Börse Dax schließt erstmals über 16.000 Punkten

Am Aktienmarkt läuft die Kursrallye: Der Dax erreicht am Donnerstag ein Rekordhoch. Ein Milliardengebot lässt die Aktie des Büroinvestors Alstria hochschießen. Auch die Indizes der Wall Street starten mit neuen Bestwerten.
Dax auf Rekordhoch: Der Dax notiert wieder über der Marke von 16.000 Zählern. Wie lange hat der Bulle noch Kraft?

Dax auf Rekordhoch: Der Dax notiert wieder über der Marke von 16.000 Zählern. Wie lange hat der Bulle noch Kraft?

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Dax  hat am Donnerstag ein neues Rekordhoch erreicht. Am Nachmittag notierte der deutsche Leitindex mit 16.064,79 Punkten auf seiner Bestmarke. Bis zum Handelsschluss auf Xetra hielt er noch ein Plus von 0,4 Prozent auf 16029,65 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel gewann 0,9 Prozent auf 35.881,87 Zähler, er ist von seinem Rekordhoch noch etwas entfernt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  legte 0,5 Prozent auf 4331,22 Punkte zu.

Dax

Auch der Höhenflug der Wall Street geht weiter. Die Leitindizes Nasdaq 100  und S&P 500  stiegen zum Handelsbeginn auf Rekordhochs. Zum Xetra-Schluss gewann der Nasdaq 0,6 Prozent auf 15.908 Punkte, der S&P 500 stieg um 0,2 Prozent auf 4671 Zähler. Lediglich der Dow Jones  fiel um 0,3 Prozent zurück auf 36.066 Punkte. Getragen wird die Rallye unter anderem von der Aussicht, dass sich die US-Notenbank mit Zinserhöhungen Zeit lassen will.

Nasdaq

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Höhere Zinsen rücken in die Ferne

Die Signale der US-Notenbank vom Vorabend waren nach dem Geschmack der Anleger. "Die Zentralbanken nehmen den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal, sie werden aber nicht auf die Bremse treten", sagte Anlagestratege Hugh Gimber von der Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan. Zwar drosselt die Federal Reserve wie erwartet ihre Anleihenkäufe. Gleichzeitig dämpfte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwochabend Spekulationen auf baldige Zinserhöhungen.

Am Donnerstag erteilte auch die Bank of England höheren Zinsen eine Absage. Als Reaktion auf den Zinsentscheid fiel das Pfund Sterling auf ein Viereinhalb-Wochen-Tief von 1,3530 Dollar beziehungsweise 1,1702 Euro. Bei britischen Staatsanleihen griffen Investoren dagegen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf plus 0,980 Prozent. In ihrem Windschatten rentierten ihre deutschen Pendants mit minus 0,207 Prozent so niedrig wie zuletzt vor rund einem Monat.

Milliardengebot aus Kanada für Alstria

Mit einem Kurssprung von 17 Prozent hob sich die Aktie des Immobilienkonzerns Alstria Office  einsam an die Spitze des MDax. Der kanadische Immobilien- und Infrastruktur-Investor Brookfield greift für bis zu fünf Milliarden Euro nach dem Hamburger Bürovermieter. "Wir glauben an Büros", sagte Brad Hyler, der für Brookfield das Immobiliengeschäft in Europa managt, der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Unternehmen werden ihre Büroflächen künftig aber anders, flexibler nutzen." Alstria-Vorstandschef Olivier Elamine stellte sich hinter den Plan, das Unternehmen zu verkaufen und von der Börse zu nehmen. Brookfield hat laut Hyler bereits Zugriff auf 12 Prozent der Alstria-Aktien. Deren Kurs von 19,50 Euro entsprach dem Gebot der Kanadier, die eine Mehrheit von mehr als 50 Prozent anstreben.

Zalando an der Dax-Spitze

Die Aktien von Zalando  erholten sich etwas von ihrem 9,5-prozentigen Kurssturz am Vortag. Obwohl gleich mehrere Bankanalysten ihre Kursziele für den Modehändler am Donnerstag senkten, stieg die Aktie schließlich als stärkster Wert im Dax um 4,5 Prozent.

Zalando

Gefragt waren auch die Aktien der Deutschen Post , die sich um 3 Prozent verteuerten. Die nach starken Vierteljahreszahlen angehobenen Geschäftsziele lägen teilweise über Markterwartungen, lobte Analyst David Kerstens von der Investmentbank Jefferies.

Healthineers-Aktie auf Rekordhoch

Siemens Healthineers meldete Rekordumsatz und -gewinn am oberen Ende der eigenen Prognosen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr 2020/21. Dafür sorgten das milliardenschwere Geschäft mit Antigen-Schnelltests auf das Coronavirus sowie Nachholeffekte, weil Ärzte und Krankenhäuser in der ersten Phase der Pandemie weniger investiert hatten. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Healthineers-Chef Bernd Montag mit einer Normalisierung: Das Umsatzwachstum soll mit 5 bis 7 Prozent dann nur halb so hoch ausfallen wie im vergangenen Geschäftsjahr. Der bereinigte Nettogewinn je Aktie soll aber um rund ein Fünftel steigen. Zukünftig verspricht der Medizintechnikkonzern weitere Renditesprünge durch die 16,4 Milliarden Dollar teuere ÜBernahme des US-Krebsbehandlungsspezialisten Varian. Die Healthineers-Aktie  erreichte am Vormittag ein Rekordhoch von 62,18 Euro, stand zuletzt mit 61,15 Euro noch 1,8 Prozent im Plus.

Deutsche Bank am Dax-Ende

Die Aktie der Deutschen Bank  verbuchte mit 3,7 Prozent das stärkste Minus im Dax. Insgesamt wurden Bankaktien am Nachmittag wieder eher verkauft, da die Aussicht auf steigende Zinsen nachließ - obwohl mehrere Banken überragende Geschäftszahlen vorlegten. Die Société Générale beispielsweise steigerte ihren Gewinn um 86 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, die ING um drei Viertel auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Die Finanzkonzerne profitierten vom boomenden Aktienhandel und auf einen Bruchteil der Vorjahreswerte gekürzten Risikovorsorge für Kreditausfälle.

Brenntag und Lanxess enttäuschen

Brenntag konnte mit einem Umsatz- und Gewinnsprung nicht überzeugen. Das operative Ergebnis liege nur knapp über den Erwartungen und die Gesamtjahresziele seien lediglich bekräftigt worden, monierte ein Börsianer. Die Titel des Chemikalienhändlers, die in den vergangenen Wochen mehr als 6 Prozent zugelegt hatten, rutschten um 2,5 Prozent ab.

Als schwächster Wert im MDax verlor die Lanxess-Aktie 7 Prozent. Explodierende Energie- und Rohstoffpreise sowie hohe Frachtkosten stimmen den Chemiekonzern pessimistischer für das laufende Geschäftsjahr. Der Kostendruck dürfte im vierten Quartal noch einmal zunehmen und lediglich das untere Ende der Prognose eines Betriebsgewinns von 1,0 bis 1,05 Milliarden Euro erreicht werden. Im dritten Quartal baute Lanxess sein Ergebnis deutlich aus: Bereinigt wuchs dieses um 44 Prozent auf 278 Millionen Euro und lag damit leicht über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt 276 Millionen Euro prognostiziert hatten. Der Umsatz legte um gut ein Drittel auf 1,95 Milliarden Euro zu. Lanxess gab die hohen Rohstoffkosten durch Preisanstiege von bis zu 20 Prozent im vergangenen Quartal weiter.

Aussage gegen Aussage in Daimlers Dieselstreit

Die Aktie von Daimler brach am Nachmittag vorübergehend um mehr als 4 Prozent ein, nachdem DER SPIEGEL über neue Enthüllungen von Abgasmanipulationen berichtete . Der Deutschen Umwelthilfe zufolge offenbarte der Kfz-Softwareexperte Felix Domke in einem Gutachten im Auftrag einer US-amerikanischen Anwaltskanzlei acht bisher unbekannte Abschalteinrichtungen (Defeat Devices) in einer Mercedes-Benz E-Klasse mit Euro 6 Diesel. Daimler widersprach, die beschriebenen Funktionen seien bekannt und keine unzulässige Abschalteinrichtung. Zuletzt lag der Aktienkurs mit 87 Euro nur noch leicht im Minus.

Zweistelliges Plus für Qualcomm

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte Qualcomm. Die Titel des Mobilfunkchipspezialisten verbuchten nach einem Quartalsergebnis über Markterwartungen mit einem Plus von gut 15 Prozent den größten Kurssprung seit einem Jahr. Das Unternehmen profitiere vom Verkaufserfolg von Smartphones mit dem neuen Mobilfunk-Standard 5G, kommentierte Analyst Abhinav Davuluri vom Research-Haus Morningstar. Er rechne daher auch 2022 mit Rekordergebnissen.

Erste Zulassung für Corona-Pille von Merck & Co.

Die Gewinner im Dow Jones führte der Pharmariese Merck & Co. mit plus 2,7 Prozent an. Das Medikament Molnupiravir zur Behandlung von leicht bis mittelschwer erkrankten Covid-Patienten erhielt in Großbritannien die weltweit erste Zulassung. Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid sprach von einem "historischen Tag" für sein Land: Zum ersten Mal gebe es ein "antivirales Mittel zur Behandlung von Covid-19, das zu Hause eingenommen werden kann". Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft derzeit ebenfalls eine Zulassung von Molnupiravir. Am Donnerstag kündigte die Behörde an, das Prüfverfahren zu beschleunigen.

Moderna-Aktie bricht ein

Die Aktie des Impfstoffherstellers Moderna  hingegen brach um 18 Prozent ein. Das Unternehmen kappte die Prognose auf Basis seiner bereits getroffenen Verkaufsvereinbarungen am Donnerstag auf 15 Milliarden bis 18 Milliarden Dollar. Zuvor hatte sie bei rund 20 Milliarden Dollar gelegen.

Bitcoin über 60.000 US-Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin pendelte am Donnerstag knapp um die Marke von 62.000 US-Dollar. Damit nähert sich die weltweit wichtigste Cyberdevise wieder ihrem Rekordhoch aus dem Vormonat. Bei Ethereum hatte die Investoren erneut beherzt zugegreiffen. Am Morgen wurde ein Rekordhoch von 4658 Dollar erreicht.

Bitcoin

Ölpreise fahren zur Opec-Sitzung Achterbahn

Unterdessen ging der Ölpreis auf Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite gibt die "Opec+", zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, dem internationalen Druck nach einer rascheren Produktionsausweitung nicht nach und erhöht die Quoten weiter wie geplant um monatlich 400.000 Barrel pro Tag. Auf der anderen Seite berichtete der Sender Al Arabiya, Saudi-Arabiens Ölproduktion werde erstmals seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wieder die Marke von zehn Millionen Barrel pro Tag überschreiten. Am Abend notierte die Ölsorte Brent aus der Nordsee kaum verändert bei 82,01 Dollar je Barrel (159 Liter).

Brent

In den vergangenen Tagen haben die Erdölpreise schwächer tendiert und sich damit von ihren im Oktober markierten mehrjährigen Höchstständen entfernt. Als eine Ursache nennen Beobachter Forderungen großer Ölverbrauchsländer wie den USA nach einer deutlichen Angebotsausweitung. Hintergrund sind erhebliche Ölpreissteigerungen in den vergangenen Monaten, die die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie belasten.

Dass die großen Förderländer dem Ruf nach deutlich mehr Rohöl nachkommen, gilt zurzeit als unwahrscheinlich. Fachleute erwarten, dass der Ölverbund Opec+ am heutigen Donnerstag seinem Kurs treu bleiben wird und seine Produktion in moderatem Tempo schrittweise ausweitet. Die Ölgiganten Saudi-Arabien und Russland, die den Verbund anführen, sind bekannt für ihre eher vorsichtige Herangehensweise.

Mit Nachrichtenagenturen
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