Essenslieferdienst Deliveroo zahlt Fahrern bis zu 10.000 Pfund Prämie zum Börsengang

Essenslieferdienste bezahlen ihre Fahrer oft schlecht. Zum Börsengang will Deliveroo seinen Ruf aufpolieren und erfolgreiche Fahrer am Erlös beteiligen. Zugleich sind für Kunden Anteile in Höhe von 50 Millionen Pfund reserviert.
Schwer bepackt, schlecht bezahlt: Deliveroo lobt Prämien für erfolgreiche Fahrer zum Börsengang aus

Schwer bepackt, schlecht bezahlt: Deliveroo lobt Prämien für erfolgreiche Fahrer zum Börsengang aus

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Der Online-Lieferdienst Deliveroo will seine Fahrer am Erlös des Börsengangs beteiligen. Insgesamt sind dafür 16 Millionen Pfund (18,6 Millioinen Euro) eingeplant, wie die Sender BBC und Sky News am Sonntag berichteten. Erfolgreiche Auslieferer, die seit mindestens einem Jahr für das Unternehmen arbeiten, sollten Prämien zwischen 200 und 10.000 Pfund (zwischen 277 und 13.850 Dollar) erhalten.

Außer institutionellen Anlegern sollen auch Kunden von diesem Montag an Aktien im Wert von bis zu 1000 Pfund erwerben können. Für sie sind insgesamt Anteile von 50 Millionen Pfund vorgesehen. Treue Kunden würden bevorzugt, wenn das Angebot überzeichnet sei.

"Viel zu oft sind normale Menschen von Börsengängen ausgeschlossen"

Deliveroo-Chef Will Shu

"Viel zu oft sind normale Menschen von Börsengängen ausgeschlossen, und die einzigen Teilnehmer sind die institutionellen Investoren", sagte Deliveroo-Chef Will Shu. "Ich wollte möglichst vielen Kunden die Chance geben, Aktionäre zu werden."

Deliveroo steht wie auch andere Lieferdienste wegen schlechter Bezahlung seiner Fahrer in der Kritik. Das Unternehmen hatte angekündigt, in London an die Börse zu gehen. Der Börsenwert des 2013 gegründeten Unternehmens wird auf mindestens 7 Milliarden Dollar taxiert. Es wäre das größte Börsendebüt in Großbritannien seit drei Jahren.

Deliveroo konkurriert unter anderem mit Just Eat Takeaway.com, das an der Börse umgerechnet rund 14 Milliarden Dollar wert ist. Beim Debüt will Deliveroo zwei Aktiengattungen an die Börse bringen, um Mitgründer und Firmenchef Shu für drei Jahre mehr Kontrolle über das Unternehmen zu gewähren. Deshalb kann Deliveroo, an dem Amazon mit etwa 16 Prozent beteiligt ist, zunächst nicht in den britischen Auswahlindex FTSE  einziehen.

Deliveroo erwirtschaftet noch keine Gewinne

Zwischenzeitlich war das für seine türkisfarbenen Warmhalteboxen bekannte Unternehmen auch in Deutschland tätig, zog sich aber bereits 2019 angesichts des scharfen Wettbewerbs wieder zurück. Deliveroo hat bisher noch keinen Gewinn gemacht. Für 2019 meldete das Unternehmen zwar einen deutlichen Umsatzsprung um 62 Prozent auf 771,7 Millionen Pfund. Der Vorsteuerverlust stieg aber zugleich von 243,3 Millionen auf 317,7 Millionen Pfund.

Lieferdienste gelten als Gewinner der Corona-Krise mit Lockdowns und Restaurantschließungen. In Deutschland gelang Delivery Hero der Sprung in den Leitindex Dax. Die drastisch gestiegenen Umsätze der Branche und der Hype um die Unternehmen sind indes keineswegs eine Garantie für Gewinne. Delivery Hero konnte im vergangenen Jahr zwar die Erlöse fast verdoppeln, schrieb aber weiter Verluste.

Das wohl bislang spektakulärste Börsendebüt eines Essenslieferanten legte im vergangenen Dezember Doordash in den USA hin. Am ersten Handelstag verdoppelte sich der Wert der Aktien mit 196 Dollar nahezu und schraubte die Bewertung von Doordash auf rund 70 Milliarden Dollar hoch.

rei/dpa-afx/Reuters
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