Aktienpakete verkauft Ausstieg eines Investors belastet Deutsche Bank und Commerzbank

Nach Cerberus trennt sich ein weiterer Investor von großen Aktienpaketen der Deutschen Bank und der Commerzbank. Die Capital Group platzierte zwei Pakete, die Aktien brechen ein und fallen unter Platzierungspreis.
Bankenstadt Frankfurt am Main: Aktienkurse von Deutscher Bank und Commerzbank unter Druck

Bankenstadt Frankfurt am Main: Aktienkurse von Deutscher Bank und Commerzbank unter Druck

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Deutsche Bank und die Commerzbank verlieren nach dem Hedgefonds Cerberus einen weiteren großen Aktionär aus den USA. Der Vermögensverwalter Capital Group platzierte über die Investmentbank Morgan Stanley über Nacht zwei Aktienpakete von jeweils mehr als fünf Prozent an den deutschen Großbanken für zusammen 1,75 Milliarden Euro bei institutionellen Anlegern, wie eine mit der Transaktion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag sagte. Die Investmentbank hatte den Namen des Verkäufers nicht genannt. Doch deutete vieles schon auf die Capital Group hin, die unter anderem hinter dem 165 Milliarden Dollar schweren EuroPacific Growth Fund steht.

Neben dem Fondsriesen aus Los Angeles hält nur noch der US-Vermögensverwalter Blackrock so große Aktienpakete an den beiden Banken. Die Blackrock zugerechneten Aktien liegen aber überwiegend in börsennotierten Indexfonds (ETF), die die großen Börsenindizes abbilden und nicht ohne weiteres verkauft werden können. Die Capital Group wollte sich nicht zu der Platzierung äußern. Binnen weniger Tage dürften aber offizielle Mitteilungen zu den Beteiligungen fällig sein.

Die beiden Banken erklärten fast gleichlautend, der Ausstieg des Investors ändere nichts an ihrer jeweiligen Strategie. Das Geschäftsmodell und das Risikomanagement hätten sich in herausfordernden Zeiten bewährt, sagten Sprecher der Deutschen Bank und der Commerzbank. Beide verwiesen auf einen vielversprechenden Start in das Jahr.

Aktien fallen sogar unter Platzierungspreis

Der zweite groß angelegte Aktienverkauf binnen weniger Wochen belastete die Papiere beider Institute: Die Aktie der Deutschen Bank verlor in der Spitze fast 10 Prozent auf 10,62 Euro, zum Handelsschluss stand ein Minus von 9,36 Prozent bei 10,81 Euro. Die Aktie der Commerzbank verlor zum Vortag 8,47 Prozent auf 6,42 Euro. Die Papiere fielen damit sogar noch unter den Platzierungspreis, der für 116 Millionen Deutsche-Bank-Papiere bei 10,98 Euro und für 72,5 Millionen Commerzbank-Aktien bei 6,55 Euro lag.

Erst zu Jahresbeginn hatte der Hedgefonds Cerberus große Teile seiner Deutsche- und Commerzbank-Aktienpakete zu Geld gemacht. Er hält inzwischen weniger als drei Prozent an beiden Banken. Cerberus hatte Insidern zufolge auf eine Bankenfusion gesetzt - eine Wette, die nicht aufging. Weder kam der große Zusammenschluss zwischen den beiden Häusern zustande, über den zeitweise gesprochen wurde, noch gab es eine Fusion mit einer ausländischen Bank.

Mit welcher Motivation die Capital Group eingestiegen war, ist offen. Sie ist mit einem verwalteten Vermögen von fast zwei Billionen Dollar einer der weltgrößten Kapitalanleger und hatte erst im November bei der Deutschen Bank aufgestockt - zur Freude des Instituts. Ein Sprecher hatte sie damals als langfristig orientierten Anleger bezeichnet. Der Investor aus Los Angeles äußert sich grundsätzlich nicht zu seinen Engagements. Nach Refinitiv-Daten hielt er zuletzt 5,8 Prozent an der Deutschen und 5,3 Prozent an der Commerzbank. Die Capital Group hat weltweit 29 Niederlassungen in Nord- und Südamerika, Asien und Europa. Seit 2015 hat sie auch eine Vertriebsniederlassung in Frankfurt am Main.

rei, hr/Reuters