Dienstag, 26. Mai 2020

Börse US-Börsen erholen sich - Dax-Anleger hoffen wieder

Kursgewinne: An der Wall Street schloss der Dow Jones am Dienstag fest im Plus. Der Dax dürfte am Mittwoch erneut einen Erholungsversuch starten
DPA/Richard Drew
Kursgewinne: An der Wall Street schloss der Dow Jones am Dienstag fest im Plus. Der Dax dürfte am Mittwoch erneut einen Erholungsversuch starten

Nach dem stärksten Kursverlust seit dem 11. September 2001 war der Dax am Dienstag zwar im Plus gestartet, dann aber erneut zurückgefallen. Anders die US-Börsen: Im späten Handel legten Dow Jones, Nasdaq und S&P deutlich zu - dies stärkt auch im Dax die Hoffnung auf Erholung.

Nach dem Schwarzen Montag an den globalen Finanzmärkten hat ein erwartetes US-Hilfspaket gegen die Folgen der Coronavirus-Krise lediglich die Anleger an der Wall Street und in Asien beeindruckt. An Europas Börsen verpufften die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump am Dienstag weitgehend. So büßte der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen nach einem sehr nervösen Handel zwischenzeitliche Gewinne von fast 4 Prozent ein und schloss zum Ende des Xetra-Handels (18.30 Uhr) 1,4 Prozent tiefer bei 10.475,49 Punkten. Das ist das tiefste Niveau in diesem Jahr. Am Vortag war das Börsenbarometer bereits um fast 8 Prozent abgesackt.

Am Montag hatte das deutsche Börsenbarometer einen der schwärzesten Tage seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte erlebt. Wegen wachsender, durch das Virus ausgelöster Rezessionssorgen und der zusätzlichen Gefahr eines Ölpreiskrieges stießen Anleger panikartig Aktien ab. Sie flüchteten in sicherere Häfen wie Staatsanleihen. Der Dax erlitt den größten prozentualen Tagesverlust seit den Terroranschlägen am 11. September 2001.

Zumindest an der Wall Street haben die US-Indizes am Dienstag jedoch Stärke gezeigt. Nach einer kurzen Schwächephase bauten die Indizes Dow Jones Börsen-Chart zeigen, Nasdaq Stock Market Börsen-Chart zeigen sowie der marktbreite S&P 500 ihre Gewinne im späten Handel wieder aus und notierten jeweils rund 5 Prozent im Plus. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen schloss nahe Tageshoch und nur minimal unter der Marke von 25.000 Punkten. Bis zur Schlussglocke in New York legte der US-Leitindex rund 1200 Punkte zu.

Dies erhöht die Chance, dass auch der Dax Börsen-Chart zeigen am Mittwoch einen erneuten Erholungsversuch unternimmt und wieder in Richtung 11.000 Punkte steuert.

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Post an der Dax-Spitze, Infineon gefragt

Hierzulande setzten sich die Aktien der Deutschen Post mit einem Plus von rund 6 Prozent klar an die Dax-Spitze. Der Logistikkonzern hatte 2019 unterm Strich mehr verdient und die Dividende angehoben.

Die Anteile des Chipherstellers Infineon gewannen gut 1 Prozent und machten einen Teil ihrer Verluste vom Wochenstart wieder wett. Die Münchner hatten für ihre geplante rund milliardenschwere Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor eine wichtige Hürde in den USA genommen.

Am MDax-Ende sackten die Aktien von Rational um mehr als 8 Prozent ab. Die konjunkturellen Risiken infolge der Coronavirus-Epidemie hatten den Ausrüster von Großküchen vorsichtig gestimmt. Die Anteilsscheine des Stahlhändlers KlöCo sackten nach der für 2019 gestrichenen Dividende zeitweise auf ein Rekordtief bei 3,848 Euro und hielten am Ende mit einem Minus von fast 9 Prozent die rote Laterne im Nebenwerteindex SDax.


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Ölpreise stabilisieren sich

Im Machtkampf um Marktanteile auf dem Ölmarkt ist Russland einen Schritt auf den weltgrößten Öl-Exporteur Saudi-Arabien zugegangen und hat damit wieder für Auftrieb beim gebeutelten Ölpreis gesorgt. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich am Dienstag um zehn Prozent auf 37 Dollar pro Barrel, nachdem der russische Energieminister Alexander Novak Bereitschaft signalisierte, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Regierung in Moskau schließe gemeinsame Schritte mit dem Öl-Kartell Opec nicht aus, um den Ölmarkt wieder zu stabilisieren, sagte Novak nach Angaben von Nachrichtenagenturen. Ein Treffen mit dem Öl-Kartell sei im Mai oder Juni geplant.

Vor diesem Hintergrund stiegen Investoren wieder bei den Ölkonzernen ein. So gewannen die Aktien von BP, Chevron, Exxon, Shell und Total bis zu 4,7 Prozent.

Aus "sicheren Häfen" zogen sie sich dagegen zurück. So verbilligte sich "Antikrisen-Währung" Gold um 1,5 Prozent auf 1653,15 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Ein erneuter Sprung über die 1700er Marke wäre aber nicht überraschend, sagte Analyst Han Tan vom Online-Broker FXTM. Auslöser einer solchen Rally könnten eine raschere Ausbreitung des Coronavirus oder harte Fakten über die Beeinträchtigung der großen Volkswirtschaften durch die Epidemie sein.

Euro fällt vom Einjahreshoch zurück

Der Euro ist am Dienstag von seinem am Vortag erreichten gut einjährigen Höchststand zurückgefallen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1370 US-Dollar. Am Montag hatte der Euro mit 1,1495 Euro den höchsten Stand seit Januar 2019 erreicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Dienstagnachmittag auf 1,1390 (Montag: 1,1456) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8780 (0,8729) Euro.

Der Euro wurde am Dienstag von der zumindest zeitweiligen Erholung der Aktienmärkte belastet. Auch andere als sicher geltende Währungen wie der japanische Yen oder der Schweizer Franken gaben deshalb nach. Allerdings ging der Börsenerholung am späten Nachmittag zunehmend die Luft aus.

dpa-afx / Reuters

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