Dax und Dow knicken ein Die Angst geht um - Aktienanleger ziehen die Reißleine

Eine Inflation, die nicht nachlässt und Zinsen, die womöglich noch schneller steigen - Aktien-Anleger gehen in Deckung. Dax und Eurostoxx 50 verlieren mehr als drei Prozent, tiefrote Vorzeichen auch an der Wall Street. Banken- und Immobilienwerte verlieren stark.
Aktienhändlerin an der Börse: Der Dax gerät erneut unter Druck

Aktienhändlerin an der Börse: Der Dax gerät erneut unter Druck

Foto: REUTERS/Ralph Orlowski

Schwindende Hoffnungen auf ein Nachlassen der Inflation und die Furcht vor einem Konjunkturabschwung vertreiben Anleger aus den Aktienmärkten. Dax  und EuroStoxx50  fielen am Freitag um jeweils mehr als drei Prozent auf 13.761,83 beziehungsweise 3596,64 Punkte. Im Dax war es der größte Tagesverlust seit dreieinhalb Monaten. An den Leitbörsen in Paris und London ging es ebenfalls deutlich abwärts.

Dax

Zusätzlicher Druck kam am Nachmittag nach US-Verbraucherpreisdaten auf. Die Inflation in der weltgrößten Volkswirtschaft kletterte im Mai auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gab zum Handelsschluss in Europa 2,4 Prozent nach. Der Technologieindex Nasdaq 100 rutschte um 3,46 Prozent ab. Der erneute Anstieg der US-Inflation schürt Spekulationen auf ein anhaltend hohes Tempo bei künftigen Zinserhöhungen der Notenbank Fed. Dies hievte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, am Freitag um bis zu 0,6 Prozent auf ein Dreieinhalb-Wochen-Hoch von 103,95 Punkten.

Nasdaq 100

Da eine Entspannung bei der Inflation auch in Europa nicht abzusehen sei, werde die Europäische Zentralbank (EZB) mit ziemlicher Sicherheit ihrer ersten Zinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt im Juli einen doppelt so großen Schritt im September folgen lassen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Gleichzeitig seien die Wachstumsprognosen der Währungshüter zu optimistisch, warnten die Experten der Bank Morgan Stanley. "Die Staatengemeinschaft wird sich zum Jahresende einer Rezession nähern." Aus diesen Gründen und weil die EZB zum Monatsende ihre Wertpapierkäufe einstellt, trennten sich Investoren erneut von Anleihen hoch verschuldeter Staaten wie Italien. Dies trieb den Renditeaufschlag zehnjähriger italienischer Bonds zu vergleichbaren Bundestiteln zeitweise auf den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Zinssorgen belasten Banktitel und Immobilienwerte

Sorgen um die Konjunktur angesichts der hohen Teuerung und steigender Zinsen belasteten europaweit Bankaktien. Banken profitieren eigentlich von höheren Zinsen, es nützt ihnen aber wenig, wenn sich gleichzeitig die Wirtschaft deutlich abkühlt. Die Papiere der Deutsche Bank verloren am Dax-Ende 5,9 Prozent. Die Anteile der Commerzbank gaben im MDax um 5,6 Prozent nach.

Vor dem Hintergrund der Zinswende in der Eurozone waren auch Immobilienwerte schwach. Vonovia büßten 3,3 Prozent ein, im MDax verloren TAG Immobilien 6,3 Prozent. Instone rutschten inklusive Dividendenabschlag im SDax sogar um 13 Prozent ab.

Bitcoin fällt unter 29.000 Dollar

Der Bitcoin notierte am Freitag auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund zuletzt knapp unter 29.000 US-Dollar und damit etwas tiefer als am Tag zuvor. Die weltweit bekannteste Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat die Kryptowährung mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Bitcoin

Ölpreise geben nach, US-Verbrauchervertrauen belastet

Die Ölpreise haben am Freitag merklich nachgegeben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 120,95 US-Dollar. Das waren 2,18 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 2,05 Dollar auf 119,44 Dollar.

Das deutlich gesunkene US-Verbrauchervertrauen belastete die Ölpreise. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima sank auf ein Rekordtief. Vor allem die hohe Inflation belaste die Erwartungen der Verbraucher, kommentierte Joanne Hsu, Leiterin der Umfrage. Eine trübe Stimmung der Verbraucher würde auch die Nachfrage nach Rohöl dämpfen.

Auch die steigende Teuerung in den USA gilt als Belastung für den Ölpreis: Den sie spricht für weitere deutliche Leitzinserhöhungen, was die Konjunktur belasten und damit auch die Nachfrage nach Rohöl dämpfen könnte. Wichtig für die Entwicklung der Rohölpreise ist derzeit die Corona-Lage in China. Gibt es von dort positive Nachrichten, sorgt das am Ölmarkt für Aufschwung - und umgekehrt. Hintergrund ist die strenge Corona-Politik der chinesischen Führung, die gegen das Virus mit Ausgangssperren vorgeht, die die Konjunktur belasten und den Energieverbrauch dämpfen. In Shanghai verhängte die Stadt wieder Massentests und Ausgangssperren für 15 Millionen Menschen - nach zunächst 11 Covid-Neuinfektionsen.

Insgesamt bewegen sich die Erdölpreise auf hohem Niveau. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat für ein äußerst knappes Ölangebot gesorgt, da russische Anbieter wegen Sanktionen des Westens Probleme haben, Abnehmer für ihr Erdöl zu finden. Das Ölkartell Opec+, dem Russland angehört, tut sich aus verschiedenen Gründen seit Längerem schwer, seine selbst gesetzten Produktionsziele zu erfüllen.

Mit Nachrichtenagenturen