Börse Dax schließt im Plus, Ölpreis unter 100 Dollar

Der Dax gibt einen Teil seiner Gewinne wieder ab, schließt aber im Plus. An der Wall Street drehen die Aktienindizes ins Minus. Der Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent fällt erstmals seit Ende April unter die Marke von 100 Dollar.
Börse in Frankfurt: Der Dax schließt am Dienstag im Plus

Börse in Frankfurt: Der Dax schließt am Dienstag im Plus

Foto: Fredrik von Erichsen/ picture alliance / dpa

Nach dem Fall auf das niedrigste Niveau seit November 2020 hat der Dax  am Mittwoch einen Stabilisierungsversuch durchgestanden. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Tagen behauptete sich der deutsche Leitindex nach einem freundlichen Start im Plus. Über die Ziellinie ging er 1,56 Prozent höher bei 12.594,52 Punkten. Das Tageshoch hatte bei 12.668 Zähler gelegen. Der MDax gewann 1,40 Prozent auf 24.979,41 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verbuchte ein Plus von 1,85 Prozent auf 3421 Punkte.

Nach dem Dax-Rücksetzer vom Vortag bis auf 12.390 Punkte sahen sich Anleger vorerst wieder zum Zugreifen ermutigt. Ein Stück weit vollzogen die Europa-Börsen die Erholungsrally der US-Tech-Werte vom Vortag nach. Da tat es den Gewinnen auch keinen Abbruch, dass die New Yorker Börsen am Mittwoch durchwachsen in den Handel starteten. Gespannt wird in New York auf das später anstehende Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed gewartet.

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Euro fällt zum Dollar Richtung Parität

Unter Druck blieb auch der Euro, der um bis zu 1 Prozent abwertete und mit 1,0161 Dollar den zweiten Tag in Folge ein 20-Jahres-Tief markierte. "Zum einen belasten die offensichtlichen Rahmenbedingungen aus steigender Inflation und geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Krieg in der Ukraine, inklusive der drohenden Energiekrise", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. "Zum anderen sind die hohen Zinsdifferenzen zwischen Europa und den USA ausschlaggebend. In den USA wurden die Zinsen durch die Fed bereits mehrfach angehoben, in der Eurozone noch nicht." Damit rückt Strategen zufolge für den Euro der Rutsch unter die Parität immer näher. Zuletzt hatte der Kurs im Dezember 2002 weniger als einen Dollar betragen.

Regierungskrise in London drückt Pfund

Das Pfund lag angesichts der Regierungskrise in London rund ein halbes Prozent schwächer bei 1,1894 Dollar. Die Reaktion auf die Rücktritte mehrerer Minister und Staatssekretäre halte sich aber noch in Grenzen, sagte Ökonom David Page von AXA Investment Managers. "Jedoch je länger die politische Unsicherheit in Großbritannien anhält, desto mehr würden wir erwarten, dass sie sich an den britischen Finanzmärkten bemerkbar macht." Ungeachtet der Proteste will der unter Druck stehende britische Premierminister Boris Johnson seine Regierungsarbeit fortsetzen.

US-Börsen notieren im Minus, Renditen der US-Staatsanleihen fallen

Die US-Börsen sind am Mittwoch vor der Veröffentlichung des jüngsten Notenbank-Protokolls freundlich in den Handel gestartet. Doch rasch bröckelten die Gewinne wieder ab und die wichtigsten Aktienindizes drehten ins Minus. Rezessionsängste sorgen nach wie vor für hohe Nervosität und eine insgesamt gedrückte Stimmung. Dazu trugen auch die etwas besser als erwartet ausgefallenen ISM-Daten des Dienstleistungssektors bei.

Nasdaq

Der Dow Jones Industrial, der tags zuvor zeitweise unter 30.400 Punkten gerutscht und dann einen Großteil seiner Verluste wettgemacht hatte, gab zum Handelsschluss in Europa 0,45 Prozent auf 30.827 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500  rutschte 0,40 Prozent auf 3816 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100  hielt drehte zuletzt auch mit 0,16 Prozent in den roten Bereich.

Bei der Sitzung Mitte Juni hatte die Fed ihren Leitzins um einen dreiviertel Prozentpunkt erhöht - der größte Sprung seit 1994. Bei den am Abend (20.00 Uhr MESZ) anstehenden Protokollen werden die Investoren nun nach Hinweisen auf das künftige Zinstempo suchen, sagten Händler. Die Angst der Anleger vor weiteren großen Zinsschritten und einer daraus resultierenden Rezession spiegelte sich in steigenden Anleihekursen wider, was die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries auf ein Fünf-Wochen-Tief von 2,793 Prozent drückte.

Metro, Infineon, Aixtron gefragt

Mit Bllick auf die deutschen Aktien stachen nach einem optimtischeren Ausblick die Aktien von Metro hervor. Die Papiere des Großhändlers legten 4,1 Prozent zu. Für das Geschäftsjahr 2021/22 rechnet der Konzern nunmehr mit einem Umsatzwachstum von bis zu 22 Prozent. Die Aktien des Chipkonzerns Infineon und des Halbleiterausrüsters Aixtron gehörten mit 4,5 und 5,4 Prozent zu den Favoriten der Anleger, ebenso diverse Softwarekonzerne wie SAP mit plus 2,8 Prozent.

Zeitweise gab es im Essenslieferbereich Branchenfantasie wegen einer Kooperation von Just Eat Takeaway und Amazon. Beim Kochboxenlieferanten Hellofresh hielt die Erholungsrally mit einem Plus von 6,2 Prozent an. Bei Delivery Hero allerdings drehte der lange Zeit mit angetriebene Kurs spät ins Minus ab, zuletzt büßten sie 4,1 Prozent ein.

Büros von Delivery Hero durchsucht, Aktie fällt

Am Nachmittag war bekannt geworden, dass die EU-Kommission die Büros von Delivery Hero und anderen Lieferdiensten durchsucht hat. Allein aus dem Umstand der Ermittlungen der Kommission lasse sich allerdings nicht ableiten, dass Delivery Hero tatsächlich an solchen Praktiken beteiligt gewesen sei, betonte das Unternehmen.

Adidas am Dax-Ende

Am Dax-Ende standen die Anteilsscheine von Adidas nach einem skeptischen Analystenkommentar von Hauck Aufhäuser Investment Banking. Die Papiere des Sportartikelkonzerns konnten ihre Kursverluste aber auf ein Prozent reduzieren. Analyst Christian Salis sieht die Jahresziele des Unternehmens wegen der Konsumflaute und Druck auf die Margen in Gefahr und drehte seine bisherige Kaufempfehlung in das Gegenteil um.

Ölpreis rutscht unter die Marke von 100 Dollar

Der Ölpreis ist am Mittwoch weiter gefallen. In London kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  am frühen Abend 99,52 US-Dollar. Auch der Preis für die US-Referenzsorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 3,18 Dollar auf 96,32 Dollar.

Bereits am Dienstag waren die Erdölpreise zeitweise um mehr als zehn Dollar eingebrochen. Vor allem Rezessionssorgen belasten die Preise. Die große Unsicherheit wegen des Ukraine-Kriegs drohen die Weltwirtschaft ebenso zu belasten wie der Kampf der Notenbanken gegen die hohe Inflation. In Europa sorgt vor allem die Furcht vor künftig ausbleibenden Erdgaslieferungen aus Russland für Rezessionssorgen. So sind die europäischen Erdgaspreise am Mittwoch im Gegensatz zu den Ölpreisen gestiegen.

Als zusätzlicher Belastungsfaktor wirkt am Ölmarkt der starke Dollar, der Rohöl für Investoren außerhalb des Dollarraums verteuert und auf deren Nachfrage lastet. Schließlich wird Rohöl in Dollar gehandelt. So fiel der Euro zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2002.

Nach wie vor befinden sich die Ölpreise auf vergleichsweise hohem Niveau. Gegenüber dem Jahresbeginn ist Rohöl immer noch gut 25 Prozent teurer. Hauptgrund ist das durch den Ukraine-Krieg verminderte Angebot an Erdöl aus Russland.

Bitcoin pendelt um 20.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin hat sich am Mittwoch von ihren Vortagsverlusten leicht erholt und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 20.085 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

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Mit Nachrichtenagenturen
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