Börse Dax erneut schwach, Anleger in Sorge

Der deutsche Aktienmarkt knüpft mit weiteren Verlusten an den schlechten Vortag an. Dabei befeuerten erneut schwache Konjunkturdaten aus den USA die Zins- und Rezessionsängste der Anleger. Der Bitcoin dreht ins Plus.
Händlerin an der Börse: Der Dax verliert 0,9 Prozent

Händlerin an der Börse: Der Dax verliert 0,9 Prozent

Foto: Frank Rumpenhorst/ DPA

Nach Abschlägen von mehr als 2 Prozent im Verlauf des Tages konnte der Dax  bis zum Handelsschluss den Kursverlust zumindest reduzieren und verabschiedete sich 0,90 Prozent tiefer bei 13.882 Zählern. Die Investoren verkauften Aktien aus Angst vor Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum und den Unternehmensgewinnen, resümierte Analyst Thomas Altmann von QC Partners. Auch der MDax  dämmte das Minus bis zur Schlussglocke ein und verlor nur noch 0,23 Prozent auf 29.034 Zähler.

Die europäischen Leitbörsen gingen mit höheren Abschlägen aus dem Handel. Der EuroStoxx 50  fiel um 1,36 Prozent auf 3641 Punkte, ähnlich stark büßte der Cac 40 in Paris ein. Für den FTSE 100 in London ging es noch etwas deutlicher bergab.

Laut Experte Altmann nimmt unter den Investoren das Vertrauen in die Zentralbanken deutlich ab. "Immer weniger Anleger glauben, dass der US-Notenbank Fed eine weiche Landung der US-Wirtschaft gelingt." Schwache Konjunkturdaten wie etwa die zuletzt unerwartet stark gestiegenen wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA könnten aus Sicht von Anlegern solche Befürchtungen untermauern.

Ceconomy-Aktie verliert mehr als 7 Prozent

Lebensmittelhersteller, Einzelhändler und Konsumgüterwerte gehörten zu den größten Tagesverlierern, nachdem US-Handelsunternehmen wie Walmart und Target vor Einbußen gewarnt hatten: Aktien von Nivea-Hersteller Beiersdorf gaben um 2,1 Prozent nach, ebenso die Anteile am Konkurrenten Henkel. Besonders stark fielen die Papiere des Elektronikhändlers Ceconomy – mit einem Kursrückgang von mehr als 7 Prozent.

Für den Sportartikelhersteller Adidas ging es um rund 2,3 Prozent abwärts, Puma verloren rund 1,5 Prozent – hier gab es ebenfalls schlechte Branchennachrichten mit dem Abtritt des Chefs beim Wettbewerber Under Armour nach einem schwachen Quartal.

Zudem zog die tags zuvor vom US-Telekomausrüster Cisco wegen Corona-Lockdowns in China und Lieferkettenproblemen verbreitete Umsatzwarnung hierzulande einige Technologiewerte in Mitleidenschaft: Die Titel der auf die Chipindustrie ausgerichteten Wacker Chemie gehörten mit 1,7 Prozent Kursabschlag zu den schwächeren Werten im MDax, Aktien von Halbleiterhersteller Infineon konnten hingegen ihren Tagesverlust bis Handelsende in ein moderates Plus verwandeln.

Auch die von der Konjunktur stark abhängigen Autowerte gehörten zu den größeren Verlierern, allen voran Daimler Truck mit mehr als 2,5 Prozent Minus und Mercedes Benz – trotz frisch veröffentlichter ehrgeiziger Profitabilitätsziele des Managements – mit über 2 Prozent Abschlag.

US-Börsen weiter angespannt

Die Bremswirkung der steigenden Inflation auf die US-Wirtschaft treibt die Anleger an der Wall Street weiter um. Die Börsen taten sich am Donnerstag schwer, eine klare Richtung zu finden. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 1 Prozent auf 31.171 Punkte, der breiter gefasste S&P 500 sank um 0,5 Prozent auf 3903 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq startete einen Erholungsversuch und notierte zuletzt 0,6 Prozent höher bei 11.491 Punkten.

Sinkende Gewinne von Einzelhandelsriesen wie Target machten Börsianern zufolge deutlich, wie sich der Teuerungsschub auf die Kaufkraft der Amerikaner auswirkt. "Die Verbraucherkomponente beginnt sich jetzt abzuschwächen, was die Aussicht verstärkt, dass wir tatsächlich auf eine Rezession zusteuern", sagte Randy Frederick, Investmentexperte bei Charles Schwab. Der Konsum ist der Hauptmotor, die Verbraucherausgaben machen mehr als zwei Drittel der Wirtschaftstätigkeit aus.

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Am Markt wird spekuliert, die Fed könne angesichts des anhaltend hohen Preisauftriebs künftig zu noch größeren Zinsschritten in Höhe von einem Dreiviertel-Prozentpunkt gezwungen sein. "Die zentrale Sorge, mit der die Anleger derzeit konfrontiert sind, ist, wie die Federal Reserve in der Lage sein wird, die Inflation zu zähmen, ohne eine Rezession zu verursachen", sagte Ryan Belanger, geschäftsführender Direktor und Gründer vom Beratungshaus Claro Advisors. "Anleger sollten sich an signifikante Abwärts- und Aufwärtsbewegungen bei Aktien gewöhnen, was in Zeiten enormer Unsicherheit üblich ist."

Börsen in Asien unter Druck

Auch die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte haben am Donnerstag einen Rücksetzer erlitten. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss 1,89 Prozent tiefer mit 26.402 Punkten. In Festland-China hielten sich die Notierungen etwas besser, nachdem sie am Vortag den Gesamtmärkten hinterhergehinkt waren. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland tendierte kaum verändert. Der Hang Seng der Sonderverwaltungszone Hongkong sank im späten Handel dagegen um 2,34 Prozent auf 20.161 Punkte.

Bitcoin überschreitet 30.000-Dollar-Marke

Die Digitalwährung Bitcoin hat am Donnerstag wieder der Marke von 30.000 Punkten überschritten. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 30.100 US-Dollar. Vergangene Woche war der Bitcoin auf 26.283 US-Dollar gefallen. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Bitcoin

Ölpreise legen wieder zu

Die Ölpreise haben am Donnerstag nach deutlichen Vortagsverlusten etwas zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  110,04 US-Dollar. Das waren 88 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 23 Cent auf 109,82 Dollar.

Von den Vortagesverlusten machten die Ölpreise jedoch nur einen kleinen Teil wett. Wie schon am Mittwoch dämpfte die trübe Stimmung an den Aktienmärkten die Preise. "Einen ölmarktspezifischen Grund für den Preisrückgang gestern gab es nicht", kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. "Wir führen den Preisrückgang daher eher auf externe Einflussfaktoren wie den Ausverkauf an den US-Aktienmärkten zurück."

Die Rohölpreise bewegen sich schon seit Längerem in einer Spanne von etwa 15 Dollar, halten sich aber meistens über der Marke von 100 Dollar. Dass sie nicht stärker fallen, hängt vor allem an dem weltweit knappen Angebot, nachdem vornehmlich westliche Länder scharfe Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs in der Ukraine ergriffen haben. Ein Erdöl-Embargo seitens der Europäischen Union lässt wegen Widerstands einiger Länder jedoch weiter auf sich warten.

Mit Nachrichtenagenturen