Charttechniker Carsten Mumm erklärt Warum der Dax vorerst kaum mehr steigen wird

Von Carsten Mumm

Dax - Kräfteverschleiß nach Ostern

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Für massive Kursrückgänge lange Zeit zu robust - für Notierungen oberhalb der 10.000 Punkte allerdings auch zu anfällig. Das war Situation im deutschen Leitindex Dax  rund um die Osterfeiertage.

Hohe Schwankungen und der nachhaltige Test zahlreicher Widerstände sowie Unterstützungen bestimmten das Bild Ende März und Anfang April. Am Montag schloss der Index noch gestützt von einer sogenannten "Hammer-Formation" leicht im Plus. Dann rückten allerdings die Marken "eine Etage tiefer" in den Fokus.

Carsten Mumm
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Carsten Mumm, Chefvolkswirt und Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Die markante Unterstützung bei 9700 sowie das Fibonacci-Retracement bei knapp 9740 wurden am Dienstag deutlich unterhandelt. Die Markttechnik zeigt sich auch zum Wochenende hin durchgehend neutral.

Das zeigt, welche Bedeutung aktivem Risikomanagement zukommt. Individuelle Stoppmarken sollten daher stringent beibehalten werden. Die Volatilität steigt seit knapp drei Wochen wieder sukzessive an. Die Konsolidierung im Dax wird sich erstmal fortschreiben.

S&P 500 - Goldenes Kreuz lässt hoffen

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Der US-amerikanische S&P 500 Index konnte zuletzt einige richtungsweisende charttechnische Marken nachhaltig überhandeln. Damit einher ging auch der Ausbruch aus einer mehrmonatigen W-Formation. Zudem wurde im insgesamt vierten Test am 16. März 2016 die 200-Tage-Linie überschritten.

Der immer noch übergeordnete charttechnische Seitwärtstrend hat zwar trotzdem nach wie vor Bestand. Die markttechnischen Indikatoren verhalten sich auch überwiegend neutral. Allerdings generierte die Stochastik jüngst ein Kaufsignal. Gepaart mit dem "Golden Cross" (die 21-Tage-Linie schnitt zuletzt die 200-Tage-Linie bei rund 2020 Indexzählern) kann das schnell eine Aufwärtsbewegung nach sich ziehen. Das Mittlere Bollinger-Band verläuft ebenfalls auf dem Niveau des "Golden Cross". Der S&P 500 Index scheint damit den Blick weiterhin in Richtung alte / neue Hochs zu wenden.

Euro-Kurs - Enttäuschende US-Daten stützen

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Die Auftragseingänge der US-Industrie fielen im Februar sehr enttäuschend aus. Das US-Handelsministerium teilte Anfang dieser Woche mit, dass der Rückgang um 1,7 Prozent im Monatsvergleich höher als zunächst erwartet ausfiel. Der vorab eingeholte Analystenkonsens lag bei lediglich minus 1,5 Prozent. Daher überraschten die tatsächlichen Daten viele.

Im Januar wurde sogar noch ein Anstieg von 1,2 Prozent verzeichnet. Charttechnisch bedeutet das für die europäische Einheitswährung weiter Auftrieb. Bei 1,114 sowie bei 1,106 US-Dollar lassen sich die nächsten wichtigen Unterstützungen ausmachen. Die nächsten deutlichen Widerstandslinien warten bereits bei 1,149 sowie bei 1,171 US-Dollar. Der Euro  bleibt somit auch charttechnischer Sicht weiter robust.

Der markttechnische Trendfolgeindikator MACD stützt diese These mit einem Kaufsignal. Damit bleibt der im Dezember 2015 etablierte Aufwärtsmodus weiterhin intakt.

Euro-Bund-Future - Siebenjährige Hausse setzt sich fort

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Der Euro-Bund-Future befindet sich in einer nachhaltigen und nun knapp sieben Jahre andauernden Aufwärtsbewegung. Diese begann im Januar 2009 und ist bis dato trotz einiger Rücksetzer nach wie vor intakt. Mit auffällig rückgängigen Kursen präsentierte sich der Euro-Bund-Future zuletzt lediglich beim letzten Kontraktwechsel. Der EZB-Zinsentscheid am 10. März 2016 hat den intakten Aufwärtstrend weiter manifestiert.

Die markttechnischen Indikatoren verhalten sich freundlich. Die Candlestick-Analyse ergibt weiterhin eine fundierte charttechnische Unterstützung bei 161,23 bis zu 160,75. Der lange vorherrschende Widerstand bei 164,00 wurde zudem am Dienstag dieser Woche überhandelt.

Alles in allem sprechen sowohl Markttechnik als auch Charttechnik sowie die fundamentalen Rahmendaten für eine längerfristige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung im Euro-Bund-Future. Die langfristigen Chartbilder des Euro-Bobl-Futures sowie des Euro-Schatz-Futures zeichnen ein nahezu analoges Bild.

Deutsche Börse - Fallendes Dreieck lenkt den Blick nach unten

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Die Aktie der Deutschen Börse  befindet sich seit Juni 2012 in einer übergeordneten Aufwärtsbewegung. Diese wurde im Jahr 2014 unterbrochen und mündete in eine fast zwölfmonatige Seitwärtsphase. Danach stieg die Aktie wieder deutlich. Fast unaufhaltsam ging es dann auf knapp 87 Euro. So geschehen im Juli 2015. Von diesem Zeitpunkt an formiert sich nun ein sogenanntes "Fallendes Dreieck".

Daraus resultiert eine Unterstützungslinie bei rund 72 Euro. Das Papier notiert aktuell bei knapp 73 Euro. Zudem kommt, dass die 200-Tage-Linie (78,05) Ende des letzten Jahres unterschritten wurde. Seither konnte diese nicht wieder zurückerobert werden. Dies spricht für eine relative Schwäche.

Die charttechnische Lage spitzt sich nun immer mehr zu. Ein nachhaltiges Unterschreiten der 72-Euro-Marke könnte ein Absacken bis zu 69 Euro nach sich ziehen. Markttechnisch zeichnet der MACD-Indikator noch ein neutrales Bild.

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