Samstag, 25. Januar 2020

Börsenprofi Moritz Schildt zeigt Diese Bundesanleihe hat den Dax um Längen geschlagen

DPA / picture alliance / Soeren Stache

Viele Investoren trauen sich heutzutage kaum noch, von einer "Rentenquote" zu sprechen oder ernsthaft über ein Investment in Staatsanleihen nachzudenken. Nach einem Börsenjahr wie 2019 mit einer Dax-Performance von mehr als 25 Prozent und in einem Zinsumfeld, in dem der Erwerb einer Deutschen Bundesanleihe angesichts der negativen Rendite durchaus zutreffend als "Geldvernichtung" bezeichnet werden kann, sind Anleihen nicht en vogue. Wer allerdings im Jahr 2000 eine der ersten langlaufenden Euro-Bundesanleihen erworben hat und trotz einer überaus bemerkenswerten Kursentwicklung der Versuchung eines Verkaufs widerstehen konnte, hat in den vergangenen 20 Jahren den Dax deutlich abgehängt.

Unser heutiger Chart der Woche zeigt den Kursverlauf einer am 11. Januar 2000 emittierten 30-jährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland. Der Titel wurde seinerzeit mit einem Kupon von 6,25 Prozent emittiert und läuft bis zum Januar 2030 - hat aktuell also erst zwei Drittel seiner Laufzeit hinter sich. Der Anleger hat über die vergangenen 20 Jahre allerdings nicht nur den jährlichen Kupon verdient, sondern die seitdem kontinuierlich sinkenden Zinsen haben dafür gesorgt, dass der Wert der künftigen Zinszahlungen auch den Kurs der Anleihe deutlich in die Höhe getrieben hat, so dass die Anleihe aktuell zum Kurs von mehr als 166 Prozent gehandelt wird.

Moritz Schildt
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    Moritz Schildt ist Gründer der nordIX AG, die auf festverzinsliche Anlagen spezialisiert ist. Das Unternehmen verwaltet in fünf Spezial- und Publikumsfonds mehrere 100 Millionen Euro.

"Wenn die Zinsen fallen, steigen die Kurse" lautet eines der Grundprinzipien der festverzinslichen Wertpapiere. Dass der Kurs einer Bundesanleihe tatsächlich so deutlich über pari notiert, zeigt deutlich, wie extrem der Zinsrückgang der vergangenen zwei Dekaden ausgefallen ist: Der hohe Kurs bildet den "Wert" der noch ausstehenden Zinszahlungen ab. Daher müssen die noch ausstehenden zehn Kuponzahlungen in Höhe von jeweils 6,25 Prozent mit der Rendite einer Alternativanlage verglichen werden. Da aktuell zehnjährige Bundesanleihen bei minus 0,3 Prozent rentieren, und der Negativzins zusätzlich dazu führt, das künftig erwartete Zahlungen nicht abgezinst werden müssen, erklärt sich der Kurswert von 166 also recht einfach als Summe aus dem im Jahr 2030 zurückzuzahlenden Nominalbetrag zuzüglich der bis dahin noch ausstehenden Zinserträge.

Total Return von 296 Prozent

Berechnet man nun den "Total Return" des Anleiheninvestors, also die Summe aus erhaltenen Zinszahlungen und Kursgewinnen, so errechnet sich für den Zeitraum von Januar 2000 bis Januar 2020 ein Total Return von 296 Prozent. Der investierte Betrag hat sich also in den abgelaufenen zwanzig Jahren fast vervierfacht. Damit übersteigt die Rendite unseres Anleiheninvestors - annualisiert entspricht dies einer Rendite von 7,02 Prozent - sogar die Performance einer Investition in den Dax Börsen-Chart zeigen. Der Dax hat in diesem Zeitraum einschließlich Dividenden nur einen Total Return von 87 Prozent erwirtschaftet, auf Jahresbasis entspricht dies einer Rendite von 3,13 Prozent.

Diese scheinbar vorteilhafte Betrachtung für das Anleiheninvestment lässt sich nun leider nicht in die Zukunft projizieren. Auf dem aktuellen Kursniveau beläuft sich die Rendite auch unserer hochverzinslichen Anleihe auf minus 0,3 Prozent und der Kurs der Anleihe wird aller Voraussicht nach deutlich absinken um am Ende der Laufzeit auf einem Niveau von 100 Prozent dem Nominalbetrag zu entsprechen. Der sogenannte "Pull to par" Effekt bedingt, das der Kurs einer Anleihe mit der nahenden Fälligkeit sich immer weiter an den Pari-Wert von 100 Prozent annähert.

Wer angesichts des so rein rechnerisch unausweichlichen Kursrückgangs nun aber darüber nachdenkt, den Kursgewinn zu realisieren und sich der Anleihe zu entledigen, spürt unverzüglich nach Gutschrift des Veräußerungserlöses das aktuelle Dilemma am Kapitalmarkt: Die Neuanlage ist ein handfestes Problem: Vermeintlich sichere Anleihen mit einem Investmentgrade Rating bringen kaum noch nennenswerte Renditen. Im Gegenteil: bereits mehr als 40 Prozent der europäischen Investmentgrade-Anleihen weisen inzwischen eine negative Rendite auf.

Goldbarren als Alternative?

Wer seinen Risikoappetit bereits hinreichend mit überteuerten Aktien und Immobilien gestillt und sich zusätzlich noch mit Bitcoins diversifiziert hat, sucht in der Regel händeringend eine sichere und liquide Portfolioergänzung, bei der die Schwankungsbreite überschaubar bleibt. Wer jetzt an Edelmetalle denkt, stellt schnell fest, das auch hier aktuell Höchstkurse zu zahlen sind und die Anbieter von physischem Gold zum Jahresende 2019 trotzdem oftmals nicht in der Lage waren, den großen Andrang an Investoren abzufertigen. Gerüchteweise sollen besorgte Familienoberhäupter die gesamte zum Weihnachtsfest angereiste Verwandtschaft kurzerhand auf einen Abstecher zum Edelmetallhändler eingeladen haben. Dort konnte nämlich die noch bis zum 31. Dezember 2019 geltende Obergrenze von 10.000 Euro für den anonymen Kauf von Edelmetallen ausgenutzt werden. Diese Grenze, die pro Person gilt, also von Oma, Opa, Schwiegermutter, Nichten und Neffen genutzt werden kann, ist ab dem 01. Januar 2020 auf 2000 Euro abgesenkt worden, was die Anlage in anonymes Gold deutlich erschwert.

Bankanleihen statt Festgeld

Das Geld zur Bank zu bringen, ist auch keine Lösung: Die Zahl der Banken, die auch für Privatkunden die Einführung von Negativzinsen in 2020 vorgesehen oder zumindest nicht ausgeschlossen haben, ist deutlich gestiegen. Damit dürfte das vorübergehende Parken von Geldern auf einem vermeintlich sicheren Festgeldkonto künftig einen Preis haben. Wer bei Rentenpapieren bleiben möchte, aber auf der Suche nach einer positiven Rendite weder in die Schwellenländer noch in den Bereich der hochverzinslichen Unternehmensanleihen einsteigen möchte, mag daher einen Blick auf Nachranganleihen europäischer Banken werfen.

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Zwar stellt das aktuelle Zinsniveau für den Bankensektor eine schwere Bürde dar, die sich auch in den Kursentwicklungen der europäischen Bankaktien niedergeschlagen hat. Andererseits ist die Branche gerade angesichts der stetig steigenden regulatorischen Anforderungen als Anleiheschuldner in der Regel eine solide Wahl. Will man mit Rentenpapieren der "Financials" eine positive Rendite erzielen, ist allerdings meist der Blick in die zweite Reihe, also in den Bereich der Nachranganleihen, erforderlich. Hier finden sich Möglichkeiten, auch im Laufzeitenband unter fünf Jahren noch Renditen von mehr als 3 Prozent zu realisieren. - oftmals allerdings mit Mindeststückelungen von 100.000 Euro, so dass ein diversifiziertes Exposure am besten über entsprechende Fonds realisiert werden kann.

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