Größter deutscher Börsengang des Jahres Delivery Hero gelingt Börsendebüt

Delivery Hero: Wackeliges Börsendebüt

Delivery Hero: Wackeliges Börsendebüt

Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero  (Lieferheld, Pizza.de, Foodora) hat es spannend gemacht zum Börsenstart und seinen Anlegern am ersten Handelstag einige Nervenstärke abverlangt. Der erste Kurs lag am Freitagmorgen bei 26,90 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. Zwischenzeitlich fiel das Papier aber bis auf 25,26 Euro zurück; dann zog die Aktie jedoch wieder an und beendete den ersten Handelstag auf dem System Xetra bei 27,80 Euro. Mit Hilfe der Konsortialbanken, die den Kurs in den ersten Tagen in der Regel stützen, konnten Zeichner des Papiers den ersten Handelstag mit einem deutlich Kursplus beenden.

Die Nervosität der Investoren hat jedoch seit Mittwoch deutlich zugenommen, entsprechend stark schwanken die Aktien der Börsenneulinge. Die Aktien der Restaurantkette Vapiano , die am Dienstag an die Börse gegangen war, rutschten zwischenzeitlich ebenfalls kurzzeitig unter ihren Ausgabekurs.

Delivery-Hero-Firmenchef Niklas Östberg läutete zum Auftakt die Glocke im Handelssaal der Frankfurter Börse. Es ist hierzulande der bislang größte Börsengang des Jahres. Das erst sechs Jahre junge Unternehmen sammelte bei seinem Sprung aufs Parkett annähernd eine Milliarde Euro ein. Gut die Hälfte davon geht an die Alteigentümer, insbesondere an Hauptaktionär Rocket Internet.

Mit einem Volumen von 996 Millionen Euro ist das 2011 gegründete Startup-Unternehmen der bisher größte Börsengang des Jahres in Deutschland. Der größte Aktionär Rocket Internet  hält nun noch 25,7 Prozent, 22,7 Prozent der Aktien sind im Streubesitz. Beim Technologie-Investor Naspers aus Südafrika liegen 10,6 Prozent.

Bewertung mit 4,4 Milliarden Euro - Firma erlöst rund 1 Milliarde Euro

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Hungry Eyes: Kampf der Essensdienste

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Das erst sechs Jahre junge Unternehmen sammelte bei seinem Sprung aufs Parkett annähernd eine Milliarde Euro ein. Knapp die Hälfte davon fließt in die eigene Kasse; der Großteil geht indes an die Alteigentümer, insbesondere an Hauptaktionär Rocket Internet . Der Börsengang war mehrfach überzeichnet. Zuletzt war aber Unsicherheit in den Gesamtmarkt gekommen. Zudem beschäftig Delivery Hero derzeit eine Auseinandersetzung mit dem Konkurrenten Lieferando. Deren Mutter und Delivery-Konkurrent ging bereits im September 2016 in den Niederlanden an die Börse.

Dann ist noch die Unzufriedenheit nicht weniger Mitarbeiter bei den vielen Firmen, an denen Delivery beteiligt ist. Erst am Mittwoch hat die Gewerkschaft FAU einmal mehr gegen die Arbeitsbedingungen bei der Delivery-Tochter Foodora und Konkurrent Deliveroo demonstriert. Die Lieferdienste sollen die Kosten für Arbeitsmittel - Fahrräder und Handys - übernehmen. Außerdem gebe es zu wenig Schichten für zu viele Fahrer. Zwar verdienen diese laut Foodora mit neun bis elf Euro etwas mehr als es der gesetzliche Mindestlohn verlangt. Trotzdem kämen viele im Monat kaum über 500 Euro, entgegnet FAU-Sprecher Clemens Melzer: "Die Fahrer stehen in ständiger Konkurrenz miteinander." Die Lieferdienste auch, schließlich geht es für die Essenszusteller um viel Geld ...

Zahlreiche Konkurrenten wetteifern um 80-Milliarden-Markt

Einer McKinsey-Studie zufolge setzt die weltweite Branche derzeit mehr als 80 Milliarden Euro im Jahr um - Tendenz eindeutig steigend. Eine Summe, um die sich eine Handvoll internationaler Schwergewichte wie Just Eat aus Großbritannien und Grubhub aus den USA (beide ebenfalls börsennotiert) und eben auch Delivery Hero reißen.

Mit von der Liefer-Partie wollen auch der Fahrdienstvermittler Uber mit UberEats sowie die Tausendsassa-Konzerne Amazon und Facebook sein. So können Amazon-Prime-Kunden in einigen Städten der USA und in London mittlerweile Pizza und Pasta über das "Restaurants"-Tool bestellen. Bei Facebook nennt sich dieselbe Funktion "Order Food" und wird derzeit in den USA getestet.

Beschwerlicher Weg in die schwarzen Zahlen

Trotz des Booms hat Delivery Hero die Schwelle zur Profitabilität noch nicht überschritten. Zwar konnte der Bringdienst seinen Umsatz im vergangenen Jahr fast verdoppeln. Unterm Strich stand aber dennoch ein Minus von fast 200 Millionen Euro.

Der beschwerliche Weg in die schwarzen Zahlen ist vor allem dem enormen Expansionshunger von Delivery Hero geschuldet. Allein zwischen 2014 und 2016 hatte die Gruppe 30 verschiedene Tochtergesellschaften zugekauft. Mit dem frischen Aktionärsgeld soll das Geschäft weiter ausgebaut werden.

Nach Auffassung von Tobias Göbbel, Partner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger, bleibt dem Unternehmen derzeit auch gar nichts anderes übrig. "Diesen Trend erleben wir oft in jungen Märkten", erklärt er. "Noch geht es einzig um die Frage, wer am Ende mehr Masse hat." Denn nur mit der Größe, so Göbbel, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, profitabel zu werden.

la/rei/dpa/dpa-afx
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