Börsenprofi Carsten Klude erklärt Warum Anleger jetzt auf "Schrott-Aktien" achten sollten

Von Carsten Klude

Dialog Semiconductors - Mut zum Kauf

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In aller Regel steht eine hohe Bilanzqualität, gepaart mit hoher Profitabilität, bei Aktien für eine vergleichsweise hohe Kursstabilität. Dass dies nicht immer so sein muss, beweist Dialog Semiconductors. Es gab in den letzten Monaten nicht viele Unternehmen im Stoxx 600, die eine noch höhere Volatilität aufgewiesen haben.

Dies liegt vor allem am speziellen Geschäftsmodell der Firma - die Umsätze des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductors hängen eng mit der Entwicklung des Smartphone-Geschäftes zusammen. Hier wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel, wie zuletzt auch Apple  schmerzhaft erfahren musste.

Das ändert aber nichts daran, dass Dialog Semiconductors auf soliden Füßen steht und zudem vergleichsweise attraktiv bewertet ist. Wer mutig ist, kauft jetzt antizyklisch zu.

Gewinnschätzungen - wann ist der Wendepunkt erreicht?

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Seit mehreren Jahren weisen Gewinnschätzungen für die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte eine negative Eigenschaft auf: Immer und immer wieder müssen die Schätzungen nach unten angepasst werden, da Unternehmen die ambitionierten Erwartungen der Analysten nicht erfüllen.

Carsten Klude

Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

In der Regel ist dies eher schlecht für die Kursentwicklung von Aktien, da die negativen Gewinnrevisionen auf die Stimmung von Investoren drücken. Aus diesem Grund waren wir positiv überrascht, als vor einigen Wochen die Schätzungen für das laufende und für das nächste Geschäftsjahr europäischer Unternehmen endlich wieder einmal leicht nach oben revidiert wurden.

Leider scheint diese Entwicklung aber doch nur ein Strohfeuer gewesen zu sein, denn zuletzt ging es dann doch wieder bergab - eine Trendwende sieht leider anders aus. Wir haben jedoch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass im Laufe des Jahres tatsächlich die Talsohle bei den Gewinnschätzungen erreicht werden könnte.

Schrott-Aktien laufen, aber wie lange noch?

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Der bisherige Verlauf des Aktienjahres 2016 gibt keinen Anlass zu Freudensprüngen. Seit Mitte Februar kam es zwar zu einer Beruhigung an den Börsen, jedoch liegen die breiten Indizes auch aktuell noch deutlich hinter ihren Jahreseinstandswerten. Abseits der breiten, marktkapitalisierungsgewichteten Indizes gibt es jedoch durchaus Aktien, die nicht nur ihren Index schlagen konnten, sondern auch seit Jahresbeginn eine positive Performance aufweisen.

Betrachtet man diese Aktien etwas genauer fällt ein gemeinsamer Nenner auf: die niedrige Bewertung. Anscheinend konnten in einem Umfeld, das seit Mitte Februar von sich stabilisierenden Rohstoffpreisen, einer zurückhaltenden amerikanischen und einer noch expansiver werdenden europäischen Zentralbank gekennzeichnet ist, vor allem Unternehmen profitieren, die eher weniger solide Geschäftsmodelle aufweisen.

Hätte man am 31. Dezember 2015 ein gleichgewichtetes Portfolio mit den zu dem Zeitpunkt 100 am schlechtesten bewerteten Aktien aus dem STOXX 600 erworben, so läge man aktuell 5,5 Prozent, am 29. April sogar 8,2 Prozent vor dem breiten Index.

Die Frage ist allerdings ob es nicht nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eine Mean-Reversion einsetzten wird. Die konjunkturelle Lage hat sich in den letzten Wochen weiter entspannt und auch die aktuellen Sonderthemen, wie beispielsweise das Brexit-Votum oder der Visa-Deal mit der Türkei, sprechen nicht unbedingt dafür, Aktien mit einer niedrigen Bewertung zu erwerben.

Inflationserwartungen - transatlantische Differenzen

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Die mittelfristigen Inflationserwartungen in der Eurozone - gemessen an der Inflation in fünf Jahren für fünf Jahre - verharren trotz der sehr expansiven Geldpolitik der EZB auf Tiefstständen. Trotz der vielfältigen Maßnahmen, die die EZB im März beschlossen hat, wie Senkung des Leit- und Einlagezinses, Erweiterung des Anleihekaufprogrammes und weiterer Langfristtender haben sich die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer nur um gut 10 Basispunkte erholt seit dem Tiefststand am 29. Februar 2016 und liegen mit knapp 1,5 Prozent noch deutlich unter dem Inflationsziel der EZB.

In den USA zeigt sich ein anderes Bild. Die Inflationserwartungen sind hier seit dem Tief aus Mitte Februar um mehr als 20 Basispunkte auf über 2 Prozent angestiegen und haben damit das Ziel der US-Notenbank erreicht. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte sich die US-Notenbank doch schneller als gewollt und erwartet dazu gezwungen fühlen, die Leitzinsen zu erhöhen. Wir erwarten allerdings keinen weiteren Anstieg in näherer Zukunft und rechnen daher nur mit einer oder maximal zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr in den USA.

Bundesanleihen - 2015 wiederholt sich nicht

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Der Kursverlauf von Bundesanleihen im April dieses Jahres erinnerte in fataler Weise an die Entwicklung aus dem letzten Jahr, als die Renditen von 10-jährigen Bundesanleihen von Ende April bis Anfang Juni in zwei Schüben von knapp über 0 Prozent auf knapp unter 1 Prozent anstiegen, was eine Performance von minus 8 Prozent bedeutete. Der diesjährige Anstieg von nur gut 20 Basispunkten und einer Performance von minus 2 Prozent war relativ gesehen undramatisch.

Eine vollständige Wiederholung der Entwicklung ist aus unserer Sicht sehr unwahrscheinlich, und die ersten Tage im Mai scheinen dies zu bestätigen. Denn fundamental sprechen die weiterhin sehr expansive Geldpolitik der EZB, die sehr niedrigen Inflationsraten und die schwächelnde weltweite konjunkturelle Entwicklung gegen einen nachhaltigen Zinsanstieg.