Börse US-Börsen helfen Dax ins Plus

Gewinne an den US-Börsen sorgten dafür, dass der Dax nach vier Verlusttagen erstmals wieder im Plus schließt. Die Aktie der Porsche SE legte kräftig zu.
Auf und Ab an der Börse: Die Fed dürfte am Mittwoch die Zinsen erneut kräftig erhöhen.

Auf und Ab an der Börse: Die Fed dürfte am Mittwoch die Zinsen erneut kräftig erhöhen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Eine Stabilisierung an der Wall Street hat dem Dax  am Montag ins Plus verholfen. Der Leitindex ging nach vier Verlusttagen in Folge etwas gestärkt mit einem Kurszuwachs von 0,49 Prozent auf 12 803 Punkte aus dem Handel. Vorangegangen war jedoch eine wegen des anstehenden Leitzinsentscheides in den USA abermals nervöse Handelssitzung mit Verlusten im Dax von bis zu einem Prozent. "Die Positionierungen der Anleger vor der Fed-Sitzung sind in vollem Gange", kommentierte Konstantin Oldenburger von CMC Markets. Da die US-Börsen ihre Gewinne im späten Handel etwas ausbauen konnten, dürfte auch der Dax am morgigen Dienstag im Plus eröffnen.

Auch der MDax  arbeitete sich bis zum Schlussgong in die Gewinnzone vor. Der Index der mittelgroßen Werte beendete den Handel mit einem moderaten Aufschlag von 0,11 Prozent auf 23.970 Zähler, nachdem er am Freitag zwischenzeitlich auf ein Tief seit Mai 2020 gerutscht war. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  stand am Ende nur noch 0,03 Prozent im Minus bei 3499 Punkten.

Anhaltend hohe Inflationszahlen in den USA hatten in der vergangenen Woche die Hoffnung auf eine weniger straffe Geldpolitik der US-Notenbank zunichtegemacht. Stattdessen waren die Erwartungen an den anstehenden Zinszyklus noch gestiegen, damit verbunden war gleichzeitig die Sorge um ein Abwürgen der Konjunktur. Die meisten Experten rechnen inzwischen mit einer Zinserhöhung von 0,75 Prozentpunkten. Eine Erhöhung gar um einen vollen Punkt wird laut den Ökonomen der Credit Suisse derzeit am Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent eingepreist.

In der Vorwoche hatte der Dax mehr als 2,5 Prozent verloren, nachdem er zwischenzeitlich noch deutlich auf 13 564 Punkte zugelegt hatte. Auslöser für den Rückgang waren hohe US-Inflationszahlen.

Börsengang gibt VW- und Porsche-Aktien Rückenwind

Für einen Lichtblick sorgte indes Volkswagen. Der Wolfsburger Autokonzern schickt seine Sportwagentochter Porsche AG ungeachtet der aufziehenden Rezession an die Börse. Die Erstnotiz von Porsche am Aktienmarkt ist für den 29. September geplant, ab Dienstag können die Aktien gezeichnet werden. Bis zu 113 875 000 Vorzugsaktien (inklusive Mehrzuteilungsoptionen) sollen zwischen 76,50 und 82,50 Euro je Stück an den freien Markt gehen. An die Porsche SE sollen zudem 25 Prozent plus eine Stammaktie des Sportwagenbauers gehen.

"Die Bewertung der Porsche AG von bis zu 75 Milliarden Euro liegt zwar leicht unter den Erwartungen des Marktes, übertrifft aber deutlich den Wert anderer deutscher Automobilriesen wie BMW und Mercedes-Benz", sagte Analyst Konstantin Oldenburger, Analyst beim Online-Broker CMC Markets. Die Papiere von VW-Großaktionär Porsche SE zogen mit einem Plus von 3,5 Prozent an die Dax-Spitze. Die Papiere von VW gingen nach einem Zick-Zack-Kurs rund 1 Prozent fester aus dem Handel.

Stockender Netzausbau belastet 1&1-Papiere

Die Papiere der United-Internet-Tochter 1&1 litten am Montag unter dem stockenden Ausbau des eigenen Mobilfunknetzes und verloren knapp 1 Prozent nach der Mitteilung vom Freitagabend, dass Lieferprobleme beim wichtigsten Ausbaupartner den Prozess bremsen. Das Zwischenziel von 1000 5G-Antennenstandorten bis Ende 2022 werde nicht erreicht, teilte der Konzern in Montabaur nach Börsenschluss mit.

Siemens Energy ersetzt Hellofresh im Dax

Umgesetzt werden am Montag die jüngsten Indexänderungen in der Dax-Familie. Siemens Energy kehrt ab sofort in den deutschen Leitindex zurück, ausscheiden muss dafür der Kochboxenlieferant Hellofresh, der nun im MDax zu finden sein wird. Neu im Index mittelgroßer Werte sind außerdem der Telekomausrüster Adtran sowie die beiden Autozulieferer Stabilus und Hella. Auch im SDax gibt es mit dem Windkraftanlagenhersteller Nordex einen Rückkehrer. Neu hinzugekommen sind dort obendrein der Wind- und Solarparkentwickler Energiekontor, die Südzucker-Tochter Cropenergies und der Kohlefaserspezialist SGL sowie die MDax-Absteiger Uniper, Grand City Properties und der IT-Dienstleister Cancom.

In London pausiert derweil am Montag der Handel wegen des Staatsbegräbnisses für Königin Elizabeth II.

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US-Anleger bleiben vorsichtig

Rezessionssorgen im Vorfeld eines weiteren großen Zinsschritts der US-Notenbank Fed treiben Anleger an der Wall Street zur Vorsicht. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte bei nervösem Handel am Montag kurz vor Handelsschluss mit 0,4 Prozent im Plus. Der breiter gefasste S&P 500 und der Index der Technologiebörse Nasdaq legten ebenfalls leicht zu und starteten damit einen Erholungsversuch.

Der S&P 500 und der Nasdaq hatten am Freitag den stärksten prozentualen Wochenrückgang seit Juni verzeichnet, da die Börsianer eine Zinserhöhung um mindestens 0,75 Prozentpunkte bei der Fed-Sitzung an diesem Mittwoch mittlerweile fest eingepreist haben. Selbst ein Plus von einem vollen Prozentpunkt wird von Börsianern nicht mehr ausgeschlossen.

Biden-Aussage bewegt Kurse

Bei den Einzelwerten profitierten unterdessen Fluggesellschaften davon, dass US-Präsident Joe Biden die Coronapandemie in den USA für beendet erklärte. "Die Pandemie ist vorbei", sagte Biden in einem Interview mit dem Sender CBS. Die Anteilsscheine von American Airlines, United Airlines, Delta, Southwest, JetBlue Airways und Alaska Air hoben jeweils mehr als 3 Prozent ab.

Dagegen brachen Impfstoffhersteller empfindlich ein. Die in den USA gelisteten Titel von Impfstoffhersteller Biontech sowie der US-Pharmakonzern Novavax büßten mehr als 8 Prozent ein. US-Rivale Moderna brach mehr als 9 Prozent ein.

Rückenwind gab es indes für Tesla. Der Elektroautobauer schloss ein Projekt zur Erweiterung der Produktionskapazitäten in seinem Werk in Shanghai ab, wie aus einer Erklärung auf einer Plattform der Shanghaier Regierung hervorging. Zugleich habe der Konzern bestätigt, dass seine Pläne für den Betrieb der derzeit im Bau befindlichen Batteriefabrik in Deutschland unverändert seien, sagte der Bürgermeister von Grünheide, Arne Cristiani, gegenüber Reuters und widersprach damit einem Medienbericht von vergangener Woche, dem zufolge der US-Konzern die Pläne auf Eis gelegt habe. Tesla-Aktien zogen in der Spitze rund 2 Prozent an.

Asien-Börsen uneinheitlich

In Asien haben die Aktienmärkte keine einheitliche Richtung gefunden. Während es in China und Indien etwas nach oben ging, verloren die Börsen in Hongkong und Südkorea an Boden. In Shanghai legte der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen der Festlandbörsen im späten Handel rund 0,1 Prozent zu und stabilisierte sich damit etwas, nachdem er am Freitag deutlich nachgegeben hatte. Der Leitindex der chinesischen Sonderverwaltungszone, der Hang Seng, büßte dagegen zuletzt knapp ein Prozent ein. Kein Handel findet heute für den 225 Werte umfassenden Nikkei-Index  statt.

Bitcoin weiter unter Druck

Wegen der Aussicht auf drastische Zinserhöhungen der großen Notenbanken ziehen sich Anleger aus riskanten Anlageklassen wie Kryptowährungen zurück. Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 19.100 US-Dollar rund 2 Prozent im Minus. Ethereum rutscht ebenfalls ab und ist so billig wie zuletzt vor rund zwei Monaten.

Bitcoin

Ölpreise sinken

Die Ölpreise sind am Montag gefallen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  90,98 US-Dollar. Das waren 0,39 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 0,44 Dollar auf 84,69 Dollar. Die Notierungen erholten sich jedoch von zeitweise noch deutlicheren Verlusten.

Als Belastungsfaktor gilt auch der entschiedene Kampf vieler Notenbanken gegen die vielerorts sehr hohe Inflation. Die steigenden Zinsen lasten auf der Konjunktur und damit auf der erwarteten Erdölnachfrage. Da weitere Konjunktursorgen bestehen, etwa aufgrund des nach wie vor stockenden Welthandels, sind die Ölpreise über die Sommermonate deutlich gesunken. Allerdings befinden sie sich immer noch auf vergleichsweise hohem Niveau.

Für etwas Zuversicht sorgten am Montag Nachrichten aus China. Dort wurde in der Metropole Chengdu ein wochenlanger Corona-Lockdown aufgehoben. Die strikte Virus-Politik der chinesischen Führung lastet seit Monaten auf der konjunkturellen Entwicklung der Volksrepublik und strahlt auf die Weltwirtschaft aus. Entsprechend positiv wird am Rohölmarkt die Aufhebung von Coronamaßnahmen bewertet, da sie eine steigende Ölnachfrage verspricht.

Mit Nachrichtenagenturen
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