Bärenmarkt an der Börse Deutscher Aktienmarkt jetzt in einer Liga mit Nigeria

Im Zeichen des Bären: Die Aktienkurse sind in Deutschland stärker abgerutscht als in Frankreich oder Großbritannien

Im Zeichen des Bären: Die Aktienkurse sind in Deutschland stärker abgerutscht als in Frankreich oder Großbritannien

Foto: A3502 Horst Ossinger/ dpa

Es wird immer deutlicher: Die Lage an den Weltbörsen ist übel - aber am hiesigen Aktienmarkt ist sie besonders übel. Nachdem es mit dem Leitindex Dax  am Donnerstag erneut abwärts ging, hat er in diesem Jahr insgesamt bereits rund 20 Prozent verloren. Das ist viel mehr als beispielsweise die Verluste der Börsen in Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz. Auch der Dow Jones  in New York kam mit einem Verlust von rund 9 Prozent seit Anfang Januar glimpflicher davon.

Der deutsche Aktienmarkt, der im vergangenen Jahr noch zu den Favoriten der Investoren zählte, ist damit in einer neuen Wirklichkeit angekommen: Gemessen an den Kursverlusten spielt er 2016 plötzlich in einer Liga mit den Börsen in Nigeria oder der Ukraine, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vorrechnet. Kein einziger der 30 Dax-Werte befindet sich im laufenden Jahr noch im grünen Bereich. Gegenüber dem Hoch im April 2015 hat der Index bereits rund 30 Prozent an Wert eingebüßt.

Es gibt zwar Börsen, an denen es seit Anfang Januar noch rasanter abwärts ging. Die befinden sich aber beispielsweise in Shanghai und Athen, was kein besonders guter Trost ist.

Hauptgrund für die enorme Underperformance der hiesigen Börse dürfte die besondere Bedeutung Chinas für die deutsche Wirtschaft sein. Hiesige Maschinen- und Autobauer stützen sich stärker auf das Geschäft in Fernost als viele ihrer Konkurrenten im Ausland - entsprechend groß sind angesichts der Konjunkturschwäche Chinas die Kursverluste ihrer Aktien. Allein die Autobauer Daimler , BMW  und Volkswagen  haben 2016 bereits Kursverluste von jeweils weit über 20 Prozent zu verzeichnen.

Hinzu kommt der enorm niedrige Ölpreis, der ebenfalls die Sorge um die Stabilität der Weltwirtschaft schürt, weil er wichtigen Ölförderländern zu schaffen macht, sowie die unvorteilhafte Entwicklung des Euros.

Wichtige Zeichen für weitere Verluste

Im vergangenen Jahr erhielt die exportstarke deutsche Wirtschaft von dieser Seite noch Rückenwind: Der Euro  verlor beispielsweise gegenüber dem Dollar an Wert, was deutsche Produkte im Ausland günstiger machte. 2016 geht die Entwicklung bislang jedoch in die andere Richtung: Der Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung hat seit Jahresanfang kräftig zugelegt - mit dem entsprechenden Negativeffekt auf den deutschen Außenhandel.

Und dann sind da noch einzelne Papiere im Dax, die ihre ganz eigene Tragödie erleben. Bestes Beispiel ist die Aktie der Deutschen Bank , der mit minus 40 Prozent größte Verlierer im Leitindex in diesem Jahr. Zu den individuellen Problemen des Instituts - Ertragsschwäche, Konzernumbau, unklare Aussichten - kommen Sorgen, die sich Investoren zum Bankensektor generell machen. Auch die Commerzbank-Aktie sowie Papiere anderer Geldhäuser gerieten europaweit unter Druck, weil die Anleger Kreditausfälle befürchten.

Kein Wunder also, dass sich Investoren bei dem Gesamtbild abwenden. Laut Bloomberg haben Anleger aus den größten Dax-Indexfonds in diesem Monat Geld abgezogen, darunter allein 360 Millionen Euro aus dem iShares MSCI Germany ETF. Das sei der größte Abfluss aus dem Fonds seit August vergangenen Jahres, heißt es.

Die Folge: Der Dax ist inzwischen auf ein Bewertungsniveau gerutscht, auf dem nach Ansicht manches Marktstrategen langfristig orientierte Investoren bereits wieder über Käufe nachdenken können. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis betrage derzeit 11,2, so Bloomberg. Damit sei es etwa 20 Prozent niedriger als im europaweiten Stoxx Europe 600 Index.

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Börsenjahr 2016: Die Gewinner und Verlierer im Dax

Foto: Boris Roessler/ dpa

Andererseits haben die Verluste aber auch dazu geführt, dass im Kurschart des Dax die Linie des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts unterschritten wurde. Die Linie gilt als wichtige Orientierung ebenfalls für langfristige Anleger - notiert der Index darunter, bedeutet das in der Regel zusätzlichen Verkaufsdruck. Es scheint daher gut möglich, dass die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt noch ein wenig weitergeht.

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