Deutsche-Bank-Aktie im Keller Drei Gefahren für die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank steckt seit Jahren in der Krise, doch jetzt spitzt sich die Lage erneut zu. Das Rumoren im Management ist nicht mehr zu überhören - Leidtragende sind einmal mehr die Aktionäre.
Schwache Marktstellung, schwache Erträge und schwache Führung: Die Aktie der Deutschen Bank kommt seit Jahren nicht aus dem Keller

Schwache Marktstellung, schwache Erträge und schwache Führung: Die Aktie der Deutschen Bank kommt seit Jahren nicht aus dem Keller

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Jetzt also auch noch Garth Ritchie. Seit Wochen kommt die Deutsche Bank nicht aus den negativen Schlagzeilen. Am Donnerstag kam die Spekulation über das Schicksal eines weiteren ihrer Topleute hinzu: Investmentbanking-Vorstand Ritchie, seit 22 Jahren bei der Deutschen Bank und einer der wenigen in seiner Sparte, die die Finanzkrise sowie folgende Skandale unbescholten überstanden haben, will das Institut nach Informationen von manager-magazin.de verlassen.

Die meisten Aktionäre der noch immer größten Bank Deutschlands dürften für diese und andere unerfreuliche Neuigkeiten der jüngeren Vergangenheit kaum noch mehr als ein Schulterzucken übrig haben: Gerüchte über einen möglichen Abgang von Bankchef John Cryan? Horrende Boni für Investmentbanker, trotz des dritten Konzernverlustes in Folge? Ein Finanzchef James von Moltke, der mit pessimistischen Äußerungen die Teilnehmer einer Investorenkonferenz schockt? Und ein Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der in dieser Situation alles andere als eine gute Figur macht? Was soll's? Der Aktienkurs ist ohnehin seit Jahren im Keller.

Bankvorstand Ritchie

Bankvorstand Ritchie

Foto: Deutsche Bank

Lange vorbei sind die Zeiten, als das Deutsche-Bank-Papier bei beinahe 90 Euro notierte. Das war 2007, kurz vor Beginn der Finanzkrise. Seither sieht der Kurschart so aus wie das Profil eines ziemlich schroffen Hochgebirges, das langsam aber sicher ins Flachland übergeht.

Für knapp 11,50 Euro ist die Aktie der Deutschen Bank  derzeit zu haben. Das ist nur knapp über dem Niveau aus dem Herbst 2016, als Investoren den Kollaps des Instituts befürchteten und die Aktie ins Bodenlose schickten.

Die Gründe für die nicht enden wollende Misere des Unternehmens, das trotz allem nach wie vor als Deutschlands Branchenprimus bezeichnet werden kann, lassen sich in drei Punkten zusammenfassen: Schwache Marktstellung, schwache Erträge und schwache Führung.

Die Trödler in den Zwillingstürmen

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Selbstverständlich bedingen sich diese drei Punkte auch gegenseitig: Marktanteile verlor die Deutsche Bank, weil die erforderliche Sanierung nach der Finanzkrise zu lange verschleppt wurde. Während Konkurrenten wie Credit Suisse  schnell wieder Vollgas gaben, vertrödelte in der Vorstandsetage der Frankfurter Zwillingstürme zuerst das CEO-Duo Anshu Jain/Jürgen Fitschen wertvolle Zeit. Ihr Vorgänger Josef Ackermann hatte ihnen eine Bank voller Baustellen sowie ein juristisches Minenfeld hinterlassen, doch Jain und Fitschen wagten sich nicht an die Aufräumarbeit heran.

Nach dem Abgang der beiden wurde der Brite John Cryan als Sanierer geholt - doch auch Cryan brauchte zu lange, um Bewegung in den Konzern zu bringen. Ein Beleg dafür ist das Hin und Her mit der Postbank, bei der Jahre vergingen, bis klar war, was die Deutsche Bank wirklich mit ihrer Retail-Tochter anstellen will.

Privatkundengeschäft und Investmentbanking bleibt unter Erwartungen

Weder im Privatkundengeschäft noch im Investmentbanking gelingt es der Deutschen Bank bis heute, die Leistungen zu erbringen, die von einem Institut dieses Kalibers zu erwarten sind - und die Investoren zu Recht einfordern. Weil auf der anderen Seite auch die von Cryan eingeleiteten Sparmaßnahmen nicht den erforderlichen Effekt erzielen, schreibt das Institut rote Zahlen: 2017 fiel bereits zum dritten Mal in Folge ein Konzernverlust an, nach einem Milliardenminus im Vorjahr diesmal immerhin "nur" noch in dreistelliger Millionenhöhe und vor allem bedingt durch die Steuerreform in den USA. Doch selbst wenn die Deutsche Bank im laufenden Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreibt - ihren eigenen Ansprüchen wird sie im operativen Geschäft noch lange nicht gerecht.

Die Frage nach den Verantwortlichen für diese Missstände führt zwangsläufig zum dritten Problemfeld der Bank: der schwachen Führung. Bankchef John Cryan hat zwar Fortschritte bei seinen Sanierungsbemühungen erzielt. Unterm Strich kann er aber bislang nicht viel mehr Zählbares vorweisen als seine enttäuschenden Vorgänger Jain und Fitschen: Die Mitarbeiter sind verunsichert, viele Banker lassen sich angesichts schwindender Marktmacht nur noch durch hohe Boni halten, und die quälende Diskussion über die richtige Strategie der Deutschen Bank zieht sich weiter hin.

Kein Wunder also, dass nach nur knapp drei Jahren Amtszeit bereits über einen Nachfolger für Cryan an der Bankspitze spekuliert wird. Und ebenfalls kein Wunder, dass auch die Position von Aufsichtsratschef Achleitner mehr und mehr ins Wanken zu geraten scheint, angesichts der glücklosen Führungskräfte, die er zuletzt in der Chefetage des Instituts platziert hat.

Schlimmer kann es kaum kommen, können sich die leidgeprüften Aktionäre der Deutschen Bank immerhin sagen. Faktoren, die den Aktienkurs in absehbarer Zeit wieder in die Höhe treiben könnten, sind aktuell allerdings auch kaum erkennbar: Die US-Konkurrenz wie Goldman Sachs oder JP Morgan ist meilenweit enteilt, das niedrige Zinsniveau in Euroland belastet weiterhin das Kerngeschäft, Zinserhöhungen sind zumindest in Europa noch nicht in Sicht, und im lukrativen Firmenkunden- und Investmentgeschäft hat die Deutsche Bank Mühe, mit den Global Playern aus den USA mitzuhalten und Konzernkunden an sich zu binden.

Und Investmentbanking-Vorstand Ritchie? Dem ist es angesichts des Gesamtbildes, das sein Arbeitgeber nun schon seit Jahren abgibt, wohl kaum zu verdenken, dass er seine Zukunft offenbar nicht mehr bei der Deutschen Bank sieht.