Börse Dax beendet extremes erstes Halbjahr

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag von guten Stimmungsdaten aus der chinesischen Industrie etwas Auftrieb erhalten. Aktien von Wirecard sind auch heute Spielball der Spekulanten: Die Aktie schwankt zwischen 4 und 8 Euro. Im Fokus stehen zudem Papiere der Varta AG.
Dax-Kurve in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main

Dax-Kurve in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Kursgewinne zum Quartalsende: Der Dax  hat am Dienstag einen Schlussspurt hingelegt. Der Leitindex kletterte kurz vor Handelsende bis auf 12 350 Zähler, um dann mit plus 0,6 Prozent bei 12 310 Punkten ins Ziel zu gehen. Für den MDax  der mittelgroßen Börsenwerte ging es um 0,67 Prozent auf 25 840 Zähler hoch.

Damit endete zugleich ein extremes erstes Börsenhalbjahr 2020, das geprägt war von der Corona-Pandemie. Im März stürzten die Weltbörsen ab, doch schon im April ging es wieder steil nach oben. Die Bilanz für den Dax  nach den ersten sechs Monaten des Jahres ist negativ, jedoch hat sich der Index von dem Schock der ersten Corona-Welle bereits wieder erholt: Das Minus für das erste Halbjahr beläuft sich auf 7,1 Prozent. Im Monat Juni steht jedoch bereits wieder ein Plus von 6,2 Prozent auf dem Dax-Kurszettel.

Positive Konjunkturdaten aus China stützten den Index. Im Reich der Mitte hat sich die Lage der großen und staatlich kontrollierten Industriekonzerne im Juni - gemessen am Einkaufsmanagerindex - überraschend gebessert. "

Wirecard schwanken zwischen 4 und 9 Euro

Wild hin und her geht es auch am Dienstag für die Aktien von Wirecard (Kurswerte anzeigen). Sie schnellten zeitweise hoch auf über neun Euro, zuletzt gaben sie einen Großteil der Gewinne wieder ab und notierten bei 5,50 Euro. Das Papier des von einem Bilanzskandal erschütterten Zahlungsdienstleisters wird immer mehr zum kurzfristigen Spekulationsobjekt. Zuvor hatten sie binnen weniger Handelstage fast 99 Prozent eingebüßt und waren zeitweise auf dem Weg zum Pennystock.

Wall Street: Dow Jones dreht ins Plus, Nasdaq legt zu

Die steigenden Coronavirus-Infektionszahlen in den USA haben die Rally an der Wall Street am Dienstag gebremst. Während der Dow Jones  zum Start um 0,5 Prozent nachgab und anschließend wieder leicht ins Plus drehte, baute der Nasdaq Composite  zuletzt seine Gewinne auf 1,1 Prozent aus.

Dow und S&P notierten aber dennoch 17 beziehungsweise 18 Prozent über ihren Niveaus von Anfang April und steuerten auf den größten Quartalsgewinn seit 22 Jahren zu. Der Nasdaq gewann rund 27 Prozent und markierte im Juni ein Rekordhoch. Für ihn wäre es das größte Plus seit 2001.

Die Erwartungen an die Erholung der Wirtschaft von den Pandemie-Folgen seien überzogen und die Aktienbewertungen ebenso, kritisierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Die Infektionsfälle in Arizona, Texas und Florida steigen weiter und scheinen außer Kontrolle. Ein kurzer, deutlicher Kursrückschlag ist daher eine sehr reale Möglichkeit."

Bei den Aktienwerten standen Micron  und Xilinx im Rampenlicht, nachdem beide Chip-Hersteller ihre Geschäftsziele hochgeschraubt hatten. Micron werde voraussichtlich weiter vom Trend zu Homeoffice und Online-Unterricht profitieren, prognostizierte Analyst Abhinav Davuluri vom Research-Haus Morningstar. Xilinx sei ein Nutznießer des Aufbaus von Mobilfunknetzen nach dem neuen 5G-Standard, schrieb Analyst Mark Lipacis von der Investmentbank Jefferies. Micron-Titel stiegen um 4,7 Prozent, Xilinx um 5,3 Prozent.

Varta-Aktie gefragt

Hohe Subventionen für Projekte rund um Batteriezellen trieben die Papiere von Varta (Kurswerte anzeigen) über die Marke von 100 Euro. Die bereits tags zuvor stark gelaufenen Aktien sprangen um 5,9 Prozent auf 102,50 Euro auf das höchste Niveau seit Januar. Insgesamt 300 Millionen Euro des Bundes und der Länder sollen an den Varta-Standorten Ellwangen und Nördlingen in die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie "erste industrielle Anwendung" fließen.

Die Aktien von Thyssenkrupp (Kurswerte anzeigen) stiegen nach erneuten Spekulationen über die Zukunft der Stahlsparte um 1,1 Prozent. Laut einem Pressebericht lotet der Industriekonzern die Chancen für einen Stahl-Deal mit der schwedischen SSAB aus. Börsianer zeigten sich allerdings wenig überrascht von solch vagen Spekulationen. So hatte die Thyssen-Chefin Martina Merz erst zuletzt erklärt, dass beim Stahlgeschäft erneut "alle Optionen" geprüft würden.

Die Aktien von Ströer (Kurswerte anzeigen) stiegen um 3,6 Prozent, nachdem die Schweizer Großbank UBS für die Papiere des Anbieters von Außenwerbung eine Kaufempfehlung ausgesprochen hatte.


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Tokioter Börse folgt US-Vorgaben ins Plus

Nach Verlusten zu Wochenbeginn haben die asiatischen Börsen am Dienstag wieder mehrheitlich nach oben gedreht. Neben Gewinnen an den US-Börsen sorgten besser als erwartet ausgefallene chinesische Konjunkturdaten für Entspannung. Am Montag hatten noch rasant steigende weltweite Zahlen von Corona-Neuinfektionen belastet.

In China verbesserte sich die Lage der großen und staatlich kontrollierten Industriekonzerne im Juni. Der Einkaufsmanagerindex stieg um 0,3 Punkte auf 50,9 Zähler, wie die Regierung in Peking mitteilte. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet. Damit deutet dieser Indikator weiter auf eine Expansion der Industrieproduktion hin. Die Zahl kam an den Börse gut an. Marktstratege Stephen Innes vom Broker Axi Trader stufte sie in einer Einschätzung als Beleg dafür ein, dass die Erholung der Weltwirtschaft auf gutem Weg sei.

Ein Risiko bleibt allerdings das Sicherheitsgesetz von China für Hongkong. "Entscheidend wird jetzt sein, wie dieses Gesetz umgesetzt wird und wie sich die USA gegenüber China verhalten werden", schrieb Analyst Thomas Altmann vom Broker QC Partner in einem Kommentar. "Dieses Gesetz hat das Potential, die Beziehungen zwischen den USA und China weiter zu verschlechtern. Und dann könnte das Gesetz auch einen unmittelbaren Einfluss auf die Aktienkurse haben."

Der japanische Leitindex Nikkei  schloss mit einem Gewinn von 1,3 Prozent auf 22.288,14 Punkte, In Hongkong verlor der Leitindex Hang Seng  dagegen zuletzt 0,09 Prozent auf 24.278,69 Zähler und litt damit weiterhin unter dem umstrittenen Sicherheitsgesetz. An den chinesischen Festlandsbörsen legte der CSI im späten Handel indes um 0,95 Prozent auf 4148,94 Punkte zu. Der CSI enthält die 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen.


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Euro wenig verändert

Der Euro (Kurswerte anzeigen)hat sich am Dienstag zunächst nur wenig bewegt. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung zu 1,1237 US-Dollar gehandelt und damit nahezu zum gleichen Kurs wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1284 Dollar festgesetzt.

An den Finanzmärkten herrschte am Morgen eine generell freundliche Stimmung, die auch den Euro im frühen Handel stützte. Unter Druck geriet hingegen der japanische Yen, der im Handel mit allen anderen wichtigen Währungen nachgab. Der Yen gilt als sicherer Anlagehafen. Wegen besser als erwartet ausgefallener Konjunkturdaten aus China machten die Investoren einen Bogen um die japanische Währung, während der Kurs des australischen Dollar zulegen konnte. Australien ist ein führender Rohstofflieferant und damit wichtiger Handelspartner Chinas.

Ölpreise sinken

Die Ölpreise sind am Dienstag gesunken. Die Notierungen gaben aber nur leicht nach, nachdem sie zum Wochenauftakt von US-Konjunkturdaten profitiert hatten und kräftig gestiegen waren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) kostete am Morgen 41,52 US-Dollar. Das waren 19 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls geringfügig um 18 Cent auf 39,52 Dollar.

Zu Beginn der Woche hatten überraschend solide Daten vom US-Immobilienmarkt für Auftrieb bei den Ölpreisen gesorgt. Dagegen konnten die Konjunkturdaten aus China am Dienstagmorgen zunächst keinen weiteren Auftrieb verleihen. Beobachter sprachen von einer leichten Gegenbewegung am Ölmarkt.

Mit Nachrichtenagenturen