Lachender Dritter im Investment-Clash Der Hedgefonds, der mit Gamestop 700 Millionen Dollar machte

Kleinanleger trieben im Januar den Gamestop-Aktienkurs in die Höhe und ließen viele Hedgefonds bluten - aber längst nicht alle. Kaum ein Investor dürfte an dem Hype so viel verdient haben wie Senvest Management aus New York.
Spielball wilder Börsenspekulation: Die Gamestop-Aktie flog einmal zum Mond und ist nun auf dem Rückweg

Spielball wilder Börsenspekulation: Die Gamestop-Aktie flog einmal zum Mond und ist nun auf dem Rückweg

Foto: John Minchillo / AP

Ein Kampf Kleinanleger gegen Hedgefonds, bei dem die Profis zum Großteil den Kürzeren zogen, so wurde der Hype der Gamestop-Aktien in den vergangenen Tagen meist beschrieben. Doch das stimmt nicht ganz. Auch aufseiten der Hedgefonds gab es durchaus Gewinner in den Börsenturbulenzen um den US-Videospielehändler, dessen Aktienkurs zu Beginn dieses Jahres binnen Wochen um deutlich mehr als 1000 Prozent stieg - und der inzwischen wieder stark zurückgefallen ist.

Einer der Profiteure der Kurshausse war beispielsweise die New Yorker Investmentfirma Senvest Management: Das Unternehmen begann bereits 2020, in Gamestop-Aktien zu investieren, und machte im Januar einen Profit von 700 Millionen Dollar mit diesen Anlagen, schreibt das "Wall Street Journal" .

Bemerkenswert: Die Senvest-Manager Richard Mashaal und Brian Gonick ließen sich offenbar weniger von spekulativen Motiven leiten als vielmehr vom tatsächlichen Glauben an den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Bereits im Januar 2020 hätten sie seine Präsentation des neuen Gamestop-Chefs verfolgt, so das "WSJ". Zu einer Zeit also, als die meisten Analysten skeptisch waren und das Papier bestenfalls auf "halten" gesetzt hatten. Ebenso bemerkten die Senvest-Lenker, dass Gamestop von Hedgefonds-Kollegen erheblich "geshortet" wurde, sprich: Die Konkurrenz wettete zum Großteil auf einen Kursverfall des Papiers.

Nicht so jedoch Mashaal und Gonick. Die beiden ließen sich vom Gamestop-Management überzeugen und begannen, Papiere des Unternehmens zu erwerben. Bis Ende Oktober 2020 besaßen sie mehr als 5 Prozent der Gamestop-Anteile, die sie im Schnitt für weniger als zehn Dollar erworben hatten.

Geschäftspraxis von Brokerfirmen in der Kritik

Der Rest ist, so könnte man beinahe sagen, Geschichte: Um die Jahreswende setzte ein Hype um die Gamestop-Aktie ein. Im Rahmen einer neuartigen Entwicklung, bei der soziale Medien wie die Plattform Reddit eine wichtige Rolle spielen , organisierten Privatanleger im großen Stil Käufe der Aktie. So trieben sie den Kurs in die Höhe und zwangen Hedgefonds, die Short-Positionen teilweise schließen mussten, zu Notkäufen - was den Aktienkurs von Gamestop zusätzlich antrieb.

In der Spitze stieg das Papier, das zu Jahresbeginn noch für weniger als 20 Dollar zu haben war, auf einen Kurs von beinahe 350 Dollar. Inzwischen ist der Gamestop-Kurs auf rund 92 Dollar wieder deutlich gesunken. Verschiedene Hedgefonds wie etwa Melvin Capital haben dabei empfindliche Verluste erlitten, weil sie mit Leerverkäufen auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Für Mashaal und Gonick dagegen brachte der gewaltige Kursanstieg den besagten Profit von rund 700 Millionen Dollar - so viel, wie laut "WSJ" kaum jemand anderes mit dem Papier verdient haben dürfte. "Als die Bewegung begann, dachten wir, hier tut sich was", sagte Mashaal der Zeitung. "Aber wir hatten keine Ahnung, wie verrückt sich das entwickeln würde."

Möglich wurde der Gamestop-Hype indes unter anderem aufgrund einer Praxis, die insbesondere im US-Geldanlagemarkt üblich, aber ebenso umstritten ist: Brokerfirmen wie Charles Schwab, Robinhood oder ETrade verkaufen die Orders ihrer Kunden für gutes Geld an Hochgeschwindigkeits-Handelsfirmen, die die Käufe von Aktien oder Optionsscheinen dann ausführen. Diese Einnahmequelle, so berichtet ebenfalls das "Wall Street Journal" , ist eine wichtige Grundlage dafür, dass die Broker gegenüber Privatanlegern so kostengünstige Offerten machen können, wie sie es in den letzten Jahren taten. Dadurch floss noch einmal deutlich mehr Kapital von Privatanlegern in die Märkte, und private Investoren haben ebenso geringere Hemmschwellen, eine Vielzahl von Transaktionen durchzuführen - es kostet sie ja kaum Geld.

Der aktuelle Disput zwischen Hedgefonds und Kleinanlegern, die sich über soziale Medien organisieren, wäre ohne diesen Hintergrund wohl kaum in dem Maße aufgeflammt. Laut "Wall Street Journal" gibt es in den USA daher inzwischen Stimmen, die Aufsichtsbehörden auffordern, dem Verkauf von Orders durch Brokerfirmen ein Ende zu setzen.

cr
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