Essenslieferant Deliveroo strebt Börsenwert von mehr als zehn Milliarden Euro an

Der Essenslieferdienst Deliveroo hat die Preisspanne für seinen geplanten Börsengang in London festgelegt. Demzufolge könnte der Sprung auf das Parkett einer der größten Börsengänge der vergangenen Jahre werden.
Ständig unterwegs: In Großbritannien fährt Deliveroo noch das Gros seiner Umsätze ein

Ständig unterwegs: In Großbritannien fährt Deliveroo noch das Gros seiner Umsätze ein

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

Der britische Essenslieferdienst Deliveroo strebt bei seinem Börsengang in London einen Börsenwert von bis zu 8,8 Milliarden Pfund (10,25 Milliarden Euro) an. Das wäre deutlich mehr als jene rund sechs Milliarden Euro Börsenwert, von dem Experten in den vergangenen Wochen gesprochen hatten. Deliveroo veröffentlichte am Montag die Preisspanne, in der die Aktien verkauft werden sollen: Pro Anteilsschein will Deliveroo demnach zwischen 3,90 Pfund und 4,60 Pfund (5,35 Euro) verlangen. Das Unternehmen will eine Milliarde Pfund über die Ausgabe neuer Aktien einnehmen, wie es bereits vor gut einer Woche berichtete.

Das Unternehmen hatte den Börsengang Anfang März angekündigt, er wird wahrscheinlich im April über die Bühne gehen. Deliveroo nannte auch am Montag noch kein Datum.

Ausgeben will der Essenslieferdienst zwei Arten von Aktien: Typ A für den Verkauf an Anleger und Typ B ausschließlich für den Gründer und Chef des Unternehmens, Will Shu (41). Jede Aktie vom Typ B gewährt demnach 20 Stimmen - damit will Shu die Kontrolle über den Kurs von Deliveroo behalten.

Deliveroo schreibt weiter Verluste

Shu hatte Deliveroo im Jahr 2013 in London gegründet und war schnell auch in andere Länder expandiert. In Deutschland war der Dienst im April 2015 gestartet und hatte sein Geschäft hierzulande im August 2019 überraschend beendet. Das Unternehmen macht nach wie vor Verlust, konnte ihn aber von 317 Millionen Pfund 2019 auf knapp 224 Millionen Pfund 2020 reduzieren.

Deliveroo hat nach eigenen Angaben gut 2000 Mitarbeiter und arbeitet in zwölf Märkten mit mehr als 100.000 selbstständigen Auslieferern in 800 Städten weltweit zusammen. Im vergangenen Jahr hat das abgewickelte Bestellvolumen um nahezu zwei Drittel auf 4,1 Milliarden Pfund zugelegt, gut die Hälfte des Geschäfts machte das Unternehmen dabei in Großbritannien und Irland. Der Umsatz aus dem Tagesgeschäft kletterte um 57,5 Prozent auf 1,2 Milliarden Pfund.

Lieferdienste gelten als Gewinner der Corona-Krise mit Lockdowns und Restaurantschließungen. Doch auch der in den Dax aufgestiegene Konzern Delivery Hero hat im vergangenen Jahr trotz einer Verdoppelung der Erlöse weiter Verluste geschrieben. Das wohl bislang spektakulärste Börsendebüt eines Essenslieferanten legte im vergangenen Dezember Doordash in den USA hin.

rei/AFP, dpa-afx