Fahrdienstvermittler Didi zum US-Börsendebüt 80 Milliarden Dollar wert

Die Stimmung zwischen den USA und China ist derzeit nicht die beste, zudem ermittelt Peking gegen den chinesischen Fahrdienstvermittler. Doch Investoren vertrauen Didi Chuxing zum US-Börsengang Milliarden an. Didi ist zum Debüt rund 80 Milliarden Dollar wert.
Sitzen in einem Boot - äh Auto: Didi-Präsidentin Jean Liu und CEO Cheng Wei

Sitzen in einem Boot - äh Auto: Didi-Präsidentin Jean Liu und CEO Cheng Wei

Foto: via www.imago-images.de / imago images/VCG

Der chinesische Fahrdienstvermittler und Uber-Rivale Didi Chuxing hat in den USA ein starkes Börsendebüt hingelegt. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq unter "DIDI" notierten Aktien schnellten am Mittwoch in der Spitze um 19 Prozent hoch, womit das Unternehmen zwischenzeitlich einen Börsenwert von 80 Milliarden Dollar erreichte. Zum Vergleich: Der US-Wettbewerber Uber ist derzeit rund 95 Milliarden Dollar wert.

Bei seinem US-Börsengang hatte Didi 4,4 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) eingenommen. Insgesamt wurden 317 Millionen Hinterlegungsscheine (American Depository Receipt, ADS) zu je 14 Dollar platziert, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Zuvor hatten das "Wall Street Journal"  und Bloomberg  darüber berichtet. Nach Alibaba im Jahr 2014 ist es der zweitgrößte Börsengang eines chinesischen Unternehmens in den USA. Der Online-Riese hatte seinerzeit 25 Milliarden Dollar eingenommen.

Die Nachfrage sei offenbar sehr groß gewesen, weshalb Didi mehr Aktien habe verkaufen können als erwartet, hieß es. Dafür spricht, dass der Preis für die Papiere schon drei Tage nach Beginn der Roadshow festgelegt wurde. Laut "WSJ" hätte die Präsentation vor Investoren wegen der unterschiedlichen Zeitzone in verschiedenen virtuellen Treffen rund um die Uhr stattgefunden. Beschleunigt wurde das Verfahren sicher auch damit, dass Didi rund ein Drittel der Papiere bereits im Vorfeld zugeteilt haben soll - unter anderem an die Ankerinvestoren Morgan Stanley und Temasek Holding. Didi wollte sich nicht zu den Berichten äußern.

Während der Präsentation sollen begleitende Banken und das Management den Fokus vor allem auf die Wachstumsaussichten des Unternehmens gelegt haben. Das Narrativ geht dabei so: Etwa 70 Prozent der chinesischen Bevölkerung werden im Jahr 2030 in Städten leben und nur die wenigsten haben ein eigenes Auto. Daraus glaubt der Fahrdienstvermittler Kapital schlagen zu können.

Uber und Softbank dürften zum IPO jetzt bestens verdienen

Wie andere Beförderungsunternehmen litt auch Didi unter der Pandemie im vergangenen Jahr. Seit Mitte 2020 verzeichnete das Unternehmen aber wieder steigende Fahrgastzahlen. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt und erreichte laut Bloomberg 6,4 Milliarden Dollar. Didi schrieb in dem Quartal einen Gewinn von 837 Millionen Dollar. Für das letzte Jahr hatte der Fahrdienstvermittler einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 21,6 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Eigenen Angaben zufolge sollen jährlich 550 Millionen Menschen in 16 verschiedenen Länder die Dienste von Didi nutzen - vor allem eben in China, wo der Fahrdienstvermittler seinen Wettbewerber Uber 2016 zur Aufgabe des Geschäfts drängte. Das US-Unternehmen erhielt im Gegenzug rund 13 Prozent der Anteile und dürfte bei dem IPO nun genauso verdienen wie der japanische Technologieinvestor Softbank, der gut ein Fünftel der Anteile an Didi hält.

Als mögliche Belastung und Risiko zugleich für den Börsengang werteten Beobachter laufende kartellrechtliche Ermittlungen Pekings nun auch gegen Didi. Zudem hatte sich die politische Rhetorik zwischen Washington und Peking zuletzt verschärft. Dennoch hatte in den vergangenen Wochen gut ein halbes Dutzend chinesischer Firmen den Kapitalmarkt in den USA angezapft und zu dem guten IPO-Klima beigetragen. Laut dem Datenanbieter Dealogic haben Unternehmen in den USA im laufenden Jahr bislang mehr als 70 Milliarden Dollar durch traditionelle Listings eingespielt, was nach Einschätzung von Experten zu einem neuen Rekord im Gesamtjahr führen dürfte.

rei
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