Donnerstag, 14. November 2019

Anleger drücken Aktie tief ins Minus Christian Sewing will angeblich massiv Deutsche-Bank-Aktien kaufen

Christian Sewing: Anleger misstrauen derzeit seinem Sanierungskurs

Die Anleger misstrauen derzeit den Sanierungsplänen von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Die Aktie verliert in zwei Tagen fast 10 Prozent. Dass der Manager jetzt massiv Titel der Bank auf eigene Rechnung kaufen will, hilft am Dienstag kaum.

Das Vertrauen der Anleger in den am Wochenende beschlossenen Radikalumbau der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen hat an der Börse nicht lange gehalten. Unter starken Schwankungen schloss die Aktie am Montag 5 Prozent leichter, am Dienstag ging es in der Spitze um weitere 5 Prozent nach unten - damit verloren die Anteilsscheine einen Großteil ihrer Erholung von dem Anfang Juni erreichten Rekordtief von 5,80 Euro.

Den Kurssturz konnten am Dienstag auch Gerüchte nicht aufhalten, Vorstandschef Christian Sewing plane, ein Viertel seines Festgehalts in die Aktien der Bank zu investieren, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Sewing hatte laut Analysten und Journalisten in einer Telefonkonferenz am Montag erklärt, einen "erheblichen Betrag" in die Bank investieren zu wollen. Die Höhe seines Investment habe er aber offen gelassen.

Laut Vergütungsbericht belief sich Sewings Grundgehalt als Vorstandschef 2018 auf 3,4 Millionen Euro pro Jahr. Da er erst im April auf den Posten befördert wurde, bekam er knapp 3,3 Millionen Euro ausgezahlt. Die Gesamtvergütung einschließlich variabler Boni belief sich dem Bericht zufolge auf etwas mehr als 7 Millionen Euro. Mitte Februar 2019 besaß Christian Sewing 73.237 Aktien der Deutschen Bank und weitere 61.681 noch nicht eingelöste Optionen.

Der bekannte Banken-Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan hält die Umbaupläne zwar für mutig und "zum ersten Mal nicht halbgar". Es habe bei der Präsentation vor Analysten allerdings auch einige Enttäuschung gegeben.

Dazu zählt Abouhossein beispielsweise die Kernkapitalquote, die seiner Schätzung nach erst 2020 ihr Tief bei 12,7 Prozent erreichen wird. Zudem fehle es an Klarheit bezüglich der angestrebten Einsparungen in Höhe von 5,8 Milliarden Euro und die Restrukturierung im Aktienhandel lasse zu wünschen übrig.

Analystin Anke Reingen vom der Investmentbank RBC bestätigte derweil die Anleger in ihren Sorgen um die letztlich entscheidende Umsetzung der Pläne. Die Gefahr, dass dies nicht wie erhofft gelinge, erscheine höher als ursprünglich gedacht, so die Expertin. Auch Jon Peace von der Credit Suisse hält weiter Zurückhaltung für angebracht.

rei/ak mit Reuters

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