Dax über 16.000 Punkte Börsen starten mit Kursrallye ins neue Jahr

Der Dax startet mit deutlichen Gewinnen ins Jahr 2022 und nähert sich seinem Rekordniveau. Der europäische Aktienindex Eurostoxx 600 und der US-Index S&P 500 notieren bereits auf Rekordhoch. Anleger ignorieren Omikron wie auch die Inflation. Gefragt ist die Aktie von Biontech.
Mit Gewinnen ins neue Jahr: Im abgelaufenen Börsenjahr hat der Dax 16 Prozent zugelegt, am ersten Handelstag des Jahres 2022 legt er weiter zu

Mit Gewinnen ins neue Jahr: Im abgelaufenen Börsenjahr hat der Dax 16 Prozent zugelegt, am ersten Handelstag des Jahres 2022 legt er weiter zu

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am Montag optimistisch in das Handelsjahr 2022 gestartet. Der hiesige Leitindex Dax  knüpfte an seine Ende Dezember gestartete Erholungsrally an und stieg bis Mittag um 1,1 Prozent auf 16.043 Punkte. Zum Handelsschluss notierte der Dax 0,9 Prozent höher bei 16.020 Punkten. Das Börsenbarometer hatte zuletzt Ende November über der Marke von 16.000 Punkten notiert. Der MDax  zog um 1 Prozent auf 35.488 Punkte an. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um 1 Prozent nach oben. Der breit gefasste Stoxx600 gewann 0,7 Prozent und markierte mit 491 Zählern ein Rekordhoch.

Dax

Der Dax hatte 2021 mit einem Plus von fast 16 Prozent das dritte Gewinnjahr in Folge verbucht. Aktuell setzen Anleger darauf, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globale Wirtschaftsleistung in Grenzen halten. Die Marktteilnehmer positionierten sich vermehrt für das aktuelle Börsenjahr mit starkem Fokus auf zyklische Unternehmen aus dem Automobilbereich und aus der Flugzeugbranche, schrieb Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect.

"Auch wenn Indikatoren ein eher moderates Wirtschaftswachstum signalisieren, stehen bei Aktien die Ampeln vorerst auf Grün", sagte Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Euroswitch. Allerdings könne man nicht erwarten, dass die jüngste Rally im selben Tempo weitergehe. "Das Jahr 2022 dürfte einige Überraschungen bieten, die die Anleger zum Nachdenken zwingen. Ein 'weiter so', in jeder Nachricht nur die guten Aspekte zu lesen, ist unwahrscheinlich."

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Gleichwohl profitierten zu Jahresbeginn insbesondere Luftfahrtwerte unter anderem von den vorsichtigen Entspannungssignalen mit Blick auf Omikron. Als Antrieb hinzu kamen Kaufempfehlungen der US-Bank Citigroup, welche die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport und der Fluggesellschaft Deutsche Lufthansa um mehr als vier beziehungsweise gut sechs Prozent in die Höhe schnellen ließen.

Die Langstrecken-Fluggesellschaften dürften von der anhaltenden Dynamik im Frachtverkehr, der Erholung bei den Geschäftsreise- und Transatlantik-Flügen sowie der Wiedereröffnung des Asien-Pazifik-Verkehrs profitieren, schrieb Citigroup-Analyst Sathish Sivakumar. Deshalb sollten sich die Langstrecken-Airlines im laufenden Jahr besser entwickeln als die nur Kurz- und Mittelstrecken bedienenden Konkurrenten.

Delivery Hero und Airbus gefragt

Ein durchwachsenes Börsendebüt legte Iveco hin. Die Papiere des Lkw-Bauers erschienen erstmals mit 11,26 Euro auf den Kurszetteln in Mailand und fielen dann um fast fünf Prozent auf 10,72 Euro. Die Titel der bisherigen Iveco-Mutter CNH gewannen dennoch 1,4 Prozent. Das Geschäft mit Landmaschinen werde künftig der Haupt-Gewinntreiber des Industriekonzerns, prognostizierte Analyst Dawit Woldemariam vom Research-Haus Morningstar.

Im Dax mischten sich die Anteilsscheine von Airbus mit einem Anstieg um gut drei Prozent unter die besten Werte im Index. Der Flugzeugbauer hatte kurz vor Jahresschluss einen weiteren Großauftrag eingesammelt. Der Flugzeugfinanzierer Aviation Capital Group bestellte 40 Maschinen aus der Modellfamilie A320neo.

Die Papiere von Delivery Hero drehten nach anfänglichen Verlusten schnell ins Plus und legten zuletzt um knapp zwei Prozent zu. Der Berliner Lieferdienst will gegen Ausgabe neuer Aktien die Mehrheit an dem spanischen Konkurrenten Glovo übernehmen.

US-Börsen im Vorwärtsgang, Tesla und Biontech mit Kurssprung

An den US-Aktienmärkten zeichnet sich am ersten Handelstag des neuen Jahres eine festere Eröffnung ab. Börsianer verwiesen auf positive Vorgaben von den starken europäischen Börsen. Der Broker IG taxierte den Dow Jones Industrial knapp eine Stunde vor Handelsbeginn mit plus 0,43 Prozent auf 36 494 Punkte. Den technologielastigen Nasdaq 100 sah IG rund 0,7 Prozent höher.

Die Aktien von Tesla dürften nach rekordhohen Auslieferungszahlen des Elektroauto-Herstellers mit einem Kurssprung in das neue Jahr starten. Im vorbörslichen US-Handel schnellten sie um 6,8 Prozent nach oben. Tesla brachte im vierten Quartal 308 600 Fahrzeuge an die Kunden, während der Markt mit nur 263 000 gerechnet hatte. Im gesamten Jahr kommt das Unternehmen auf gut 936 000 Auslieferungen, ein Plus von 87 Prozent im Vergleich zu 2020. Der Vorreiter bei der Auto-Elektrifizierung will auf lange Sicht ein jährliches Plus von mindestens 50 Prozent bei den Auslieferungen halten.

Zu den Gewinnern zählte auch die Aktie des Mainzer Impfstoffherstellers Biontech. Die an der Nasdaq notierten Titel legten im frühen Handel um rund 5 Prozent zu und startete damit einen Erholungsversuch. In den Wochen zuvor hatte das Biontech-Papier deutlich nachgegeben.

Nasdaq

Evergrande-Aktien vom Handel ausgesetzt

Mit Verlusten ist die Hongkonger Börse ins Börsenjahr 2022 gestartet. Der Leitindex Hang Seng fiel am Montag um 0,6 Prozent auf 23.262 Punkte. Die meisten anderen Börsen in Asien blieben wegen des nachgeholten Neujahrsfeiertages geschlossen. "Der schwache Trend hängt mit den anhaltend negativen Nachrichten vom festlandchinesischen Immobilienmarkt zusammen", sagte Anlagestratege Kenny Ng vom Brokerhaus Everbright Sun Hung Kai. Die Aktien des kriselnden Immobilienkonzerns China Evergrande blieben wegen einer bevorstehenden Mitteilung von Handel ausgesetzt. Das mit rund 300 Milliarden Dollar verschuldete Unternehmen hatte vergangene Woche erneut Zinszahlungen für eine Anleihe verstreichen lassen. Außerdem ordnete eine Gemeinde auf der chinesischen Ferieninsel Hainan den Abriss von 39 Gebäuden an, da diese illegal errichtet worden seien.

Türkische Lira auf Rekordtief

Unter Verkaufsdruck geriet die türkische Währung, nachdem die Inflation in dem Land mit 36 Prozent den höchsten Wert seit fast 20 Jahren erreicht hatte. In Gegenzug werteten Dollar und Euro um jeweils rund ein Prozent auf 13,468 beziehungsweise 15,3056 Lira auf. "Die Leitzinsen sollten umgehend und aggressiv angehoben werden", forderte Özlem Derici Sengül, Mit-Gründerin der Beratungsfirma Spinn Consulting. "Im März wird die Inflation wahrscheinlich 40 bis 50 Prozent erreichen." Die türkische Notenbank hat den Schlüsselsatz in den vergangenen Monaten allerdings auf Druck des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wiederholt gesenkt.

Bitcoin knapp unter 47.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Montagmorgen auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 47.000 Dollar. Ihr Tiefstand im vergangenen Jahr markierte die Cyberdevise bei 27.734 US-Dollar am 4. Januar, seitdem hatte sich der Kurs zeitweise mehr als verdoppelt. Anfang November erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch bei 67.000 US-Dollar.

Bitcoin

Bitcoin

Ölpreise legen zu

Am Rohölmarkt ging es ebenfalls aufwärts. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  78,90 US-Dollar. Das waren 1,4 Prozent mehr als am Freitag. Als Grund hiefür nannten Börsianer libysche Lieferausfälle wegen Wartungsarbeiten an einer wichtigen Pipeline. Unabhängig davon erwartet die Opec+ keine nachhaltige Abschwächung der Nachfrage durch Omikron. Insidern zufolge werden die großen Erdöl-Exporteure daher am Dienstag eine weitere Ausweitung der Fördermengen beschließen. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 55 Cent auf 75,76 Dollar.

Brent

Brent

Am Freitag hatte die Sorge vor den Folgen der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft die Ölpreise belastet. Der Preis für US-Öl war um mehr als zwei Prozent gefallen. Zu Beginn der ersten Handelswoche des Jahres verwies ein Rohstoffexperte auf Schnäppchenjäger, die für eine stärkere Nachfrage am Ölmarkt sorgten.

Außerdem wurden die steigenden Ölpreise zum Wochenstart mit geringeren Öllieferungen aus Libyen erklärt. In dem Opec-Land werden die Liefermengen derzeit durch einem Schaden an einer wichtigen Ölpipeline begrenzt.

Mit Nachrichtenagenturen
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