Börsenschluss Anleger strafen Bayer ab

Erneut prallt der Dax an der Marke von 14.000 Punkten ab und schließt darunter. Zwischen steigenden Anleiherenditen und der Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Wirtschaft fühlen sich die Investoren offenbar hin- und hergerissen. Eine Stütze im Dax waren Finanzwerte.
Bulle an der Börse: Am Freitag machten Anleger an den Aktienmärkten erst einmal Kasse

Bulle an der Börse: Am Freitag machten Anleger an den Aktienmärkten erst einmal Kasse

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Der deutsche Aktienmarkt tut sich weiter schwer auf dem Weg nach oben. Der Leitindex Dax ging am Donnerstag mit einem Minus von 0,69 Prozent auf 13.879 Punkte aus dem Handel. Zu Beginn war er nach gut einer Woche wieder über die Marke von 14.000 Punkten gestiegen, kam dort aber schnell an seine Grenzen. Am Nachmittag wurden die schwachen US-Börsen zur Belastung.

Dax

Anleger schwanken zwischen Hoffen und Bangen: "Auf der einen Seite sind da die Sorgen wegen der steigenden Anleiherenditen", sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Dem gegenüber stehe die Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Wirtschaft von den Virus-Folgen.

"Das Niveau oberhalb von 14.000 Punkten scheint für den Dax weiterhin zu luftig zu sein", kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect. Auch der MDax , der zuletzt noch viel deutlicher als der Dax abgerutscht war, konnte sich am Donnerstag nicht nachhaltig erholen. Er schloss 0,37 Prozent tiefer bei 31.640 Punkten.

Staatsanleihen fliegen aus dem Depot

Zugleich warfen Investoren aus Furcht vor einer anziehenden Inflation ertragsschwache Staatsanleihen aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf minus 0,214 Prozent, den höchsten Stand seit knapp einem Jahr. Ihre US-Pendants rentierten mit plus 1,494 Prozent auf einem Zwölf-Monats-Hoch. Steigende Renditen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen.

Rote Vorzeichen auch an der New Yorker Wall Street, nach den Kursanstiegen zur Wochenmitte gaben die wichtigsten Aktienindizes nun teils deutlich nach. Der US-Leitindex Dow Jones  verlor 0,91 Prozent auf 31.696 Punkte, nachdem er am Mittwoch noch erstmals über 32.000 Punkte geklettert war. Der marktbreite S&P 500  fiel um 1,5 Prozent auf 3866 Punkte und der technologielastige Nasdaq 100  rutschte gar um 2,23 Prozent ab. Allerdings waren Technologietitel in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich stark gestiegen, nun machten Anleger weiter Kasse.

Eine Stütze waren am Donnerstag die Finanzwerte. Die Papiere der Deutschen Bank  zogen an der Dax-Spitze um 3,9 Prozent auf den höchsten Stand seit Spätsommer 2018. Jene der Commerzbank  legten im MDax um drei Prozent zu. Experten zufolge ist die Branche der wohl wichtigste Profiteur einer steileren Zinskurve.

Ansonsten gab es zahlreiche Zahlenvorlagen mit eher durchwachsenem Fazit zu verarbeiten. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer  enttäuschte den Markt mit seinem Ausblick auf das laufende Jahr. Zudem kürzte das Management nach einem Milliardenverlust im vergangenen Jahr die Dividende. Die Aktie sackte daraufhin am Dax-Ende um 6,4 Prozent ab.

Besser kam der Jahresbericht von Munich Re  an, die Papiere zählten mit einem Anstieg um 1,5 Prozent zur Spitzengruppe im Dax. Der Rückversicherer erlitt zwar heftige Einschläge durch die Corona-Pandemie, wittert aber wieder bessere Geschäfte. Positiv werteten einige Experten die Aussagen zu den absolvierten Vertragserneuerungen.

Bitcoin leicht erholt

Wieder nach oben ging es auch für Bitcoin. Nach dem Absturz am Dienstag kletterte die wichtigste Cyberdevise zeitweise wieder über die Marke von 50.000 Dollar. "Der gestrige Kursschock sitzt Anlegern noch tief in den Knochen", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Nach einem Rekordhoch von 58.445 Dollar war die Kryptowährung am Dienstag zeitweise auf knapp 45.000 Dollar abgerutscht.

Bitcoin

Um 1,4 Prozent aufwärts ging es außerdem für die Anteilscheine von Deutsche Telekom  . Sie profitierten davon, dass sich die Mobilfunktochter T-Mobile US in einer Auktion günstiger als befürchtet mit Frequenzspektrum eingedeckt hat, das für den neuen Mobilfunkstandard 5G verwendet werden kann.

In der zweiten Reihe sprangen die Anteilscheine von Aixtron  um 13,6 Prozent nach oben. Starke Quartalszahlen und ein ebenso starker Ausblick des Anlagenbauers ließen den Kurs in der Spitze erstmals seit 2011 wieder über die 20-Euro-Marke schnellen. Experten stimmten vor allem auf die Auftragsentwicklung eine Lobeshymne an.

Hinten im MDax standen nach Zahlen Freenet  und Telefonica Deutschland  mit Abgaben von bis zu 3,8 Prozent. In beiden Fällen fielen die Urteile von Experten gemischt aus, bei Freenet sahen einige Schwächen im vierten Quartal. Bei der Tochter der spanischen Telefonica dürfte auch eine aufgegebene Kaufempfehlung durch die britische Bank HSBC belastet haben.

Im SDax knüpften die Anteile von Takkt nach gut aufgenommenen Zahlen mit einem Plus von 4,4 Prozent an ihren Kurssprung vom Vortag an, der mit einer Dividendenzusage in Zusammenhang stand. Krones dagegen sackten dort um 5,9 Prozent ab. Der Hersteller von Verpackungsanlagen meldete einen überraschend hohen Quartalsverlust.

USD/EUR

Der Euro sprang über die Marke von 1,22 US-Dollar und wurde zuletzt mit 1,2224 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,2225 (Mittwoch: 1,2146) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8180 (0,8233) Euro.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen von minus 0,36 Prozent am Vortag auf minus 0,32 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,19 Prozent auf 144,56 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,71 Prozent auf 173,01 Punkte.

mit Nachrichtenagenturen
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