Börse Wall Street schwächelt, Dax baut Verluste aus

Achterbahnfahrt an der Frankfurter Börse: Hatte der Dax seine Verluste zwischenzeitlich deutlich reduziert, geht es mit einer schwächeren Börse in New York am Nachmittag wieder nach unten. Die Deutsche Bank-Aktie zählt zu den wenigen Gewinnern im Dax.
Trübe Aussichten: Die Zinsen steigen, das belastet die Aktien

Trübe Aussichten: Die Zinsen steigen, das belastet die Aktien

Foto: Arne Dedert / dpa

Auch einen Tag nach der neuerlichen Zinserhöhung in den USA neigen die Börsen dort zur Schwäche. Im frühen Handel am Donnerstag gab der Leitindex Dow Jones um 0,45 Prozent auf 30.047 Punkte nach und droht nun erstmals seit Mitte Juni wieder unter die runde Marke von 30.000 Zähler zu fallen. Der marktbreite S&P 500  verlor 0,67 Prozent auf 376 Zähler. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 fiel um 0,88 Prozent auf 11 535,81 Punkte etwas weiter zurück.

Nasdaq 100

Volkswirte betonen vor allem die von den steigenden Zinsen ausgehenden Risiken: "Wir erwarten einen schnelleren Rückgang des Wachstums, sehen Aufwärtsrisiken für die Arbeitslosigkeit und gehen davon aus, dass die Inflation im nächsten Jahr etwas langsamer sinken wird", schrieb etwa David Page, Chefökonom von Axa Investment Managers.

Die dritte starke Leitzinserhöhung in den USA sowie die düsteren Aussagen der US-Notenbank Fed zur weiteren Entwicklung drückten auch die Kurse hierzulande, wobei sich der Dax zwischenzeitlich etwas fing und ab frühen Nachmittag die Kurve wieder deutlich nach unten zeigte: Der Dax  gab mit der schwächeren Wall Street weiter nach und notierte zuletzt rund 1,7 Prozent leichter bei 12.555 Punkten. Das Tagestief hatte bei 12.526 Punkten gelegen.

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Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  folgte dem Dax in etwa im Gleichschritt und lag zuletzt mit einem Minus von 1,50 Prozent bei 3440 Punkten. Der MDax  fiel zuletzt wieder steil ab und verbuchte ein Minus von 2,24 Prozent auf 23.371 Punkte.

Am Mittwochabend hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins zum dritten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Mit jetzt 3 bis 3,25 Prozent erreichte der US-Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation das höchste Niveau seit 14 Jahren. Mit der strengen Geldpolitik wächst das Risiko, dass die Zentralbank die Wirtschaft bald so stark ausbremst, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden. "Ich wünschte, es gebe einen schmerzlosen Weg", sagte Fed-Chef Jerome Powell. "Den gibt es nicht."

Powell machte zudem deutlich, dass mit den großen Zinsschritten noch lange nicht Schluss ist. "Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft für niemanden", sagte Powell. Anleger sorgten sich mehr und mehr vor einer "harten Landung", hieß es bei der Credit Suisse. Im Laufe des Handelstags steht weiter die Geldpolitik im Fokus. So wird um 13 Uhr die Entscheidung der britischen Notenbank (BoE) erwartet.

Europas Notenbanken erhöhen Zinsen

Als eine der letzten Notenbanken gibt nun auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach mehr als sieben Jahren die Negativzinsen auf. Angesicht eines erneut gestiegenen Inflationsdrucks wird der SNB-Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent angehoben, teilte die SNB am Donnerstag mit.

Auch die Zentralbank Norwegens hat die Zügel weiter angezogen. Am Donnerstag straffte sie ihre Geldpolitik mit einer Zinsanhebung um 0,5 Prozentpunkte, wie die Notenbank nach ihrer Sitzung in Oslo mitteilte. Analysten hatten mit der Entscheidung, die den Leitzins auf 2,25 Prozent steigen lässt, überwiegend gerechnet. Die Norges Bank hat ihre Geldpolitik bereits mehrfach gestrafft, um gegen die hohe Teuerung vorzugehen.

Die britische Notenbank reiht sich ein und erhöht den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. Es ist die mittlerweile siebte Zinserhöhung in Folge. Analysten hatten mit dem Schritt überwiegend gerechnet. Die japanische Zentralbank hielt dagegen am Donnerstag an ihrem Zielzins von minus 0,1 Prozent fest.

Deutsche Bank gefragt

Aktien der Deutschen Bank hatten nach optimistischen Aussagen von Finanzvorstand James von Moltke zwischenzeitlich mit fast 5 Prozent im Plus gestanden. Zuletzt betrug das Plus noch 2,2 Prozent bei rund 9 Euro. Fresenius und FMC rangierten dagegen mit einem Abschlag von 3 und 3,7 Prozent im unteren Drittel des Dax-Tableus. Konkrete Nachrichten dazu gab es nicht – beide Titel sind seit Monaten unter Druck und werden weiter von den Investoren gemieden.

Ebenfalls deutlich im Minus waren die Anteile des Online-Bekleidungshändlers Zalando. Dessen Anteile büßten zuletzt fast 5 Prozent auf 20,34 Euro ein. Grund für die Zalando-Verluste war eine Abstufung des Konkurrenten About You. Nizla Naizer, Analystin bei Deutsche Bank Research, stufte das Papier am Donnerstag von "Buy" auf "Hold" ab und senkte das Kursziel von 19 auf 9 Euro. Sie begründete den Schritt mit einem schwierigen Umfeld. Gerade im Modebereich mache sich die immer schlechtere Verbraucherstimmung bemerkbar. Die seit Sommer 2021 an der Börse gelistete About-You-Aktie fiel zuletzt noch um rund 1 Prozent und notierte mit 5,20 Euro nur knapp über dem Rekordtief von 5,14 Euro.

Bitcoin steigt

Die Digitalwährung Bitcoin kämpft sich wieder in die Gewinnzone. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 19.270 US-Dollar und damit 0,1 Prozent höher als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen wieder zu

Die Ölpreise sind am Donnerstag wieder gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  90,28 US-Dollar. Das waren 0,45 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 0,38 Dollar auf 83,32 Dollar.

Am Mittwoch hatten die Ölpreise mit einem sprunghaften Anstieg auf jüngste Aussagen des russischen Präsidenten reagiert. Knapp sieben Monate nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine hat Wladimir Putin eine Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte angeordnet. Es wurde eine Verschärfung des Krieges gegen die Ukraine befürchtet. Russland ist ein wichtiges Rohölförderland.

Im Tagesverlauf gaben die Ölpreise ihre Gewinne jedoch wieder ab und drehten in die Verlustzone. Die schwächelnde Weltwirtschaft rückte wieder in den Fokus. Im Kampf gegen die hohe Inflation haben viele Notenbanken die Leitzinsen deutlich erhöht, was die wirtschaftliche Entwicklung bremst.

Mit Nachrichtenagenturen
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