Sonntag, 13. Oktober 2019

Aktie nahe Rekordtief Deutsche Bank Aktie stürzt unter 6 Euro

Krise ohne Ende: Commerzbank und Deutsche Bank notieren nahe Rekordtief
Boris Roessler/ picture alliance/ DPA
Krise ohne Ende: Commerzbank und Deutsche Bank notieren nahe Rekordtief

Die Niedrigzinspolitik der EZB, Alarmsignale vom US-Bondmarkt sowie die Angst vor einer Rezession in Deutschland haben die Aktien der beiden größten deutschen Finanzhäuser Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen weiter in die Tiefe gedrückt. Die Aktie der Deutschen Bank setzte am Donnerstag ihren Kursrutsch fort und fiel zeitweise unter die Marke von 6 Euro je Aktie. Zuletzt gab die Aktie der Deutschen Bank 2,1 Prozent auf 5,90 Euro nach - damit notiert sie nur noch knapp über ihrem Rekordtief, das sie im Juni bei 5,81 Euro erreicht hatte. Binnen vier Handelstagen hat die Aktie der Deutschen Bank rund 15 Prozent eingebüßt.

Auch die zwischenzeitliche Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA konnte der Deutschen Bank nicht nachhaltig helfen. Am Donnerstag gehörte sie mit einem Minus von knapp zwei Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Zusätzlich zu den internen Problemen der Bank, die sich mitten im Umbau befindet, kommen jetzt Probleme im Kredit- und Einlagengeschäft hinzu.

Bald Strafzinsen für Bankkunden?

Die Nullzinspolitik der EZB belastet seit langem das Einlagengeschäft der Banken. Beobachter gehen davon aus, dass EZB-Chef Draghi die Geldpolitik weiter lockern wird - mit negativen Folgen für die Banken. Eine steigende Zahl von Bankkunden muss womöglich bald Strafzinsen auf Einlagen zahlen. "Es könnte sein, dass viele Banken auf Dauer nicht mehr umhinkönnen, die zusätzlichen Belastungen auch in der Breite an Privatkunden weiterzugeben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Krautscheid.

Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins im September von minus 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent weiter absenken könnte. Krautscheid zufolge schlägt schon heute der Strafzins, den die Banken bei der EZB für das Parken von Geldanlagen bezahlen müssen, bei den deutschen Geldhäusern mit rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr zu Buche.

Alarmsignal vom US-Anleihemarkt

Beunruhigende Signale kommen auch vom US-Anleihemarkt. Dort hat die Rendite der zweijährigen Anleihe die Rendite der zehnjährigen Bonds überschritten. Eine solche "inverse Zinskurve" ist selten, sie gilt als Hinweis auf eine nahende Rezession. Vor diesem Hintergrund gerieten die Aktien von US-Banken unter Druck, weil diese sogenannte "inverse Zinskurve" es ihnen erschwert, mit Krediten und Investitionen in Anleihen Geld zu verdienen. Der Zinssatz zahlreicher Darlehen orientiert sich außerdem an den Bondrenditen.

Auch Commerzbank nahe Rekordtief

Am Montag war bereits die im MDax notierte Aktie der Commerzbank Börsen-Chart zeigen bei 5,08 Euro auf den tiefsten Stand ihrer Börsengeschichte gefallen. Bei der Deutschen Bank kommen zu der Aussicht auf noch niedrigere Zinsen die Zweifel dazu, ob das neue Geschäftsmodell der Krisen-Bank wirklich tragfähig ist. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat das Investmentbanking drastisch gestutzt und den größten Stellenabbau in der Geschichte der Deutschen Bank eingeleitet.

Deutsche-Bank-Chef Sewing: Der Tatort-Reiniger

Der Umbau der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen vollzieht sich in schwieriger Zeit: Der Branchenindex Stoxx Europe 600 für Banken notiert aktuell auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Während die US-Banken bestens verdienen und die Folgen der von den US-Finanzinstituten verursachten Finanzkrise inzwischen abgebaut haben, kämpfen die europäischen Banken noch immer mit den Folgen der Krise, mit faulen Krediten und mit den Folgen der Nullzins-Politik der EZB.

Nicht zuletzt wegen der globalen Handelsstreitigkeiten dürften die großen Notenbanken die Leitzinsen niedrig halten - oder die Geldpolitik sogar noch mehr lockern. Niedrige Kapitalmarktzinsen erschweren den Geldhäusern die Geschäfte im Handel mit festverzinsten Wertpapieren, eine schwache Konjunktur bremst zudem die Kreditnachfrage. Auch drohen im im Falle einer Konjunkturkrise vermehrt Ausfälle von bereits vergebenen Krediten. Bundesanleihen beispielsweise werfen mittlerweile über alle Laufzeiten hinweg negative Renditen ab.

Hinz kommen diverse politische Risiken, die den Bankensektor belasten: Dazu zählen Sorgen von Investoren über eine Abwertungsspirale im globalen Devisenhandel sowie der Bruch der Regierungskoalition in Italien. Auch die zunehmenden politischen Proteste in Hongkong lassen die Angst vor einem militärischen Einschreiten Chinas steigen.

la/dpa/mmo

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung