Montag, 21. Oktober 2019

Geschäfte laufen schwächer Deutsche Börse muss sparen nach geplatzter Fusion

Fusion geplatzt, Zukunft unklar: Börsenchef Carsten Kengeter (Bild)

Nach der geplatzten Fusion mit der Londoner Börse muss die Deutsche Börse die Kosten drücken - zunächst angeblich um einen zweistelligen Millionenbetrag. Auch von einem Einstellungsstopp ist die Rede. Konzernchef Kengeter aber verdient prächtig.

Bei der Deutschen Börse herrscht nach dem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) große Unruhe. Den Vertrag mit Finanzchef Gregor Pottmeyer hat das Unternehmen stillschweigend um fünf Jahre verlängert, bei seinem Vorstandskollegen Jeffrey Tessler stehen die Zeichen dagegen auf Abschied. In der Belegschaft gibt es große Sorgen, weil Pottmeyer die Führungskräfte des Unternehmens zu Kosteneinsparungen aufgerufen hat.

Obendrein steht Deutschlands größter Börsenbetreiber im operativen Geschäft seit Jahresbeginn unter Druck, weil sich viele Investoren wegen der Unsicherheit an den Märkten im Handel zurückhalten. Im Schlussquartal hatte die Deutsche Börse noch vom regen Handel an den Finanzmärkten nach der US-Präsidentschaftswahl profitiert.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die EU-Kommission die LSE-Fusion in den kommenden Tagen offiziell untersagen, möglicherweise am 29. März. Viele Mitarbeiter fürchten, dass der Vorstand nun die Daumenschrauben anziehen wird, um die Kosten für den geplatzten Zusammenschluss zumindest teilweise zu kompensieren.

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Im Februar hatte die Deutsche Börse die Fusionskosten auf 150 Millionen Euro beziffert - eingedenk der Kosten für Anwälte, Berater und Banker. Laut "Süddeutsche Zeitung" will Pottmeyer kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag einsparen. Vorstandschef Carsten Kengeter selbst verdient prächtig. Seine Einkünfte hätten sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, auf knapp 7,3 Millionen Euro. Damit verdiente der Ex-Investmentbanker nach zwei Jahren im Unternehmen fast doppelt so viel wie sein Vorgänger Reto Francioni nach zehn Jahren als Börsenchef.

Die härtere Gangart wurde diese Woche bei einer Vorstandssitzung deutlich, wie Insider berichten. Dabei sei unter anderem der Vorschlag abgelehnt worden, ein "Liaison-Büro" in Wiesbaden zu eröffnen, um den Kontakt zur hessischen Landespolitik zu pflegen. Auch der Ausbau der Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse und ein kostspieliger Umbau der Kommunikationsabteilung sei nicht bewilligt worden. In vielen Geschäftsbereichen gebe es zudem einen Einstellungsstopp, heißt es in dem SZ-Bericht. Die Deutsche Börse wollte sich dazu nicht äußern.

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Investoren finden die Herangehensweise richtig. "Kosten sind bei Börsen immer ein Thema", sagt einer größten 20 Aktionäre des Unternehmens. "Es ist richtig, dass Herr Pottmeyer das fortlaufend im Blick hat." Der Aufsichtsrat hat dem Finanzchef bereits vor einiger Zeit den Rücken gestärkt. Sein Vertrag sei bis 2022 verlängert worden, sagte ein Firmensprecher nun und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

Pottmeyer hat den Großteil seiner Karriere beim Autobauer Daimler verbracht, wo er zuletzt Finanzvorstand der Mercedes Benz Bank war. 2009 wechselte er dann in gleicher Funktion zur Deutschen Börse. "Er hat seine Abteilung im Griff", sagt eine mit der Vertragsverlängerung vertraute Person. "Er ist zu einer wichtigen Konstante geworden." Pottmeyers Verbleib sei auch deshalb wichtig, weil im Vorstand der Deutschen Börse in den kommenden Jahren einige Wechsel anstünden.

Der Vertrag von Jeffrey Tessler läuft beispielsweise Ende des Jahres aus. Der 62-jährige Amerikaner ist für das Derivate-, Abwicklungs- und Wertpapierverwahrgeschäft verantwortlich. Diese Sparte fährt bei der Deutschen Börse den Löwenanteil der Erträge ein. In der Firmenzentrale in Eschborn bei Frankfurt gehen die meisten Verantwortlichen davon aus, dass Tessler keine Vertragsverlängerung mehr anstreben und in Ruhestand gehen wird. Auch der Vertrag des stellvertretenden Vorstandschefs Andreas Preuß, der im Juni 61 wird, läuft nur noch bis Mai 2018.

rei/Reuters

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