Börsenausblick Feuer frei für die nächste Rekordjagd

Wann ziehen die Notenbanken die Zügel wieder an? Offenbar nicht so schnell wie zuletzt gedacht. Dax und Dow finden deshalb beste Voraussetzungen für weitere Kurssprünge vor.
Hoch hinaus: Der Dax nimmt die Rekordmarke wieder ins Viser

Hoch hinaus: Der Dax nimmt die Rekordmarke wieder ins Viser

Foto: Nicolas Armer/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main/New York - Das Bekenntnis von Fed und EZB zu einer lockeren Geldpolitik wird den Aktienmärkten Börsianern zufolge auch in der neuen Woche Auftrieb geben. Einige Analysten sehen Dax und Dow Jones bereits in Richtung neuer Rekordhochs marschieren.

Der deutsche Leitindex  gewann in den vergangenen Tagen rund 5,5 Prozent. Das ist das größte Wochenplus seit eineinhalb Jahren. Mit rund 8220 Punkten ist er aber noch gut 4 Prozent oder 350 Zähler von einer neuen Bestmarke entfernt.

Die US-Börse verabschiedete sich bei dünnen Umsätzen mit einem Plus ins Wochenende. Erfreuliche Zahlen der Großbanken JP Morgan und Wells Fargo  wurden durch eine Gewinnwarnung des Deutsche-Post-Rivalen UPS  in etwa ausgeglichen.

Boeing  verloren knapp 5 Prozent. Zuvor war bekanntgeworden, dass ein Boeing-Dreamliner auf dem Londoner Flughafen Heathrow in Brand geraten und eine andere Maschine des Typs wegen technischer Probleme nach Manchester zurückgekehrt war.

Bernankes Auftritt mit Spannung erwartet

Der Dow-Jones-Index  legte im Wochenvergleich um 2,1 Prozent zu, der breiter gefasste S&P-500 um 2,9 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq Composite  um 3,5 Prozent.

Mit Spannung warten Anleger auf den halbjährlichen Auftritt des US-Notenbankchefs Ben Bernanke vor dem US-Kongress am Mittwoch und Donnerstag. "Dabei muss er einen verbalen Spagat wagen", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB.

Auf der einen Seite wolle die Fed einen allzu starken Kursrückgang am Aktienmarkt verhindern, weil die Entwicklung an der Wall Street direkten Einfluss auf das US-Konsumverhalten habe. Die Notenbank habe aber auch kein Interesse, die Kurse weiter anzufeuern. "Er wird sicher auf die Euphorie-Bremse treten."

Bernanke hatte Mittwochabend betont, dass die von einigen Anlegern bereits für September erwartete Straffung der geldpolitischen Zügel alles andere als ausgemacht sei. Die durch diese Aussagen ausgelöste Talfahrt des Dollar ist nach Einschätzung der Analysten der Landesbank Berlin (LBB) aber nur vorübergehend. Sie sagen einen Rückgang des Euro auf 1,26 Dollar von derzeit gut 1,30 Dollar voraus.

Privater Konsum und Wohnungsbau treiben US-Wirtschaft an

Andere Börsianer sehen das ähnlich. Schließlich werde die Fed von einer Drosselung ihrer Wertpapierkäufe, mit denen sie aktuell monatlich etwa 85 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte pumpt, nur dann längerfristig absehen, wenn die US-Konjunktur einbricht.

Danach sieht es aber nicht aus. "Die US-Wirtschaft profitiert von weiterhin recht soliden Zuwächsen des privaten Konsums und des Wohnungsbaus", betont Commerzbank-Analyst Christoph Balz. "Dies dürfte die Hauptbotschaft der nächste Woche anstehenden US-Daten sein."

Den Anfang machen die Einzelhandelsumsätze am Montag. Hier rechnen Experten mit einem Plus von 0,8 Prozent nach 0,6 Prozent im Vormonat. Bei den am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Zahlen zu den Baugenehmigungen und Wohnbaubeginnen könne ebenfalls mit einem Anstieg gerechnet werden.

Aussichten in China trüben sich ein

In China trüben sich die Aussichten dagegen ein. Analysten sagen für das zweite Quartal eine Verlangsamung des Wachstums auf 7,5 Prozent im Jahresvergleich voraus, nach einem Plus 7,7 Prozent im ersten Quartal. Commerzbank-Experte Balz rechnet sogar nur mit 7,2 Prozent. "Eine steigende Verschuldung, zunehmende Sorgen wegen der extremen Luftverschmutzung und die wegen höherer Löhne sinkende Profitabilität der Industrie bremsen das Wachstum."

Die Zahlen stehen am Montag auf der Agenda. Die Regierung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft stimmt Anleger bereits darauf ein, dass sie ein geringeres Wachstum tolerieren wird und dämpft damit Hoffnungen auf neue Konjunkturprogramme.

In den USA gewinnt die Bilanzsaison an Fahrt. Nord-LB-Experte Basse betrachtet die Zahlen aber prinzipiell als eher zweitrangig. "Große Kursbewegungen werden derzeit von Konjunkturdaten und Geldpolitikern gemacht."

In der neuen Woche steht unter anderem die Finanzbranche im Rampenlicht. Mit Citigroup  (Montag), Goldman Sachs  (Dienstag), Bank of America  (Mittwoch) und Morgan Stanley  (Donnerstag) öffnet das Who's Who der US-Branche seine Bücher. Analysten rechnen allerdings wegen der hohen Nervosität an den Finanzmärkten, der Flaute im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen und anhaltend niedrigen Zinsen mit mauen Ergebnissen.

Der Donnerstag steht ganz im Zeichen des Technologiesektors. An diesem Tag läutet SAP  die deutsche Bilanzsaison ein. Im weiteren Verlauf wollen zudem AMD , Google  und Microsoft  ihre Zahlen vorlegen. Das Vorspiel zu diesem Reigen liefert Intel . Der Chip-Hersteller hat die Veröffentlichung seiner Quartalsergebnisse für am Mittwochabend (MESZ) angekündigt.

nis/rtr
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