Privatkundengeschäft Kommt die Postbank an die Börse?

Einlagengeschäft und Investmentbanking gehören getrennt - das soll auch in Deutschland gelten. Hinter den Kulissen ringen die Parteien um Details. Bleibt die Bundesregierung hart, erwägt die Deutsche Bank eine Trennung vom kompletten Privatkundengeschäft - einschließlich der Postbank.
Wohin geht die Reise? Die Deutsche Bank-Spitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen über die neue Strategie und Aufstellung der Großbank erst im zweiten Quartal informieren

Wohin geht die Reise? Die Deutsche Bank-Spitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen über die neue Strategie und Aufstellung der Großbank erst im zweiten Quartal informieren

Foto: REUTERS

Frankfurt/Berlin - Die Deutsche Bank geht im ungelösten Streit um die künftige Struktur der europäischen Großbanken in die Offensive: Sollte sich die Bundesregierung für eine harte Trennung von Einlagengeschäft und Investmentbanking entscheiden, dann denke Deutschlands größtes Kreditinstitut über eine Abspaltung ihres gesamten Privatkundengeschäfts einschließlich der Postbank nach, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Die ausgegliederte Gesellschaft könne zum Teil an die Börse gebracht werden, um dadurch auch ausländische Partner ins Boot holen zu können, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit den Plänen vertraute Person. Ein anderer Insider sagte, es wäre sinnvoll, ähnlich wie beim schrittweisen Kauf der Postbank auch wieder schrittweise auszusteigen.

manager magazin hatte bereits über die geplante Neuausrichtung der Bank sowie über einen möglichen Verkauf der Postbank berichtet.

Die Deutsche Bank erklärte, es sei bekannt, dass die Bank ihre Strategie im Laufe des Jahr überarbeite. "Es ist unverantwortlich, über den Verkauf irgendwelcher Geschäfte zu spekulieren."

Die Überlegungen kursieren den Angaben zufolge intern schon seit Monaten. Konkrete Beschlüsse gebe es bislang nicht, denn die Postbank sei Teil der angelaufenen Strategiedebatte im Konzern, betonten die Insider. Über ihre neue strategische Ausrichtung und ihre Ziele will die Deutsche Bank die Öffentlichkeit und Mitarbeiter erst im zweiten Quartal informieren.

Trennbankensystem - Deutsche Bank baggert kräftig in Berlin

Aus Koalitionskreisen verlautete, das Institut sei in Berlin weiterhin "sehr, sehr, sehr emsig" unterwegs, um für eine Abschwächung des Trennbanken-Gesetzes zu werben. Im Bundesfinanzministerium wird eine Änderung der deutschen Regeln auch diskutiert: "Um einen Gleichlauf zwischen europäischen und deutschem Recht zu erreichen und einen unter Umständen erheblichen Anpassungsbedarf für die DEU Institute zu vermeiden, wird derzeit erwogen, das deutsche Trennbankengesetz entsprechend anzupassen. Die internen Gespräche dazu laufen", teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

In Deutschland ist im Grundsatz bereits beschlossen, dass Großbanken künftig riskantere Finanzgeschäfte von den Kundeneinlagen trennen müssen, um im Krisenfall einfacher abgewickelt werden zu können. Über die Feinheiten dieser Trennung wird aber koalitionsintern noch gestritten - zumal die EU-Kommission an einer eigenen Trennbanken-Verordnung arbeitet, deren Schärfe noch nicht absehbar ist und nationale Alleingänge vermieden werden sollen.

Die Deutsche Bank hatte die Postbank in der Ära von Vorstandschef Josef Ackermann gekauft, um sich breiter aufzustellen und nicht mehr so abhängig zu sein vom schwankungsanfälligen Investmentbanking. Seit 2010 gehört die Postbank mehrheitlich zur Deutschen Bank, die inzwischen auf fast 30 Millionen Privat- und Firmenkunden kommt. Wenn das Institut die Einlagen dieser Kunden jedoch nicht mehr uneingeschränkt für seine Finanzierung nutzen kann - was im harten Trennbanken-Modell wohl der Fall wäre -, hätte die Postbank für seinen Mutterkonzern kaum noch Bedeutung. Mit einem Verkauf würde sich zudem die Bilanzsumme von rund 1,7 Billionen Euro um fast ein Zehntel verkürzen. Je kleiner die Bilanz, desto weniger Eigenkapital muss vorgehalten werden.

rei/rtr