Börse Dax schließt vor Fed-Entscheidung im Plus

Der Dax schließt am Mittwoch knapp im Plus. Eine Zinserhöhung in den USA ist eingepreist. Auch die Indizes in den USA starten einen Stabilisierungsversuch.
Zitterkurve des Dax: Nach seinem jüngsten Kursrutsch dreht der Dax leicht ins Plus. Die Zinserhöhung der Fed heute Abend scheint inzwischen eingepreist zu sein

Zitterkurve des Dax: Nach seinem jüngsten Kursrutsch dreht der Dax leicht ins Plus. Die Zinserhöhung der Fed heute Abend scheint inzwischen eingepreist zu sein

Foto: DANIEL ROLAND / AFP

Erholungsversuch: Der Dax reduzierte am Mittwochvormittag seine Anfangsverluste und drehte bis zum Nachmittag sogar ins Plus. Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) notierte der Dax 0,8 Prozent im Plus bei 12.768 Zählern. Das Tagestief hatte am Morgen bei 12.520 Zählern gelegen. Für Unsicherheit sorgt nicht nur die für 20 Uhr MEZ erwartete US-Zinsentscheidung am Abend, sondern auch, dass Russlands Diktator Wladimir Putin eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte angeordnet hat. Der EuroStoxx 50  schloss leicht fester. Auch der MDax schaffte es zur Wochenmitte in die Gewinnzone - der Index der mittelgroßen Unternehmen legte um 0,62 Prozent auf 23 908,00 Zähler zu. In den USA notierten Dow Jones und Nasdaq im frühen Handel jeweils um 0,5 Prozent im Plus.

An der Börse gilt als sicher, dass die Notenbank Fed ihren Leitzins am Abend zum dritten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte anhebt. Einige Investoren halten sogar einen Schritt von einem vollen Prozentpunkt für möglich. Die Entscheidung wird um 20 Uhr MESZ bekanntgegeben.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

"Selbst ein historischer Zinsschritt von einem vollen Prozentpunkt allein würde morgen wohl keinen Crash am Aktienmarkt auslösen", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Die so geschaffenen Fakten könnten sogar eine kleine Rally auslösen." Für fast noch wichtiger als die Zinsentscheidung selbst halten Experten den geldpolitischen Ausblick der US-Notenbank. "Die Fed muss zumindest die Bedingungen klären, die erforderlich sind, um das Tempo der Zinserhöhungen auf 50 Basispunkte zu reduzieren", sagte Volkswirtin Blerina Uruci vom Vermögensverwalter T.Rowe Price.

Staat übernimmt Uniper zu knapp 99 Prozent

Im Fokus bleibt die Energiekrise. Deutschlands größter Gasimporteur Uniper wird deshalb nun verstaatlicht: Wie es sich am Vortag schon abzeichnete, will der Bund alle Aktien im Besitz des Mutterkonzerns Fortum für 1,70 Euro je Stück kaufen. Außerdem ist eine Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro zu diesem Preis vorgesehen. Uniper war am Vortag mit 4,18 Euro deutlich darüber aus dem Handel gegangen. Am Vormittag brach die Aktie von Uniper um rund 18 Prozent auf 3,39 Euro ein.

Rüstungsaktien gefragt

Die Ankündigung der Teilmobilmachung Russlands durch Präsident Wladimir Putin gibt Rüstungsaktien europaweit Auftrieb. Die Titel von Hensoldt ziehen mehr als 8 Prozent an, Rheinmetall legen 7 Prozent zu. Der italienische Konzern Leonardo, der französische Verteidigungs- und Technologiekonzern Thales, die schwedische Firma SAAB und das größte britische Verteidigungsunternehmen BAE Systems steigen zwischen 4 und 6 Prozent. Ein Händler sprach von "winds of war", die den Sektor antrieben.

Die Aktien der Deutschen Post gaben zunächst 3,3 nach, konnten ihre Verluste zuletzt aber auf 2,4 Prozent oder 32,31 Euro reduzieren. Den Titeln setze eine Herabstufung auf "Neutral" von zuvor "Buy" durch die Analysten von Goldman zu, sagte ein Händler.

Euro gibt zum Dollar weiter nach

Der Euro ist am Mittwoch angesichts der Verschärfung des russischen Vorgehens im Krieg gegen die Ukraine unter Druck geraten. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 0,9895 US-Dollar. Vor der Teilmobilmachung in Russland hatte der Euro noch bei 0,9970 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9906 (Dienstag: 0,9986) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0095 (1,0014) Euro. Der Dollar als wichtigste Reservewährung legte zu, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin eine Teilmobilmachung wegen des Ukraine-Kriegs ausgerufen hatte. Zugleich kündigte Putin an, «Referenden» in den besetzten Gebieten der Ukraine über einen Beitritt zu Russland zu unterstützen. Die ohnehin schlechten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen dürften sich infolgedessen weiter eintrüben.

Leichte Gewinne in den USA

Die Kurse an der Wall Street haben im frühen Handel leicht zugelegt. Der Leitindex Dow Jones Industrial lag zuletzt mit 0,47 Prozent im Plus bei 30.850 Punkten. Der marktbreite S&P 500 kletterte um 0,47 Prozent auf 3874 Zähler nach oben. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 stieg um 0,5 Prozent auf 11.903 Punkte.

Nasdaq 100

Bei den Einzelwerten profitierten General Mills von höheren Zielen des Lebensmittelkonzerns für das laufende Jahr. Der Kurs zog um fast sechs Prozent an auf ein Rekordniveau.

Nach der Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte waren US-Rüstungsaktien gefragt. Papiere von Boeing, General Dynamics, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Raytheon Technologies gewannen zwischen einem und drei Prozent.

Aktien von Sotera Health sackten um weitere neun Prozent ab. Der Dienstleister für die Gesundheits- und Pharmabranche unterlag in einem Rechtsstreit um mögliche krebserregende Emissionen aus einer seiner Einrichtungen. Der Konzern, der der Betroffenen rund 345 Millionen Dollar zahlen muss, ging in Berufung. Schon am Vortag waren Sotera-Health-Aktien prozentual zweistellig gefallen.

Bitcoin pendelt um die Marke von 19.000 US-Dollar

Wegen der Aussicht auf drastische Zinserhöhungen der großen Notenbanken halten sich Anleger bei riskanten Anlageklassen wie Kryptowährungen weiter zurück. Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp zuletzt kaum verändert bei 19.329 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise wieder stabiler

Die Ölpreise sind am Mittwoch nach den Vortagsverlusten mit einem leichten Plus in den Handelstag gestartet. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  90,86 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 16 Cent auf 84,10 Dollar.

Die Ölpreise stehen seit einiger Zeit wegen der Erwartung einer schwachen Entwicklung vieler großer Volkswirtschaften unter Druck. In den vergangenen Tagen wurde die Talfahrt aber erst einmal gestoppt und die Preise scheinen einen Boden gefunden zu haben. So lag der Brent-Preis zuletzt meist knapp über der Marke von 90 Dollar. Zum Vergleich: Mitte Juni hatte er noch bei mehr als 120 Dollar gelegen.

Das Jahreshoch liegt mit knapp 140 Dollar Anfang März, also kurz nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte noch deutlich darüber. Beim WTI sieht es ähnlich aus. Er fiel von rund 120 Dollar Mitte Juni auf zuletzt 84 Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.