So zeigt die Dividendenrendite grob an, mit welchem Prozentsatz sich das eingesetzte Kapital bei einer Aktienbeteiligung an einem Unternehmen durch die Gewinnausschüttung "verzinst". Insbesondere in Zeiten niedrigster Zinsen am Finanzmarkt ist dies eine häufige Betrachtungsweise.

Besonders hohe Dividendenrenditen erzielen laut DZ Bank gegenwärtig mit BMW (8,5 Prozent) und Mercedes-Benz (6,8 Prozent) wiederum zwei Unternehmen aus dem Automobilsektor. Auch Volkswagen mit 5,8 Prozent und die Porsche SE mit 5,3 Prozent können sich sehen lassen. Stattliche Renditen bieten zudem die Medienunternehmen RTL (8,7 Prozent, der Spitzenwert im Feld) und ProsiebenSat1 (7,2 Prozent), der Chemiekonzern BASF (7,2 Prozent) sowie der Kunststoffproduzent Covestro (7,7 Prozent).

Dividendenrendite im Dax durchschnittlich 3,5 Prozent, Anleihenrendite rund 1 Prozent

Insgesamt kommt der Dax laut DZ Bank derzeit auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,5 Prozent, ebenso, wie auch die europäischen Indizes EuroStoxx50 und Stoxx 600. Aktiendividenden bieten damit weiterhin einen deutlich größeren Ertrag als etwa Bundesanleihen, deren Rendite bei der standardmäßig betrachteten zehnjährigen Laufzeit momentan etwas mehr als 1 Prozent beträgt. Der Vorsprung der Dividenden ist allerdings zuletzt geschrumpft, weil die Anleiherenditen angesichts der strengeren Geldpolitik der Notenbanken gestiegen sind.

In USA ist die Anleihenrendite höher

Zum Vergleich: In den USA ist es genau andersherum. Dort geht die Notenbank entschiedener gegen die Inflation vor, als die Europäische Zentralbank (EZB) in der Eurozone. So hat die Fed inzwischen zweimal ihren Leitzins erhöht, im März um 0,25 Prozentpunkte und zuletzt Anfang Mai um 0,5 Prozentpunkte. Das Zinsniveau am US-Finanzmarkt ist infolgedessen höher als in der Eurozone. So liegt die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe – die Benchmark jenseits des Atlantiks – zurzeit bereits bei rund 3 Prozent. Die Dividendenrendite im breiten US-Aktienindex S&P 500 dagegen beträgt laut DZ Bank lediglich 1,6 Prozent.

Doch auch die Dividendenrendite allein reicht kaum aus, um einen guten Dividendentitel am Aktienmarkt ausfindig zu machen. Experten raten vielmehr, einen Mix aus Faktoren im Blick zu haben. Dazu gehören neben der Höhe der Dividende und der Dividendenrendite etwa die Kontinuität, mit der ein Unternehmen seine Ausschüttungen leistet. Firmen, die über viele Jahre zuverlässig stabile oder sogar steigende Dividenden ausgezahlt haben, werden auch als "Dividendenaristokraten" bezeichnet. Am hiesigen Aktienmarkt können etwa BASF sowie die Versicherer Allianz, Munich Re und Hannover Rück in diese Kategorie gezählt werden.

Anleger mit Interesse an Dividendeneinkommen sollten nach solchen Papieren Ausschau halten. Der Zeitpunkt für den Einstieg scheint günstig, denn laut DZ Bank werden die Ausschüttungen auch in den kommenden Jahren zulegen. Insgesamt 62,7 Milliarden Euro erwartet die Bank von den HDax-Konzernen im kommenden Jahr. Im Jahr darauf soll es ein weiteres Plus auf 66,1 Milliarden Euro geben.