Sonntag, 22. September 2019

"Diversity Dax" geplant So können Anleger mit Gleichberechtigung Geld machen

Konfliktzone Aktienmarkt: Die Deutsche Börse macht sich für die Rechte von Frauen stark.
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Konfliktzone Aktienmarkt: Die Deutsche Börse macht sich für die Rechte von Frauen stark.

Wenn Unternehmen wert auf Vielfalt legen, also beispielsweise Vertreter aller Geschlechter sowie von Minderheiten mit Führungsaufgaben betrauen, dann kann das ihren Erfolg steigern. Das wurde bereits durch verschiedene Studien belegt. Die Deutsche Börse will diesen Zusammenhang nun für die Geldanlage nutzbar machen: Mit Schwerpunkt auf der Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Berufsleben arbeitet das Unternehmen daran, einen "Diversity Dax" zu kreieren, der später als Grundlage entsprechender Indexfonds dienen könnte.

Bei dem Projekt arbeitet die Börse mit dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) sowie mit der Technischen Universität (TU) München zusammen, wie ein Sprecher zu manager-magazin.de sagte. Die BCG hatte bereits im vergangenen Jahr zum wiederholten Male ihren "Gender Diversity Index" veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein Ranking der 100 größten deutschen börsennotierten Unternehmen nach Kriterien wie der Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat sowie der Vergütung der Männer und Frauen in beiden Gremien.

Aus den Top-30-Firmen dieses Rankings hat die Börse nun - zunächst testweise - einen Aktienindex gebildet (Arbeitstitel: "Diversity Dax"), wobei die einzelnen Unternehmen nach der Ausprägung der Gender-Gerechtigkeit gemäß BCG-Analyse gewichtet wurden. Die Top-Firmen mit den höchsten Werten im Index sind demzufolge die Aareal Bank Börsen-Chart zeigen, der Mobilfunkanbieter Telefonica Deutschland Börsen-Chart zeigen sowie der Finanzdienstleister Grenke Börsen-Chart zeigen mit Sitz in Baden-Baden. Aus dem Dax Börsen-Chart zeigen befinden sich zudem der Konsumgüterkonzern Henkel Börsen-Chart zeigen, die Deutsche Lufthansa Börsen-Chart zeigen, das Chemieunternehmen Merck Börsen-Chart zeigen sowie die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen selbst unter den Top-Ten.

Börsen-Vorständin Hauke Stars im Gespräch mit mm-Chefredakteur Sven Clausen bei einer Veranstaltung von manager magazin und BCG.
Frank Beer/BCG
Börsen-Vorständin Hauke Stars im Gespräch mit mm-Chefredakteur Sven Clausen bei einer Veranstaltung von manager magazin und BCG.

Erste Probekalkulationen brachten vielversprechende Ergebnisse: Auf Sicht von zwei Jahren, so die Börse, hätte der frisch erfundene "Diversity Dax" den etablierten deutschen Leitindex Dax in der Performance um immerhin rund 4,3 Prozentpunkte geschlagen. Das Anlagerisiko - gemessen an der Volatilität - sei dabei beim "Diversity Dax" noch niedriger ausgefallen als beim Dax, schreibt die Börse in einem Konzeptpapier.

Diese Erkenntnisse passen ins Bild vorheriger Studien zu dem Thema. Auch die Beratungsfirma McKinsey beispielsweise hat sich der Frage, inwieweit die Vielfalt im Management den Erfolg eines Unternehmens beeinflussen kann, bereits angenommen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 fand McKinsey heraus, dass Unternehmen mit stärker ausgeprägter "Gender-Diversity" unter den Führungskräften auch höhere Profite erwirtschaften. Eine weitere Analyse einige Jahre später kam mit noch größerer Deutlichkeit ebenfalls zu diesem Ergebnis.

Zudem existiert unter anderem eine Studie der Universität von Iowa in den USA aus dem Jahr 2003, die ebenfalls einen positiven Zusammenhang zwischen Management-Vielfalt und Firmenerfolg bei US-Unternehmen nachwies - auf Grundlage von Daten, die bereits aus den 1990er Jahren stammten.

Bis der "Diversity Dax" der Deutschen Börse tatsächlich das Licht der Welt erblicken kann, dürfte es dennoch eine Weile dauern. Dem Sprecher des Unternehmens zufolge bietet sich auf Basis der Ergebnisse gemeinsam mit BCG und TU München eine Ausweitung der Studie auf weitere drei Jahre an, um das Konzept über einen längeren Zeitraum zu testen.

Immerhin: Das Projekt kann auf den Rückhalt des Börsen-Managements bauen. "Wir wollen das Thema 'Diversity in Deutschland' investierbar machen", lässt sich Börsen-Vorständin Hauke Stars zitieren. "Ein Börsenindex wäre das geeignete Vehikel, denn er ist die Brücke vom Ranking hin zur Investierbarkeit."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Hoffnung dabei: Gibt es erst einen Index, dann können Fondsgesellschaften entsprechende Indexfonds (ETFs) emittieren, über die Anleger in diesen Index investieren können. "Jeder investierte Euro würde dann unterstreichen, wie wichtig Diversity für die Zukunftsfähigkeit von deutschen Unternehmen ist", so Börsen-Managerin Stars.

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