Börse Dax startet mit Verlusten in den Oktober

Nach einer zwischenzeitlichen Aufholjagd hat Deutschlands Leitindex den Tag mit Verlusten beschlossen. Am Markt für Kryptowährungen sorgte Fed-Chef Jerome Powell für Kurssprünge.
Börsenkurse im Fokus: Der Dax hat am Freitag seine anfänglichen Verluste vollständig abgeschüttelt

Börsenkurse im Fokus: Der Dax hat am Freitag seine anfänglichen Verluste vollständig abgeschüttelt

Foto: A3472 Frank May/ dpa/dpaweb

Nach einem wechselhaften Verlauf ist der Dax  mit Verlusten in den Oktober gestartet. Der deutsche Leitindex büßte am Ende 0,68 Prozent auf 15.156,44 Punkte ein, nachdem er im Verlauf erstmals seit Mai wieder kurz unter die 15 000 Punkte gerutscht war. Nach seinen Verlusten, die der Dax am Vortag für den September und das dritte Quartal einstecken musste, ging nun auch die Woche schlecht zu Ende. 2,4 Prozent hat er seit dem vergangenen Freitag verloren.

Nach dem frühen Rutsch bis knapp unter die psychologisch wichtige Marke von 15.000 Punkten konnte der Dax seine Verluste zeitweise wett machen, als es hieß, vom US-Pharmakonzern Merck & Co könnte bald ein wirksames Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 auf den Markt kommen. Dies ermutigte die nervös agierenden Anleger aber nur kurz. Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect bezeichnete die Gesamtsituation weiter als fragil.

Der MDax folgte dem Dax nach unten. Der Index mit den mittelgroßen Werten ging 0,63 Prozent tiefer bei 34 154,15 Punkten aus dem Handel. Vorübergehend war er unter 34 000 Zählern auf den tiefsten Stand seit Juli gefallen.

Dax

Alle Indizes und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Corona-Mittel von Merck gibt Wall Street Auftrieb

An der Wall Street legte der Dow Jones dagegen 0,7 Prozent zu. Auftrieb erhielt der US-Standardwerteindex unter anderem von den ermutigenden Testergebnissen des Coronavirus-Medikaments von Merck & Co. Den Angaben zufolge reduziert das Mittel das Risiko eines Krankenhaus-Aufenthaltes oder Tods bei einer Infektion um etwa die Hälfte. "Das gibt Leuten Hoffnung, dass die Rückkehr zur Normalität trotz Fällen von Infektionen bei Geimpften nicht vom Kurs abkommt", sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Aktien des Pharmakonzerns stiegen daraufhin zeitweise um gut zwölf Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 84,30 Dollar.

Die Merck-Arznei schürte zudem Spekulationen auf eine rasche Erholung des Tourismus. So stieg der europäische Branchenindex um drei Prozent. An der Wall Street legten die Aktien der Fluggesellschaften American Airlines, Delta und United bis zu fünf Prozent zu. Die Kreuzfahrt-Veranstalter Carnival, Royal Caribbean und Norwegian gewannen bis zu fünf Prozent. Die Titel des Online-Reisebüros Booking.com rückten knapp drei Prozent vor. Unter die Räder kamen dagegen Hersteller von Covid-Impfstoffen. So brachen die Aktien von BioNTech um 13 Prozent ein. Die Titel des Entwicklungspartners Pfizer gaben an der Wall Street um 1,6 Prozent nach. Papiere des Rivalen Moderna stürzten ebenfalls um 13 Prozent ab.

Euro leicht über 14-Monatstief

Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1600 (Donnerstag: 1,1579) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8620 (0,8636) Euro. In der Nacht war sie mit 1,1563 Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli 2020 gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,1579 Dollar festgesetzt.

Die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone hat sich im September laut einer zweiten Schätzung deutlich eingetrübt. Ein erstes Resultat des vom Forschungsunternehmen IHS Markit erhobenen Einkaufsmanagerindex wurde nur leicht nach unten korrigiert. Große Kursausschläge lösten die Daten daher nicht aus. Viele Unternehmen litten unter Lieferproblemen, erklärte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Bitcoin startet Erholungsversuch

Viele Kryptowährungen haben vor dem Wochenende deutlich zugelegt. Am Freitag stieg der Kurs der ältesten und marktgrößten Digitalwährung Bitcoin auf dem Handelsplatz Bitstamp zeitweise um mehr als zehn Prozent auf 47.800 US-Dollar. Auch andere Kryptowerte wie Ether, Cardano oder XRP legten erheblich zu. Der Marktwert aller rund 12.000 Kryptoanlagen stieg wieder über die Marke von zwei Billionen Dollar.

Einige Marktteilnehmer begründeten den Kurssprung mit Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank Federal Reserve. Am Vortag hatte deren Chef Jerome Powell vor einem Parlamentsausschuss auf Rückfrage gesagt, die Fed strebe kein Verbot von Kryptowährungen an. Eine Regulierung der neuartigen Digitalwerte sei allerdings sinnvoll. Die Haltung ist wesentlich moderater als die Bestrebungen der politischen Führung Chinas, die privatwirtschaftlichen Digitalwährungen sehr kritisch gegenüber steht. Erst vor wenigen Tagen hatte die chinesische Zentralbank betont, dass der Handel mit Kryptowerten illegal sei. China strebt seit längerem eine eigene, staatlich kontrolliere Digitalwährung an. Der Digital-Yuan gilt in der Entwicklung als weit fortgeschritten und wird bereits in der Praxis getestet.

Bitcoin

Ölpreise geben nach

Spekulationen auf eine rasche Ausweitung der Fördermenge der großen Exportländer und der starke Dollar belasten den Ölpreis. Für die Nordsee-Sorte Brent fällt er um bis zu ein Prozent auf 77,55 Dollar. Das US-Öl WTI wird mit 74,23 Dollar je Fass 1,1 Prozent niedriger gehandelt. Nach Reuters-Informationen könnte bei einem Opec+-Treffen am Montag beschlossen werden, die Fördermenge doch schneller auszuweiten als bislang geplant. Wegen eines Angebotsdefizits sind die Preise für die Ölsorten Brent und WTI aus den USA in den vergangenen sechs Wochen um jeweils rund 20 Prozent gestiegen.

Brent

Vor dem Hintergrund der jüngsten Ölpreis-Rally könnten die großen Exportländer Insidern zufolge ihre Fördermengen nun doch schneller ausweiten als bislang geplant. Bei dem Opec+-Treffen am Montag könnte ein solcher Schritt beschlossen werden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag. Details wurden zunächst nicht bekannt. Am Vortag hatte es noch aus Kreisen geheißen, es solle dabei bleiben, dass die Quoten ab November um insgesamt 400.000 Barrel pro Tag angehoben würden.

la/luk/dpa, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.