Börsenprofi Carsten Klude zeigt Crash-Gefahr an der Börse? Darum ist 2016 nicht 1987

Von Carsten Klude

Ölaktien - neue Energie dank höherer Preise

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Carsten Klude

Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Europäische Aktien aus dem Sektor Öl und Gas gehören bislang zu den Gewinnern des Börsenjahres 2016. Bis auf zwei Titel aus Italien - Saipem  und ENI  - liegen die Aktien aller anderen Unternehmen seit Jahresbeginn im Plus. Ursache hierfür ist die seit Ende Januar zu beobachtende Erholung des Ölpreises. Dieser lag zeitweise bei nur noch 25 US-Dollar je Barrel, wodurch insbesondere in den USA viele Ölförderunternehmen nicht mehr kostendeckend produzieren konnten und ihre Produktion gedrosselt haben.

Die einsetzende Marktbereinigung hat dazu geführt, dass der Angebotsüberhang sukzessive zurückgegangen ist und der Ölpreis auf rund 50 US-Dollar angestiegen ist. Sollten sich die Opec-Länder auf ihrem Treffen am 30. November zudem auf eine Begrenzung der Fördermengen einigen, dürfte sich der Höhenflug des Ölpreises und der Ölaktien fortsetzen. Anleger, die auf diese Entwicklung setzen wollen, kaufen entweder ein Sektor-ETF oder eines der Sektorschwergewichte Total , BP oder Royal Dutch Shell.

US-Berichtssaison - Konzerne liefern gute Ergebnisse

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In den USA ist die Berichtssaison für das dritte Quartal in vollem Gange. Im S&P 500 haben schon fast 200 Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht, von denen die große Mehrheit die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Dies ist allerdings keine große Überraschung, denn die Prognosen werden vor dem Beginn der Berichtssaison regelmäßig nach unten angepasst, sodass die Hürde, die es zu überwinden gilt, relativ tief liegt.

Mit fast 80 Prozent an positiven Ergebnisüberraschungen fällt dieser Wert dieses Mal jedoch besonders hoch aus, zumal die Abwärtsrevisionen im Vorfeld geringer waren als in den Quartalen zuvor.

Nicht nur die Ergebnisse, auch die Umsätze haben sich bei den meisten Unternehmen besser entwickelt als erwartet. Doch trotz dieser sehr guten Zahlen sind die Kurse der berichtenden Unternehmen im Anschluss an die Veröffentlichung nur in 40 Prozent der Fälle gestiegen. Besonders positiv stechen dabei zwei Unternehmen hervor: Zum einen Paypal  mit einem Kursanstieg von 10 Prozent, zum anderen Netflix  mit einem Tagesplus von 19 Prozent. Die eher verhaltene Kursreaktion bei den übrigen Unternehmen deutet darauf hin, dass in den nächsten Wochen noch einiges Potenzial für einen weiteren Anstieg des S&P 500 besteht - neue Rekorde nicht ausgeschlossen.

S&P 500 - der Oktober-Crash bleibt (auch) dieses Jahr aus

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Am 19. Oktober 1987 kam es zum großen Crash: Der Dow Jones Index brach an diesem Tag um fast 25 Prozent ein. Einige technische Analysten hatten die Sorge, dass sich ein solcher Einbruch in diesem Jahr wiederholen könnte, zu sehr ähnelten sich angeblich die Kursverläufe damals wie heute. Doch der Vergleich zu 1987 hinkt in mehrerer Hinsicht, selbst wenn man einen ähnlichen Chartverlauf konstruieren kann (wobei selbst der sehr weit hergeholt ist und nur dann einigermaßen plausibel erscheint, wenn man andere Skalierungen verwendet).

Der wesentliche Unterscheid zu 1987 ist der, dass die US-Börsen damals extrem heiß gelaufen waren mit einem Kursanstieg von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn. Im Vergleich dazu nimmt sich die Wertentwicklung in diesem Jahr mit 4 bis 5 Prozent bescheiden aus.

Der zweite wesentliche fundamentale Unterschied zwischen damals und heute besteht in der Zinspolitik der US-Notenbank. Wegen der damals boomenden Konjunktur und der damit verbundenen hohen Inflationsrate von mehr als 4 Prozent erhöhte die Federal Reserve den Leitzins in mehreren Schritten auf über 7 Prozent. Die Rendite von 10-jährigen US-Treasuries lag damals zwischenzeitlich bei 10 Prozent, sodass Anleihen - im Unterschied zu heute - eine wirkliche Anlagealternative darstellten.

Deutsche Bank - eine positive Überraschung

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Anleger, die die Aktie der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) in ihrem Depot halten, mussten in diesem Jahr eine hohe Leidensfähigkeit beweisen. Trauriger Höhepunkt war der zwischenzeitliche Kursrutsch unter die Marke von 10 Euro, nachdem Ende September kolportiert wurde, der Deutschen Bank drohe aufgrund eines schwelenden Rechtsstreits mit den US-Behörden eine Strafe von bis zu 14 Milliarden US-Dollar.

Vor allem Hedgefonds nutzten die Gelegenheit, um spekulative Shortpositionen einzugehen oder zu verstärken, wodurch die Abwärtsbewegung noch verstärkt wurde. Wasser auf deren Mühlen war zudem die Aussage, dass sich die Politik im Falle eines Falles nicht an einer möglichen Rettungsaktion, wie es 2008 bei der Commerzbank  der Fall gewesen ist, beteiligen würde.

Doch vieles spricht dafür, dass der Kursrutsch überzogen und auf die Panik vieler Anleger zurückzuführen war. In dieser Woche gelang es der Deutschen Bank sogar erstmals seit langer Zeit, die Märkte positiv zu überraschen: Im dritten Quartal erwirtschaftete sie statt des erwarteten erneuten Verlusts einen (kleinen) Gewinn - immerhin. Vor allem der Wertpapierhandel lief besser als erwartet, die Kostensenkungsprogramme zeigen erste Wirkung. Wer Mut hat, setzt auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung.

Staatsanleihen - Spanien sticht Italien und Portugal aus

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In Spanien steht einer Minderheitsregierung unter der Führung des amtierenden Ministerpräsidenten Rajoy nichts mehr im Wege. Die Sozialisten haben sich nach dem Sturz des ehemaligen Parteichefs Sanchez dazu entschieden, ihre Blockadehaltung aufzugeben und sich bei der am 28. Oktober anstehenden Abstimmung zu enthalten.

Damit ist der Weg frei für die konservative Partido Popular in Zusammenarbeit mit den liberalen Ciudadanos. Ministerpräsident Rajoy wird zwar nicht über die Mehrheit der Stimmen im Parlament verfügen, benötigt aber für die Verabschiedung von Gesetzen nur sieben Stimmen jenseits seiner Koalition. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die neue Regierung wahrscheinlich nicht die volle Legislaturperiode von vier Jahren überstehen wird, aber stark genug sein wird, die anstehenden Aufgaben, wie den Haushalt für 2017, verabschieden zu können.

Wir sind daher sehr zuversichtlich, dass spanische Staatsanleihen ihre Outperformance insbesondere gegenüber ihren portugiesischen und italienischen Pendants fortsetzen werden.

Videokommentar zum Überraschungs-Gewinn der Deutschen Bank:

manager-magazin.de / Wochit
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