Börse Dow Jones legt deutlich zu - Anleger hoffen auf positive Impulse durch US-Zwischenwahlen

Am Tag der Zwischenwahlen in den USA fassen Anleger Mut. Der Dax schließt im Plus, auch der Dow Jones legt deutlich zu. Hierzulande bewegen zudem eine Reihe von Quartalszahlen die Kurse.
Midterms im Blick: Die Börsen legen vor den US-Zwischenwahlen zu

Midterms im Blick: Die Börsen legen vor den US-Zwischenwahlen zu

Foto:

Frank Rumpenhorst / dpa

Der Dax  hat am Dienstag vor den Zwischenwahlen in den USA seine Vortagesgewinne ausgebaut. Der Aktienindex legte zuletzt um 1,2 Prozent auf 13.688 Punkte zu. Die Blicke sind auf die Politik in den USA gerichtet. Die Wahlen könnten über den künftigen Spielraum von US-Präsident Joe Biden entscheiden und im Falle eines Erfolges der Republikaner Anleger dazu veranlassen, ihre Aktien-Portfolios etwas umzubauen.

Der MDax  der mittelgroßen Börsenwerte präsentierte sich am Dienstag mit plus 1,39 Prozent auf 24.459 Zähler noch etwas freundlicher als der Dax. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  stand bei 3.738 Punkten um 0,76 Prozent im Plus.

"Der Markt will sich an jede positive Nachricht klammern, und ein positives Ergebnis bei den Zwischenwahlen könnte einen weiteren positiven Risikotag bedeuten", konstatierten die Analysten von RBC Capital Markets. Zwischenwahlen seien "eines der besten historischen Kaufsignale für Aktien, die wir haben", erklärten die Analysten der Deutschen Bank. "Während jegliche Beschneidung der Macht der Demokraten in den USA nach einem Erfolg der Republikaner bei den heutigen Zwischenwahlen eher förderlich für die Wall Street und damit auch die Entwicklung im Deutschen Aktienindex wäre, steht die Börse spätestens mit den Inflationsdaten am Donnerstag vor einer erneuten Bewährungsprobe", sagte CMC Markets-Analyst Jochen Stanzl.

Sollten sich die Republikaner sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus durchsetzen, rechnen Börsianer in den kommenden zwei Jahren zwar mit einem Stillstand in den USA. "Geplante Steuererhöhungen wären dann vom Tisch", sagte Christian Henke, Analyst beim Broker IG. Dies würde von den Aktienmärkten positiv aufgenommen werden. "Und mindestens genauso wichtig: Die heutigen Wahlergebnisse geben erste Hinweise darauf, wer in zwei Jahren für das Amt des Präsidenten kandidieren könnte", konstatierte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

US-Börsen mit Gewinnen – US-Zwischenwahlen im Fokus

Auch die Kurse an der Wall Street haben zugelegt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg am Dienstag zuletzt um 1,55 Prozent auf 33.338 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 legte um 1,1 Prozent auf 3850 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,3 Prozent auf 10.704 Punkte.

Umfragen zufolge haben die Republikaner gute Chancen die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und möglicherweise auch über den Senat zu erlangen. Damit könnten sie Gesetzesvorhaben des demokratischen US-Präsidenten Joe Biden ausbremsen und massive Ausgabenkürzungen verlangen. "Einerseits könnte die Aussicht auf weniger Ausgaben als Hilfe im Kampf gegen die Inflation angesehen werden, andererseits könnte die Wirtschaft auf eine Rezession zusteuern, und Untätigkeit der Regierung wird nicht helfen", sagte Oanda-Analyst Craig Erlam.

Zunehmend rückten auch die am Donnerstag anstehenden US-Inflationszahlen in den Vordergrund. Für Oktober rechnen die Analysten mit einer Inflation von 8,0 nach 8,2 im September. Von einer gewissen Entspannung bei den Verbraucherpreisen erhoffen sich Anleger Impulse für die US-Notenbank, das Tempo bei den Zinserhöhungen zu drosseln.

Qiagen schraubt Jahresziele erneut nach oben

In Deutschland geht die Berichtssaison am Dienstag mit gut gefüllter Agenda weiter, unter anderem mit zahlreichen Dax-Werten. Dabei waren besonders auffällig die Titel von Qiagen, die sich mit einem Plus von über 4,93 Prozent an die Dax-Spitze setzten. Der Gendiagnostik-Konzern hatte seine Ziele erneut angehoben. Für 2022 rechnet Qiagen zu konstanten Wechselkursen nun mit einem Umsatz von rund 2,25 Milliarden Dollar und damit knapp über dem Niveau des Vorjahres. Im dritten Quartal schnitt Qiagen trotz eines Umsatz- und Gewinnrückgangs besser als von Analysten erwartet ab. Der Umsatz schrumpfte zwar um 7 Prozent auf 500 Millionen Dollar, zu konstanten Wechselkursen lag er mit 533 Millionen Dollar aber oberhalb der Prognose von Qiagen von mindestens 510 Millionen Dollar - dank eines starken Geschäfts außerhalb von Corona. Der bereinigte Gewinn sank um neun Prozent auf 123 Millionen Dollar.

Munich Re steigert Gewinn trotz Hurrikan-Schäden

Munich Re gewannen mehr als 2,65 Prozent, Analysten lobten das Zahlenwerk des Versicherers. Der starke US-Dollar hat beim weltgrößten Rückversicherer die Kosten der hohen Schäden durch Hurrikan "Ian" im dritten Quartal deutlich abgefedert. Während der Konzern wegen des Wirbelsturms in den USA eine Belastung von 1,6 Milliarden Euro verbuchte, brachte vor allem der starke Dollar im Verhältnis zum Euro Währungsgewinne von fast 850 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 527 Millionen Euro und damit fast anderthalbmal so viel wie ein Jahr zuvor, wie der Dax-Konzern am Dienstag in München mitteilte. Im vierten Quartal sollen vor allem positive Sondereffekte in der Kapitalanlage dazu führen, dass die Munich Re in diesem Jahr wie geplant einen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro erreicht. Dabei baut der Vorstand auch auf gute Ergebnisse der Erstversicherungstochter Ergo.

Bayer-Papiere hingegen gaben um fast 5 Prozent nach, obwohl das Quartalsergebnis des Pharma- und Agrarkonzerns die Erwartungen toppte und Bayer-Chef Werner Baumann die Prognose bestätigte. Die Leverkusener erwirtschafteten im dritten Quartal mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut ein Drittel mehr Gewinn. Auch konzernweit stiegen Umsatz und Ergebnis deutlich.

Deutsche Post dämpft Gewinnziel

Auch die Papiere der Deutschen Post standen moderat tiefer. Das Unternehmen schraubt sein Gewinnziel für 2022 trotz eines erfolgreichen dritten Quartals doch nicht so stark nach oben wie zunächst angedeutet. Das operative Ergebnis (Ebit) dürfte im Vergleich zu 2021 um etwa 5 Prozent auf rund 8,4 Milliarden Euro zulegen, teilte der Dax-Konzern am Dienstag in Bonn mit. Im dritten Quartal erzielte die Post einen operativen Gewinn von gut zwei Milliarden Euro, wie sie bereits im Oktober auf Basis vorläufiger Zahlen mitgeteilt hatte. Der freie Barmittelzufluss fiel mit 1,8 Milliarden Euro hingegen nochmal besser aus als vorab berichtet. Im Gesamtjahr soll er nun mehr als 4,2 Milliarden Euro erreichen. Zuvor hatte der Vorstand höchstens knapp 3,8 Milliarden Euro avisiert. Das Geld will Finanzchefin Melanie Kreis unter anderem verstärkt in Südost- und Südasien investieren.

Henkel profitiert von Preiserhöhungen

Aktien von Henkel verloren nach Quartalszahlen 4,85 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat im dritten Quartal seinen Umsatz dank Preiserhöhungen deutlicher gesteigert als erwartet. Getrieben wurde die Entwicklung insbesondere von der Klebstoffsparte. Henkel wurde daher auch für das Jahr optimistischer und hob seine Prognosen am Dienstag an. Die Zusammenlegung der Konsumgütergeschäfte liegt Unternehmenschef Carsten Knobel zufolge dem ursprünglichen Zeitplan voraus. Die Erlöse stiegen um 17,3 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro, wie das Dax-Unternehmen in Düsseldorf mitteilte. Der Anstieg war dabei den Angaben zufolge allein preisgetrieben, die verkauften Mengen gingen hingegen zurück. Für 2022 geht Henkel nun von einem organischen Wachstum von 7 bis 8 Prozent aus statt 5,5 bis 7,5 Prozent.

Evonik kontert Wirtschaftsflaute mit Sparprogramm

Der Chemiekonzern Evonik wird für 2022 etwas vorsichtiger und will die Kosten deutlich senken. Die Papiere sanken im MDax um 1,5 Prozent. Im abgelaufenen dritten Quartal fiel das bereinigte operative Ergebnis - trotz eines von höheren Verkaufspreisen getriebenen Umsatzanstiegs um gut ein Viertel auf 4,88 Milliarden Euro - im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 615 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Evonik 214 Millionen Euro nach 235 Millionen vor einem Jahr. Der Spezialchemiekonzern will sich mit Einsparungen für die 2023 erwartete Konjunkturdelle wappnen.

Die Fraport-Aktie dagegen dreht ins Plus. Der Flughafenbetreiber sieht sich nach kräftigem Gewinnwachstum im Sommer "auf dem Weg zu alter Stärke". Im saisonal stärksten Quartal von Juli bis September verdiente Fraport operativ mit 420 Millionen Euro (Ebitda) wieder fast soviel wie vor der Corona-Krise. Wesentlicher Treiber sei das internationale, vom Tourismus getriebene Geschäft vor allem mit den Regionalflughäfen in Griechenland gewesen, teilte Fraport am Dienstag mit.

Im SDax glänzten nach Zahlenvorlage die Aktien des Autozulieferers Schaeffler sowie des Strahlen- und Medizintechnikunternehmens Eckert & Ziegler mit Kursgewinnen von fast 12,39 Prozent beziehungsweise mehr als 10,23 Prozent. Die Analysten von J.P. Morgan lobten, Schaeffler habe ein "widerstandsfähiges" drittes Quartal in einem schwierigen operativen Umfeld verzeichnet.

Der dänische Schmuckhersteller Pandora punktete ebenfalls mit einem überraschend starken Quartalsumsatz. Die Titel kletterten in Kopenhagen um 10,6 Prozent, nachdem die für ihre "Charms"-Anhänger bekannte Firma trotz der steigenden Lebenshaltungskosten kein verändertes Kaufverhalten der Kunden festgestellt hat. Deutsche Pfandbriefbank rutschten nach einer von der Deutschen Bank gestrichenen Kaufempfehlung um 8 Prozent ab.

Spekulationen um Abkehr von strengen Corona-Restriktionen ebben ab

In China ebbten unterdessen die Spekulationen über eine Abkehr von den strengen Corona-Restriktionen ab, die zuletzt die Aktienmärkte befeuert haben. Die chinesische Gesundheitsbehörde verteidigte die Null-Covid-Politik am Wochenende als "völlig korrekt", aber selbst graduelle Anpassungen hatten weltweit Investoren zu Aktien greifen lassen. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten chinesischen Unternehmen an den Festlandbörsen drehte leicht ins Plus mit 0,22 Prozent. Der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong sank um 0,23 Prozent. Der 225 Werte umfassende Tokioter Leitindex Nikkei  schloss hingegen um 1,25 Prozent höher.

Bitcoin unter 20.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiter unter Druck und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 19.863 US-Dollar. Damit verlor sie 4,12 Prozent gegenüber dem Vortag. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise sind am Dienstag leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 96,99 US-Dollar. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 41 Cent auf 91,38 Dollar.

Die Preisentwicklung am Rohölmarkt bleibt schwankungsanfällig. Für Verunsicherung sorgt seit einiger Zeit die harte Corona-Politik der chinesischen Führung. Spekulationen auf eine etwas lockerere Linie hatten sich zuletzt nicht bewahrheitet, was dem Ölmarkt einen Dämpfer versetzt hat. Die ohnehin schwache Weltkonjunktur lastet seit Längerem auf den Preisen. Für tendenziellen Auftrieb sorgt dagegen die Angebotspolitik des Ölverbunds Opec+. Seit Monatsbeginn haben die rund 20 Förderländer ihre Produktion verringert. Sie reagieren damit auf die teils deutlichen Preisabschläge in den vergangenen Monaten, die Folge der allgemeinen Konjunkturschwäche sind.

Mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.